Pessach-Seder: Vier Weinbecher, Vier Heilige Mütte


Der Maharal erklärt, dass das Mazza und Maror an unsere drei heiligen Väter Avraham, Itzhak und Yaakov erinnern.

Frauen bei dem Pessach Seder
 
Die aktive Teilnahme am Pessach Seder ist auch eine wichtige Mitzwa für Frauen, da der Auszug aus Ägypten „im Verdienst der rechtschaffenen Frauen…“ stattfand (Babylonischer Talmud, Sota 11b). Vielleicht lesen wir sogar den grössten Teil der Hagada vor dem Essen, damit die Frauen noch weitere Stunden frei von ihren Küchenarbeiten am Tisch bleiben. Frauen sind verpflichtet, die vier Becher Wein oder Traubensaft während des Seders zu trinken und sich aktiv an allen anderen Angelegenheiten des Seders zu beteiligen (Shulchan Aruch, Orach Chaim 472: 14). Der Maharal erklärt, dass das Mazza und Maror an unsere drei Väter Avraham, Itzhak und Yaakov erinnern und dass die vier Becher Rotwein oder Traubensaft, die wir am Pessach-Seder trinken, unsere vier heiligen Mütter symbolisieren (Maharal Gevurat Hashem 48).


Inwiefern sind die vier Becher mit unseren vier Müttern verbunden?
 
So wie die Weinrebe nicht mit einem anderen Baum gepfropft werden kann und ein bescheidener Baum in den Nischen des Hauses ist, waren auch die Mütter „tznuot“ (bescheiden) (Maharal Gevurat Hashem 60). Wir eröffnen den Seder mit dem ersten Becher, der zum Kiddush benutzt wird. Ebenso sind Frauen diejenigen, die die Initiativen ergreifen, Heiligkeit in ihre Häuser zu bringen. Die Tatsache, dass das Trinken von vier Bechern Wein auch nach dem Essen fortgesetzt wird, symbolisiert die lang anhaltende Wirkung der Weisheit der Frauen. Wein entspricht der inneren Dimensionen der Tora, in denen es heisst: „Wenn Wein reinkommt, dann taucht das Geheimnis auf“ (Babylonischer Talmud, Iruvin 55a). Die spirituelle Verbindung der Frauen mit den inneren Dimensionen der Tora spiegelt ihre physischen verborgenen Dimensionen wider.


Der erste Becher entspricht Sarah
 
Der erste Becher entspricht der ersten der vier Sprachen der Geulah (Erlösung): „Ich werde dich unter den Lasten von Mitzrayim hervorbringen“ (Exodus 6: 6-7). Dieses Versprechen umfasst unsere physische Erlösung. Wenn wir den ersten Becher trinken, ist es wichtig zu meditieren und um unsere Befreiung von körperlichen Leiden (Schmerzen, Krankheiten, Antisemitismus, Terrorismus usw.) zu beten. Sarah war die erste Frau, die die Emuna in Haschem vollständig in ihrem Körper integriert hat. Auf diese Weise schuf sie die spirituelle Genetik, aus der das jüdische Volk hervorgehen würde. Der erste Becher ist der Kiddush-Becher, der den Feiertag von den alltäglichen Wochentagen erhebt und trennt. Ebenso war Sarah die erste Frau, die sich von allen anderen Menschen auf der Welt trennte. Mögen wir von Sarah lernen, unsere Emuna unter allen Bedingungen und trotz Schwierigkeiten zu verstärken und mögen wir in der Lage sein, unsere Emuna in unsere täglichen Aufgaben in der physischen Welt zu integrieren!


