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Erdogan: Zionismus ist ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit

Der türkische Regierungschef Recep Tayyip Erdogan hat den Zionismus als ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit bezeichnet. Bei einer Konferenz der Vereinten Nationen in Wien stellte er den Zionismus auf die selbe Stufe wie den Faschismus. Das sorgte in Israel, aber auch in den USA für Empörung. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sprach von einer „dunklen und verlogenen Aussage.“ Auch die amerikanische Regierung reagierte, ungewohnt rasch und deutlich: Erdogans Aussagen seien beleidigend und falsch, unterstrich Tommy Vietor, der Sprecher des Weissen Hauses…

Hat türkische Polizei den Verkauf einer antiken Torahrolle unterbunden?

Laut inländischen Medienberichten hat die türkische Polizei vier Personen verhaftet, die dem Vernehmen nach dabei waren, eine antike Torahrolle zu verkaufen. Wie die private TV-Station NTV enthüllte ist die Torahrolle aus Leder angefertigt, und die Verkäufer schätzen deren Alter auf fast 2000 Jahre. Die nur mit ihren Initialen identifizierten Verdächtigen sind gemäss dem Bericht in der türkischen Mittelmeerprovinz Adana verhaftet worden. Die älteste bekannte komplette Version einer Torah ist der so genannte Leningrader Kodex, der aus dem frühen 11. Jahrhundert stammt. Nur wenige existierende Torahrollen sind laut israelischen Quellen älter als 500 Jahre. – Einer der Verhafteten soll gesagt haben, er und seine Komplizen hätten die Torahrolle in einem Antiquitätenladen gekauft. Sie wollen sie daraufhin einem Geografielehrer mit der Bitte vorgelegt haben, ihnen zu erklären, was in der Rolle geschrieben stand. NTV berichtete ferner, die Polizei habe eine Untersuchung des Falls eingeleitet und die Torahrolle Experten zur wissenschaftlichen Prüfung übergeben.

In der Türkei wird Antisemitismus gesellschaftsfähig

Judenhass ist in der Türkei ein Alltagsphänomen geworden. Obwohl ich in Izmir, der demokratischsten Stadt der Türkei, wohne, wächst auch hier der Antisemitismus. Überall treffe ich auf Judenhasser und Feinde Israels, lausche ihren Vorurteilen auf der täglichen Busfahrt oder beim Besuch eines populären Fast-Food-Restaurants. Nicht wenige von ihnen bewundern Hitler, wünschen sich, er hätte seine „Mission“ zu Ende gebracht und nicht bei sechs Millionen ermordeter Juden aufgehört. Obwohl es mich anwidert, kann ich nichts dagegen unternehmen. Ich gehöre zu einer Minderheit in diesem Land und weiß, dass der Staat meine Rechte nicht schützen will und nicht schützen wird, weshalb es keine gute Idee wäre, darauf zu reagieren.
Ich besuche die zwölfte Klasse eines Gymnasiums. Um hier zu lernen, muss man eine Eintrittsprüfung bestehen. Die Lehrer sind deshalb ausgesprochen gebildet und anständig. Dieses Umfeld hebt sich von der türkischen Gesellschaft positiv ab. Dennoch musste ich diese Woche feststellen, dass sich selbst in diesem Umfeld etwas verändert hat.
In der Türkei muss jeder Schüler, egal ob Muslim oder andersgläubig, den islamischen Religionsunterricht besuchen. Um die Versetzung zu schaffen, muss dieser Kurs erfolgreich bestanden werden. Während einer Schulstunde begann nun der Religionslehrer, über die Operation „Sommerregen“ im Gazastreifen zu sprechen. Einige Schüler fingen an, über Israel zu schimpfen. Sie wurden immer gewalttätiger, und der Lehrer, ein Beamter des türkischen Staates, meinte: „Macht euch keine Sorgen, Israel wird eines Tages zerstört werden, und dieser Tag ist nahe. Alle Juden werden dafür bezahlen!“ Nachdem der Lehrer die Schüler so aufgehetzt hatte, begannen einige Schüler, Hitler zu loben, während andere ihrer Bereitschaft Ausdruck verliehen, die Israelis ins Meer zu treiben…

