Vorschriften für Yom Kippur – יום הכיפורים


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1. Am Jom Kippur ist Essen und Trinken verboten. Das Verbot des Essens beinhaltet auch, etwas zu probieren, auch wenn man es dann ausspuckt und nichts hinunterschluckt. Deswegen ist es auch nicht erlaubt, Kaugummi zu kauen oder Bonbons zu lutschen. Gleichermassen ist es untersagt, den Mund mit Wasser auszuspülen, auch wenn es nachher ausgespuckt wird. Es ist aber erlaubt, Esswaren oder Getränke in die Hand zu nehmen, um sie kleinen Kindern zu geben. Bei der Einnahme von Medikamenten ist zu entscheiden, ob das Weglassen gefährlich sein kann. Wenn Medikamente genommen werden müssen, sollen sie, wenn möglich, ohne Wasser eingenommen werden.

2. Das Tragen von Lederschuhen oder Schuhen, die auch nur teilweise aus Leder gefertigt sind, ist untersagt. Schuhe, die überhaupt kein Leder an sich haben, sind erlaubt, wie auch lederne Kleidungsstücke, die man nicht am Fuss trägt, wie z.B. ein Gürtel oder Mantel.

3. Jede Verrichtung von Arbeit ist verboten, die auch am Schabbat verboten ist.

4. Der eheliche Verkehr ist verboten.

5. Man darf sich nicht waschen oder salben. Das Verbot, sich zu waschen, bezieht sich sowohl auf den ganzen Körper als auch auf Teile dessen – sei es mit kaltem oder warmem Wasser. Es ist sogar verboten, seinen Finger in Wasser zu stecken. Gleichermassen gilt das Verbot, sich zu salben oder eine Crème zu benutzen für den ganzen Körper oder auch Teile davon, selbst für einen einzelnen Finger. Im Gegensatz zum Waschen gilt das Verbot auch, wenn es nicht nur dem Komfort dient, beispielsweise auch als Mittel zur Entfernung von Schmutz. Ein Kranker jedoch darf sich salben oder einkremen, auch wenn keine Lebensgefahr besteht.

6. Jedoch ist es nur verboten, sich des Komforts wegen zu waschen. Wenn man sich beschmutzt hat, darf man den Schmutz abwaschen. Darum sollte man sich morgens nach dem Schlaf die Hände waschen, muss aber darauf achten, nur die Finger zu waschen. Ebenso darf man seine Hände (d.h. seine Finger) waschen, wenn man seine Bedürfnisse verrichtet hat.

Vorschriften für Kinder

1. Ein Junge, der das 13. Lebensjahr überschritten hat, und ein Mädchen, das 12 Jahre alt ist, gelten im Judentum bezüglich der Ausübung religiöser Vorschriften als Erwachsene und haben alle Gesetzesvorschriften eines Erwachsenen (siehe oben) zu erfüllen.

2. Man ermutigt und erzieht in der Regel auch jüngere Kinder dazu, die Gebote/Verbote ihren Fähigkeiten und ihrem Reifegrad entsprechend einzuhalten. Bezüglich Jom Kippur hängen die Vorschriften von Alter und Konstitution des Kindes ab, da der Entzug von Nahrung und Flüssigkeit die Gesundheit des Kindes gefährden kann.

3. Essen und Trinken: ein Kleinkind bis zu neun Jahren isst wie gewöhnlich. Von neun Jahren bis zehn Jahren erzieht man ein Kind, ein bisschen zu fasten, d.h. man gewöhnt es daran, später als gewohnt zu essen. Man lässt Kinder vor elf Jahren nicht den ganzen Tag fasten. Ab elf Jahren, wenn das Kind gesund und stark ist, kann es den ganzen Tag fasten.

4. Waschen und Salben: Weil wir heutzutage unsere Kinder nicht immer jeden Tag waschen und salben, soll man Kinder am Jom Kippur auch nicht waschen und salben.

5. Lederne Schuhe: Weil Kinder in der Regel auf Lederschuhe verzichten können, sollte man ihnen keine anziehen.

Bräuche am Jom Kippur

1. Es ist ein Brauch am Jom Kippur, dass verheiratete Männer ihren Kittel (weisses Gewand) während des Gebets tragen. Gründe dafür sind u.a., dass es ein Zeichen der Ehrfurcht ist, und an die Gewänder von Engeln erinnert. Die Farbe Weiss ist auch ein Zeichen für Reinheit von Sünden. Weil man mit diesem Kittel auch selbst begraben wird, erinnert uns das Tragen dieses Gewandes an die eigene Endlichkeit und somit an Demut und Unterwerfung vor G“tt, vor dessen Gericht wir dann bestehen müssen.

2. Es ist ein alter Brauch am Tag vor Jom Kippur-Abend Kapparot zu schwingen. Die Vorgehensweise ist die Folgende: ein Mann nimmt einen lebendigen Hahn und eine Frau eine lebendige Henne in die rechte Hand und schwingt sie einige Male über den Kopf, während ein Gebet ausgesprochen wird. Die Bedeutung dieses Brauchs (die auch ausdrücklich durch das Gebet ausgesprochen wird) ist es, den Menschen daran zu erinnern, dass alles, was mit diesem Huhn geschieht, eigentlich mit ihm geschehen sollte. Durch seine Sünden verdiente er es, so behandelt zu werden. Diese Tat soll uns unsere eigenen Taten vor Augen führen, um so Reue zu erreichen. Danach wird das Huhn rituell geschlachtet und an Arme als Spende verteilt. Die Kapparot können auch mit Fischen oder sogar Geld gemacht werden, abhängig vom Brauch der Gegend.



Kategorien:Gesellschaft

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1 Antwort

  1. Ein guter Artikel, danke. Unter Vorschriften # 4 führen Sie auf, dass ehelicher Verkehr verboten ist. Ich bin erleichtert, dass dies offenbar nicht für unehelichen Verkehr gilt.

    Unter Bräuche, # 2: dieser sogenannte Brauch wird auch von orthodoxen Juden abgelehnt. Die Gueggel lieben das gar nicht und es ist Tierquälerei.

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