Wehrdienstverweigerung entwickelt sich in Israel zu einem ernsten Problem. Der Hauptgrund sind ultra-orthodoxe Juden, die sich aufgrund ihres Glaubens freistellen lassen.
Bevor Ueli Maurer die Auszeichnung für die Schweiz beanspruchte, galt gemeinhin die israelische Armee als die beste der Welt. Mehrmals in ihrer Geschichte obsiegte sie gegen zahlenmässig weit überlegene arabische Gegner. Doch spätestens nach dem Libanonkrieg 2006, der Operation «Gegossenes Blei» 2008/2009 und dem Aktion gegen einen türkischen Gaza-Hilfskonvoi 2010 hat ihr Mythos Kratzer bekommen. Die grösste Gefahr droht heute diesseits der Grenze: Eine wachsende Zahl ultra-orthodoxer Israelis verweigert den Wehrdienst, der eigentlich für alle (nicht-arabischen) Frauen und Männer im Alter von 18 Jahren obligatorisch ist.
Im Jahr 2020 werden 60 Prozent der 18-Jährigen den Militärdienst verweigern, prophezeite der Rekrutierungschef der israelischen Armee, Generalmajor Avi Zamir, am Donnerstag. «Die israelische Armee ist immer noch eine Volksarmee mit einer ziemlich hohen Dienstbereitschaft, aber es gibt einen Riss in der Gesellschaft. Wir müssen verhindern, dass dieser Riss weiter wächst», sagte er laut «Jerusalem Post» anlässlich der November-Aushebung. Aktuelle Statistiken belegen, dass schon heute die Hälfte aller Israelis zwischen 18 und 40 Jahren keinen Armeedienst leisten, sei dies im dreijährigen Grunddienst oder in der Reserve.
Der Hauptgrund für die Zunahme der Wehrdienstverweigerer ist die wachsende Zahl ultra-orthodoxer Juden, die aufgrund ihres Glaubens freigestellt werden. Die «Haredi», wie sie auf hebräisch genannt werden, verbringen ihre Zeit mit dem Studium der Torah. Ein Unterbruch für den Militärdienst kommt für viele nicht in Frage. Da ihre Geburtenrate dreimal so hoch ist wie der nationale Durchschnitt, könnte sich der Aderlass in Zukunft weiter zuspitzen.
Die israelische Armee hat aus diesem Grund einen speziellen Ersatzdienst geschaffen, der auf die Bedürfnisse der Ultra-Orthodoxen zugeschnitten ist. Doch das Interesse war bisher bescheiden. Nur rund tausend Hardedi haben in den vergangenen zwei Jahren von dieser Möglichkeit Gebrauch gemacht. 2010 liessen sich zum Vergleich 62 500 Haredi vom Militärdienst befreien…