Antisemitisches Pamphlet im Online-Shop


In den 30er Jahren war die antisemitische Schrift auch im englischsprachigen Raum ein Verkaufshit (Foto: Humus sapiens, Wikipedia)

Oxfam entfernt „Protokolle der Weisen von Zion“ aus Online-Shop

Die Webseite von Oxfam hat judenfeindliche Literatur zum Verkauf angeboten. Nun will sich die Organisation darum bemühen, dass ein solcher Vorfall nicht wieder auftritt.

Die Wohltätigkeitsorganisation Oxfam hat für den Handel mit der antisemitischen Schrift „Protokolle der Weisen von Zion“ um Entschuldigung gebeten. Sie entfernte die Bücher aus ihrem Online-Shop. Dort war eine Ausgabe von 1936 für umgerechnet 110 Euro und eine Ausgabe von 2002 für 14 Euro angeboten worden.

Der israelische Botschafter für Grossbritannien, Mark Regev, hatte am 13. März auf die Angebote bei Twitter mit einem Screenshot aufmerksam gemacht und geschrieben: „Warum verkauft @OxfamGB antisemitische Literatur?“ Der Geschäftsführer von Oxfam Grossbritannien, Danny Sriskandarajah, entschuldigte sich per Telefon bei dem Botschafter und twitterte: „Die Bücher wurden vernichtet & wir wollen daraus eine Lektion lernen. Das hätte nicht passieren sollen. Es tut uns leid, dass es passiert ist und für die Beleidigung, die es verursacht hat.“ Regev twitterte später, dass er den Anruf und die Bitte um Entschuldigung schätze. Laut Oxfam hatten freiwillige Mitarbeiter die Bücher fotografiert und eingestellt.

Im Jahr 2014 war Oxfam mit einer seiner Botschafterinnen, der amerikanischen Schauspielerin Scarlett Johansson, aneinandergeraten. Diese machte Werbung für das israelische Getränkeunternehmen „SodaStream“, das zu der Zeit auch im Westjordanland produzierte. Oxfam beendete daraufhin die Zusammenarbeit mit Johansson.

Die „Protokolle der Weisen von Zion“ sind ein antisemitisches Pamphlet, das auf Fälschungen beruht. Es erschien zuerst 1903 im russischen Zarenreich und gibt vor, Aufzeichnungen eines Treffens von jüdischen Weltverschwörern zu enthalten. In den fiktionalen Reden wird angestrebt, Staaten zu zerstören und eine jüdische Weltherrschaft zu errichten. Bereits im Jahr 1921 entlarvte die britische Zeitung „The Times“ die „Protokolle“ als Fälschung. Auch der Berner Prozess von 1933 bis 1935 kam zu dem Ergebnis, dass es sich um Schundliteratur handelt. Trotzdem glauben noch heute viele Antisemiten und Verschwörungstheoretiker, besonders in islamischen Ländern, an deren Echtheit. (inn)

 



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