Der zweite Becher entspricht Rivkah
 
Der zweite Becher entspricht der zweiten der vier Sprachen der Geulah: „Ich werde dich aus ihrer Knechtschaft befreien“. Dieses Versprechen beinhaltet die Befreiung von körperlicher und geistiger Versklavung. Vielleicht sind wir es uns zwar nicht bewusst, aber viele unserer Taten beruhen auf verschiedenen unbewussten Skripten, die in unserer Psyche von Kindheitswunden und -trauma eingeprägt sind. Sie verursache demenstprechend auch eine Menge von Ängsten, Eifersucht und Wut. Obwohl Rivkah aus einer stark gestörten Familie stammte, konnte sie die Wunden von ihrer Kindheit heilen, indem sie sich an Kedusha (Heiligkeit) ganz fest band. Schon in jungen Jahren hatte sie keine Angst, sich von ihrer Familie und ihrer vertrauten Umgebung zu trennen, um Elieser, einem fremden Mann (dem Diener von Avraham) an einen unbekannten Ort zu folgen und dann unseren Vorvater Itshak, den Sohn von Avraham zu heiraten. Wenn wir den zweiten Becher trinken, ist es gut zu meditieren und um die Befreiung aller unseren Abhängigkeiten zu beten. Dieser Becher hat sogar auch die Kraft, uns von allen Einschränkungen zu befreien, die Mitzwot (Gebote aus der Tora) nur aus langweiliger Routine, ohne Überzeugung und Aufregung durchzuführen. Rivkah war mit ihrer Neshamah völlig verbunden. Alles, was sie in ihrem Alltagsleben tat und alle Mitzwot, die sie durchführte, waren ständig mit grossartiger Begeisterung eingeprägt. Der zweite Becher entspricht auch der Lesung der Hagada. So wie die Hagada mit Schande beginnt, aber mit Lob endet (babylonischer Talmud, Pesachim 116a), ging Rivkah aus den Dornen ihrer Wiege hervor und wurde dennoch zu einer ewigen Rose (Vayikra Rabah 23:1). Mögen wir von Rivkah lernen, uns von allen negativen Einflüssen unserer Vergangenheit zu brefreien!


Der dritte Becher entspricht Rachel
 
Der dritte Becher entspricht der dritten der vier Sprachen der Geulah: „Ich werde dich mit ausgestrecktem Arm erlösen“. Haschem versprach, unsere Geulah (Erlösung) in das Zchut (Verdienst) des ultimativen Ahavat Yisrael (bedingungslose Liebe an allen Juden) unserer Mutter Rachel zu bringen. Ahavat Yisrael war die besondere Eigenschaft von Rachel Imeinu (unserer Mutter Rachel). In ihrer selbstlosen Barmherzigkeit überwand sie ihre Eifersucht und erlaubte ihrer Schwester Leah, ihren Geliebten (Yaakov) zu heiraten, um sie nicht in Verlegenheit zu bringen (Eicha Rabah Einleitung 24). Ebenso wird das jüdische Volk Erlösung verdienen, wenn wir die Konflikte und Eifersucht unter unserem Volk überwinden und lernen, uns wirklich zu vereinigen. Wenn wir den dritten Becher trinken, ist es wichtig zu meditieren und um Toleranz und Akzeptanz zu beten, damit wir dadurch auch die Kraft bekommen, alle Grenzen, die uns trennen zu vollständig löschen. Das Ziel ist es, das Schisma zwischen den Kindern Rachel und Leah reparieren zu können. Der dritte Becher wird bei dem Birkat Ha’Mazon (Segenspruch nach der Mahlzeit) getrunken. Die Geulah soll Haschems Malchut (Königreich) in der physischen Welt offenbaren und der ganzen Welt Shefa (Wohlstand) bringen. Diese Offenbarung kann nur stattfinden, wenn wir uns einigen. Rachels Sohn Yossef konnte der Welt Wohlstand bringen, weil er seinen Brüdern gegenüber keinen Groll hegte, sondern ihnen vergab. Darüber hinaus war Rachel die Hauptstütze ihres Hauses. Dank der guten Eigenschaften der Frau wird die Familie mit Wohlstand und Schalom (Frieden, Harmonie) gesegnet (babylonischer Talmud, Baba Metzia 59a). Mögen wir von Rachel lernen, uns zu bemühen, um die zerstreuten Teile des jüdischen Volks zu vereinigen und das wahre Ahavat Israel von Rachel Imeinu hervorzubringen!