Zwist zwischen Israel und Türkei

Die Türkei hat beschlossen, die in Israel neulich gekauften Drohnen zurückzugeben. Türkische und israelische Experten kommentieren die zunehmenden Spannungen zwischen beiden Ländern mit Blick auf den Syrien-Konflikt.
Um ihre Entscheidung zu begründen, verwiesen die türkischen Behörden auf „mangelnde technische Unterstützung“ durch Israel. Ausserdem seien die zuvor gekauften Drohnen eigentlich „nutzlos“. Experten vermuten jedoch, dass die wahren Gründe tiefer liegen und den allgemeinen Stand des türkisch-israelischen Verhältnisses widerspiegeln. Der türkische Oberst a.D. Celalettin Yavuz, Vizechef der Denkfabrik TÜRKSAM, kommentiert:
„Die Türkei hat rund zehn israelische Drohnen des Typs Heron für 15 Millionen US-Dollar gekauft. Seit acht Monaten sind sie aber nicht zum Einsatz gekommen, es gibt Probleme mit deren Wartung und Reparatur. Es ist eine sehr richtige Entscheidung, etwas zurückzugeben, was nicht genutzt wird. Wie das praktisch aussehen soll, ist schwer zu sagen. Die Entscheidung der türkischen Führung kann als Absicht betrachtet werden, auf die Drohnen-Kooperation mit Israel zu verzichten. Ausserdem bastelt der türkische Luft- und Raumfahrtkonzern TAI mittlerweile an unbemannten Luftfahrzeugen. In ein paar Jahren sollen also Drohnen aus türkischer Produktion zur Verfügung stehen.
All dies ist ein indirekter Hinweis auf den aktuellen Stand der türkisch-israelischen Beziehungen. In der türkischen Sicherheitsdoktrin, dem so genannten Roten Buch, wurde Israel im Jahr 2009 als einziger Gegner der Türkei eingestuft. Doch mittlerweile haben sich die Beziehungen der Türkei mit ihren Anrainern Syrien, Iran und Irak drastisch geändert. Kaum hat sich die Türkei von Israel abgewandt, bekam sie unüberwindbare Differenzen mit ihren Anrainerstaaten.
Deshalb gab sich die israelische Führung Mühe, die Türkei mit ihren Nachbarn zu entzweien. Das ist aber nicht nur ein Verdienst der Netanjahu-Regierung. Die jüdische Lobby in den USA sowie die Obama-Administration haben ebenfalls dazu beigetragen. Als sie begriffen, dass es praktisch unmöglich ist, den Türken eine Freundschaft mit Israel aufzuzwingen, versuchten sie gemeinsam, eine Situation um die Türkei zu schaffen, um deren Einstieg in jede antiisraelische Koalition zu verhindern. Heute ist ein antiisraelisches Bündnis der Türkei, des Iran, des Irak und Syriens schwer vorstellbar. Das verdirbt weiter die israelisch-türkischen Beziehungen, die ohnehin nicht gerade gut sind“.
Nach Ansicht des israelischen Politikexperten Arye Gut wäre es allerdings verfrüht, von einem endgültigen Bruch zwischen Israel und der Türkei zu sprechen. Diese Länder bräuchten einander, so der Experte:
„Es geht ja nicht nur um 60 Jahre offizielle Beziehungen zwischen den beiden Staaten, sondern auch um 500 Jahre gute Beziehungen zwischen den beiden Völkern. Derzeit ist die Lage in unserer Region kompliziert. Die Türkei braucht Israel nicht weniger als Israel sie braucht. Die Türkei war immer ein sehr wichtiger wirtschaftlicher und militärischer Partner für Israel. Deshalb sollte sich die türkische Führung nicht von ihren persönlichen Ambitionen leiten lassen, sondern von den nationalen Interessen ihres Landes. Die Türkei sollte akzeptieren, dass Israel regional und international einen grossen Einfluss hat.
Die israelische Führung möchte ihrerseits die bilateralen Beziehungen neustarten. Für die Türkei wäre das nicht weniger wichtig. Die Lage in Syrien spitzt sich immer zu. Einerseits stärkt die Türkei den Anti-Assad-Kräften den Rücken, andererseits werden jedoch jene Kräfte stärker, die für die Sicherheit der Türkei gefährlich wären. Ich meine damit die Gruppen, die mit kurdischen Separatisten verbunden sind. Seit Jahrzehnten hat Israel der Türkei im Kampf gegen dieses Problem geholfen und seinem Verbündeten beigestanden. Bislang ist Israels Haltung zu diesem Problem protürkisch…