Baustart für Potsdamer Synagoge noch 2021


Hier soll die Synagoge Potsdam entstehen.

Das Land Brandenburg und ZWST kooperieren – Abraham Lehrer: Alle jüdischen Gemeinden der Stadt willkommen.

Eine neue Synagoge für Potsdam ist in greifbare Nähe gerückt: Noch in diesem Jahr soll der Bau eines neuen jüdischen Gotteshauses in der brandenburgischen Landeshauptstadt beginnen. Brandenburgs Kulturministerin Manja Schüle (SPD) präsentierte in der brandenburgischen Landeshauptstadt Pläne für ein Synagogen- und Gemeindezentrum. »Wir werden die Synagoge wie im Koalitionsvertrag versprochen in dieser Legislaturperiode an die Jüdinnen und Juden in Brandenburg zur Nutzung übergeben«, sagte Schüle am Donnerstag bei einer Online-Pressekonferenz.

Die Landesregierung wolle die Synagoge in Zusammenarbeit mit der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden (ZWST) auf dem Gelände in der Schlossstrasse 1 errichten. Land und Zentralwohlfahrtsstelle wollten dazu in Kürze eine Vereinbarung unterzeichnen. Pläne für den Bau lagen seit Jahren auf Eis, weil verschiedene Potsdamer Gemeinden unterschiedliche Vorstellungen unter anderem zur Architektur der Synagoge hatten.

AUFGABE – »Mir ist völlig bewusst: Es ist nicht Aufgabe des Staates, Gotteshäuser zu bauen oder darüber zu entscheiden, wie sie aussehen oder genutzt werden sollen. Dafür brauchen wir kompetente, erfahrene, vor allem aber legitime Partner, und die haben wir mit dem Zentralrat der Juden in Deutschland und der Zentralwohlfahrtstelle der Juden in Deutschland gefunden«, sagte Schüle.

»Wir würden dieses Gebäude nicht als Staat finanzieren, wenn es nicht der deutsche Staat gewesen wäre, der die Potsdamer Synagoge und buchstäblich Tausende andere zerstört und Millionen Jüdinnen und Juden ermordet hätte«, so die Ministerin weiter. Der Synagogenneubau sei ein überaus wichtiges Signal im Festjahr zu 1700 Jahren jüdischen Lebens in Deutschland.

Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, nannte den Synagogenbau einen lang gehegten Wunsch der jüdischen Community in Potsdam. »Wir sind der Landesregierung sehr dankbar für ihre Unterstützung, um diesen Wunsch jetzt Wirklichkeit werden zu lassen«, fügte er hinzu. Mit dem Projekt werden eine Lücke geschlossen: »Potsdam ist bislang die einzige Landeshauptstadt, die keinen eigenen klassischen Synagogenbau besitzt.«

BEGLEITUNG – »Wir gehen von der Eröffnung 2024 aus«, sagte Schuster. Während der Bauphase solle eine jüdisch-fachliche Begleitung durch die ZWST erfolgen. Danach solle das Projekt im Rahmen einer Stiftung durch die ZWST drei Jahre weiter betreut und anschliessend dem Landesverband Jüdischer Gemeinden in Brandenburg übergeben werden, »zur Nutzung für alle jüdischen Gemeinden in Brandenburg und insbesondere in der Stadt Potsdam«.

Abraham Lehrer, Vorstandsvorsitzender der ZWST und Vizepräsident des Zentralrats der Juden, sagte: »Für die ZWST ist dies der zweite Anlauf, mitzuhelfen und mitzuwirken, dass in der Stadt Potsdam ein Bau errichtet wird, der eine Synagoge beinhaltet und den Gemeinden Möglichkeiten eröffnet, ihre Sozial- und Jugendarbeit in passendem Rahmen durchzuführen.«

In dem Gebäude solle es auch Angebote für Familien und Senioren geben: »Es soll ein Haus sein, in dem es lebendig zugeht. (…) Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit mit dem Architekten Haberland und sind sicher, dass das diesmal ein erfolgreiches Projekt werden wird.«

Lehrer betonte, alle Jüdinnen und Juden und alle jüdischen Gemeinden der Stadt Potsdam seien eingeladen, an der Nutzung des Hauses mitzuwirken: »Wir wollen das nicht für unseren Verband einrichten und eingliedern, sondern wir wollen es gestalten, damit die Menschen und die jüdische Gemeinschaft von Potsdam sich darin ein Zuhause bilden können und dass sie sich dort wohlfühlen und möglichst häufig zusammenkommen, um gemeinschaftlich zu feiern, sich fortbilden oder beraten zu lassen.«

KOSTEN – Den Angaben zufolge finanziert das Land den Bau mit rund 13,7 Millionen Euro. Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) sprach von einem wichtigen Signal, »insbesondere in diesem Jahr, in dem wir 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland feiern«. In den vergangenen 30 Jahren sei ein vielfältiges und aktives jüdisches Leben im Land neu entstanden.

Die Pläne des Berliner Architekten Jost Haberland sehen ein Gebäude mit sieben Rundbogenfenstern und einer Dachterrasse für kulturelle Feste vor, das etwas in die Strasse hineinragt. Trotz aller Sicherheitsstandards solle es ein offenes Haus sein. Das eigentliche religiöse Zentrum ist im ersten Obergeschoss vorgesehen, im Erdgeschoss gibt es ein öffentlich zugängliches Café.

»Das Synagogenprojekt hat sich seit dem Wettbewerbsprojekt aus dem Jahr 2009 in vielfältiger Weise gewandelt und wurde in vielen, auch öffentlichen Diskussionen und Workshops an die Bedürfnisse der Jüdinnen und Juden angepasst. Auf Grundlage des im Frühjahr 2020 vorgestellten Vorentwurfs wurden Anfang dieses Jahres die Genehmigungsunterlagen eingereicht. Die Baugenehmigung wird Ende März erwartet. Die im Vergleich zum Wettbewerbsprojekt gestiegenen Kosten begründen sich vor allem in erhöhten Sicherheitsanforderungen und dem allgemeinen Anstieg der Baukosten«, sagte der Architekt.

Die Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit Potsdam (GCJZ Potsdam) begrüsste die Entwicklung. Der bevorstehende Baubeginn stiess bei SPD und Linken sowie der 1997 gegründeten Union progressiver Juden in Deutschland auf Zustimmung. Rabbiner Walter Homolka sprach von einem »guten Tag für die jüdische Gemeinschaft Brandenburgs«.

(Ayala Goldmann/ Jüdische Allgemeine; Foto: Rolf Walter/xpress.berlin)

 



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