Der vierte Becher entspricht Leah
 
Der vierte Becher entspricht der vierten und letzten Sprache der Geulah: „Ich werde dich als Mein ein Volk zu Mir bringen“. Nachdem wir uns von unseren physischen, emotionalen und spirituellen Blockaden mithilfe der drei vorherigen Becher befreit haben, sind wir nun bereit, unsere Beziehung zu Haschem zu verstärken und durch Lob und Gebet direkt mit Ihm zu kommunizieren. Der vierte Becher schliesst das Hallel (Lobgebet) am Ende des Seders ab. Leah ist die erste Person in der Tora, die Haschem wirklich dankt und lobt, als sie bei der Geburt ihres vierten Sohnes Yehuda ausrief: „Dieses Mal werde ich Haschem danken“ (Bereishit 29:35) (Babylonischer Talmud, Berachot 7b). Rav Arush erklärt, dass, obwohl andere Menschen und Vorväter, von Adam bis Avraham Haschem sicherlich bereits vor Leah gedankt haben, hat allerdings niemand Ihm mit so einer starken, bewussten Intensität gedankt. Leahs Chidush (neue Idee) war es, Haschem wirklich für alles zu danken und ihn sogar auch für all die Schwierigkeiten, denen sie begegnet war, zu danken. Mit der Geburt von Yehuda erkannte sie, dass es notwendig und lohnenswert war, all ihr früheres Leiden zu erleben, um Yehuda, den Vorvater vom König David und Maschiach, zur Welt zu bringen. Wenn wir den vierten Becher trinken, ist es wichtig zu meditieren und um die Verstärkung unserer Beziehung zu Haschem zu beten, damit wir diese starke Verbindung zu Ihm sowohl in unseren Gebeten als auch in unserem Alltagsleben erleben können. Mögen wir von Leah lernen, Haschem immer zu erkennen, zu preisen und uns bei Ihm für alle Segen zu bedanken!


Frauen, lasst eure Stimmen gehört werden!
 
Die symbolische Verbindung zwischen unserer heiligen Mütter Sarah, Rivkah, Rachel und Leah und den vier Bechern des Seders lehrt uns, wie jeder der vier Erlösungsschritte im Zchut (Verdienst) einer unserer heiligen Mütter liegt. Der Midrasch lehrt uns, wie Haschem uns dank unserer heiligen Väter und Mütter erlöst hat, wie es heisst (Michah 6: 1): „Steh auf, kämpfe vor den Bergen und lass die Hügel deine Stimme hören“. Während unsere drei heiligen Väter Avraham, Itshak und Yaakov den Bergen entsprechen, symbolisieren die Hügel unsere vier heiligen Mütter Sarah, Rivkah, Rachel und Leah. Wir lernen dies aus der weiblichen Form des im Vers verwendeten Verbs „hören“ (Batei Midrashot 2, Midrash alfa Beita, Mesechta 315). Das Buch „Sefer Hachinuch“ erklärt, dass sowohl Männer als auch Frauen verpflichtet sind, über den Auszug aus Ägypten in der Seder-Nacht zu berichten (Mizwa 21). Es ist ganz besonders die Aufgabe der Familienmutter, dem Sohn, der nicht zu fragen weiss, zu antworten. So heisst es in der Hagada: „Sie öffnet [das Gespräch] für ihn“. Laut Rabbiner Schlomo Zalman Auerbach entspricht die weibliche Form von „Sie“ der Verpflichtung der Frauen, die Geschichte über unseren Auszug aus Ägypten (Otzar Meforshei Ha-Hagadah) zu erzählen. Deshalb, Frauen, erinnert euch während der Seder-Nacht daran, dass Haschem eure Stimme hören will! (Breslev)
 
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Rabbanit Chana Bracha Siegelbaum, gebürtige Dänin, ist Gründerin und Direktorin von dem Tora-Seminar für Frauen in der Stadt Bat Ayin: “Midreshet B’erot Bat Ayin: Holistic Torah Study for Women”. Chana Bracha ist seit Jahrzehnten eine weltberühmte Tora-Lehrerin und Mentorin. Sie hat verschiedene Bücher veröffentlicht : “Women at the Crossroads: A Woman’s Perspective on the Weekly Torah Portion” und “The Seven Fruits of the Land of Israel – With their Mystical & Medicinal Properties”. Zusätzlich praktiziert die Rebbetzin spirituelle Heilung gemäss der Tora. Für weitere Informationen besuche ihren Blog  http://rebbetzinchanabracha.blogspot.com/ oder kontaktiere sie direkt auf: Director@berotbatayin.org



Kategorien:Gesellschaft

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