Thorazitat – Parascha


„Meine Augen sind immer auf Gott gerichtet“ (Psalm 25 Vers 15)

Thora-Parascha

Sidra: „Chaje Sara“
Lesungen: 1. Mose 23:01 – 25:18
Haftara: Schoftim: 14:1 – 20

Chaje Sara  – Psalm 45
Glückwünsche zur Hochzeit

Psalm 45, „ein Lied der Freundschaft“ (Vers 1), wurde zur Hochzeit eines israelitischen Königs verfasst. A.  Chacham bemerkt, dass die Identität dieses Königs umstritten ist – diese Frage soll uns jetzt nicht interessieren. Wir suchen nach einer Verbindung zwischen dem Wochenabschnitt und dem zugeordneten Psalm: Hier wie dort ist von einem Brautpaar die Rede. Yizhak heiratet Rivka (Bereschit 24, 67). Sowohl in der Tora als auch im Psalm stehen Glückwünsche zur Vermählung.

Bevor Rivka das Elternhaus verliess, bekam sie gute Wünsche zu hören. Kritisch merkte der Amoräer Eivu an, dass man der Braut die üblichen Geschenke nicht gegeben hat (Bereschit Rabba, Abschnitt 9,13). Wie segneten sie Rivka? „Unsere Schwester! Werde du zu tausend Zehntausenden, und es erbe dein Same das Tor seiner Hasser“ (Bereschit 24,60). Raschi erklärt: „Du und deine Nachkommen sollen den Segen empfangen, welcher dem Abraham auf dem Berge Morija verheissen wurde: Ich will deine Nachkommen zahlreich werden lassen…(Bereschit 22,17). Möge es Gott gefallen, dass diese Nachkommen von dir und nicht von einer anderen Frau sein werden!“

Um Nachkommen  geht es auch im Glückwunsch des Psalmisten an den israelitischen König: „An deiner Väter Stelle mögen deine Söhne treten, mögest du sie setzen zu Fürsten im ganzen Land“ (Vers 17). Rabbiner S. R. Hirsch erklärt: „Er wünscht ihm das wahre Glück der Ehe, das nicht nur in Kindern besteht, sondern in solchen Kindern, in denen die Eltern der Eltern fortleben. Mögest du die Freude haben, in deinen Kindern deine Eltern wieder aufleben zu sehen, und mögen sie so tüchtig werden, dass du an ihnen Mitarbeiter und Gehilfen in deiner Wirksamkeit für deines Volkes Wohlfahrt habest, und du sie als Fürsten verwenden könnest im ganzen Lande.“ ( )

Sidra Chaje Sara

Gott und Technik

Bevor er sterben wird, ist Awraham darauf aus, die ‘richtige’ Frau für seinen Sohn Jizchak zu finden. Diese Frau soll nicht in der Nachbarschaft, sondern im eigenen Clan, in Aram Naharajim, gefunden werden (Bereschit 24, 1-4). Einer der Diener macht sich, beladen mit Geschenken für die zukünftige Braut und ihre Familie, auf den Weg dorthin. Der Diener betet zu Gott für das Gelingen des Auftrages. Nachdem Riwka, er weiss dann noch nicht wer sie ist, ihn und seine Kamele bei der Wasserquelle wo sie sich begegnen getränkt hat, dankt er dem EWIGEN: «Gepriesen sei der EWIGE, der Gott meines Herrn Awraham, der seine Güte und Treue meinem Herrn nicht entzogen hat» (Bereschit 24, 27). Die Zuversicht des Dieners, dass der EWGE ihm gutgesinnt sei, gilt nicht ihm selbst, sondern seinem Herrn Awraham.

Das Vertrauen in, oder der Glauben an Gott, ist für Abermillionen Menschen auf der Welt ein entscheidender ‘Gefährte’: «Komme was komme, Gott ist mit mir.» Ein chassidischer Rebbe erklärte jedes Ereignis, ob gut oder schlecht, mit «gam sule towa», «auch dies ist zum Guten». Dieser Gepflogenheit hat er den Spitznamen ‘Gamsu’ zu verdanken. Der felsenfeste Glaube an Gott bedeutet jedoch nicht eine passive Haltung anzunehmen gegenüber dem, was auf einem zukommt. Awraham hatte grosses Vertrauen, dass er mit der Hilfe des EWIGEN die ‘richtige’ Frau für seinen Sohn finden würde, setzte aber seine eigene Tatkraft dazu. Nicht nur, dass er den richtigen Diener mit dem richtigen Auftrag in die richtige Gegend schickte, stattete er ihn gleichwohl mit reichlichen Geschenken für die zukünftige Schwiegerfamilie aus. Gott zu vertrauen ist eine Sache. Ein erwünschtes Ziel mit passendem und angemessenem Handeln zu erreichen, eine andere.

Die Pandemie hat für viele Menschen einen Vertrauensbruch verursacht: Angst um die drohende Krankheit, Arbeitslosigkeit, Beklemmung über die finanziellen Folgen, Furcht über die Gesundheit der betagten Eltern, Grosseltern oder Freunde. Menschen verloren ihr Vertrauen in die Führung ihrer Staaten. Massnahmen würden zu wenig effektiv oder umgekehrt, zu restriktiv sein. Komplott-Theoretiker äussern sich besonders zynisch über Makrosysteme mit vermeinten Interessen an der Pandemie. Die Orthodoxen aller Religionen vertrauen nur noch auf die Rettung Gottes, obschon, oder vielleicht gerade weil, ihre Gemeinschaften oft hart von Covid-19 getroffen sind.

Vertrauen ist nötig, um das Leben mit seinen Grillen die Stirne bieten zu können. Vertrauen gibt uns Kraft und Energie, die Entbehrungen durchzuhalten. Eine / einen Geliebten an Covid zu verlieren, bedeutet unermessliches Leid. Doch, wie bei jedem Verlust eines / einer Geliebten, bieten das Leben selbst, die Umgebung, Familie, Freunde, Musik, Fotos und Erinnerungen Trost. Not auf der ökonomischen Ebene ist unstrittig hart. Es kann und wird sich aber, mit der richtigen Einstellung und einer vernünftigen Handelsweise bestimmt, wieder einrenken. Geplante Ferien, Reisen oder sonstige Ausland-Abenteuer ….. Es soll uns in unserem ganzen Leben nichts Schlimmeres widerfahren. Ein grosses und unterschätztes Leid der schon neunmonatigen Covid-Periode ist die Einsamkeit der Alleinstehenden. Familientreffen, Besuche von Freunden, soziale Anlässe, Gottesdienste …. es fehlt Vielen fürchterlich. Und doch, auch in diesem Bereich gibt es andere, neue Wege. Einsamkeit muss keine absolute Folge der Pandemie sein. Man kann sich treffen. Facetime, Skype und WhatsApp Video sind gute Verbindungsinstrumente. Damit meine ich nicht technische Verbindungsinstrumente, sondern die ‘Neschume’, die Seele verbindende Instrumente. Unser Gottesdienst ist via YouTube zu folgen. Wer mitmachen, eine Aljia oder lajnen möchte (nur vorher bitte bei Susi Saitowitz melden) kann via Zoom interaktiv mitmachen. Wir freuen uns riesig über Zoom-Teilnehmer.

Die Covid-Zeit gibt uns neben grossem Ungemach auch Chancen. Sie zwingt uns zu Kreativität und Vernunft und vor allem, aus unserer Komfortzone zu treten. Viele der negativen Folgen der Pandemie lassen sich mit Vertrauen, ob nun in Gott, uns selbst oder in liebe Mitmenschen und den Mut es halt anders als anders zu machen, besiegen.

Schabbat Schalom,
Rabbiner Ruven Bar Ephraim, JLG Zürich



Kategorien:Gesellschaft

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