Sheela Rohekar, die einzige jüdische Schriftstellerin in der Hindi-Sprache hat ihren neuesten Roman, “Miss Samuel: Ek Yahudi Gatha”, in dem sie das Leben der jüdischen Religionsgemeinschaft “Bene Israel” in Indien darstellt, veröffentlicht. Die offizielle Vorstellung des Buches, fand am 30. März 2013 in der renommierten Sangeet Natak Akademi (der Academy of Dance and Drama) in Lucknow statt. Die Veranstaltung wurde vom Lucknow Book Club organisiert.
Dieses neue Buch ist ein signifikantes Moment in der Geschichte der indischen und jüdischen Literatur und porträtiert, wie das Leben vor zweiundfünfzig Jahren in Indiens kleinster religiösen Minderheit, der jüdischen Gemeinde war. Das bisher einzige Buch über das Leben in der jüdischen Gemeinschaft in Indien, wurde 1961 von der Schriftstellerin Meera Mahadevan in dem Roman Apna Ghar veröffentlicht.
Rohekar hatte sich vorher noch nie Gedanken darüber gemacht, dass in Indien ein Interesse an der jüdischen Gesellschaft existieren könnte. In einer Nation wo die Menschen kaum die Existenz der Juden, trotz ihrer Präsenz seit zwei Jahrtausende kennen. Die meisten Inder sind entweder ignorant gegenüber Juden, oder kennen sie aufgrund ihrer kleinen Zahl in Indien nur aus sekundären Quellen und nicht infolge direkter Kontakte.
Sie sagt: “Ich fühlte mich beschämt und verlegen, als ich bei einem Besuch der Universität Uppsala in Schweden von Professor Heinz Werner Wessler gefragt wurde, ob ich jemals in meiner literarischen Karriere in Hindi und Gujarati irgendeine Geschichte, Gedicht oder Essay oder einen Roman über ein jüdisches Thema geschrieben hätte. Die Frage “warum” ich es in einen Zeitraum von vierzig Jahren nicht getan hatte, hallte immer wieder wie ein Echo in mir nach. War es meine Befürchtung, dass niemand in der Lage wäre, die Anliegen und Befindlichkeiten einer so kleinen Gemeinschaft in diesem riesigen Meer der Menschheit zu verstehen? Ich habe mich dieser Frage jetzt in meinem [letzten] Roman Miss Samuel gestellt, denn “Ek Yahudi Gatha hat die Geschichte einer jüdischen Familie als Thema.”
Rohekar begann ihre literarische Karriere 1968 mit der Veröffentlichung einer Hindi-Story und einer Sammlung von Kurzgeschichten in der renommierten literarischen Zeitschrift Dharmayug. Ihr erster Hindi Roman Dinānt erschien im Jahr 1977 und gewann das renommierte Yashpal-Award, benannt nach dem grossen Hindi-Schriftsteller Yashpal. Danach folgte 2005 ihr zweiter Roman “Tavīz”. Es ist die Geschichte über die Heirat von Révā, einer Hindu-Frau und Anvar einen Muslim und die Entwicklung in dieser interreligiösen und interkommunalen Beziehung.
// // Vielleicht war es Rohekars interreligiöse Ehe mit einem Hindu-Schriftsteller, die sie zu einer Geschichte rund um eine Hindu-Muslim-Heirat inspirierte. Interessant ist das Rohekars Kind, der Sohn von ihrem Hindu-Ehemann weder Hindu noch jüdisch, sondern Buddhist ist, obwohl Rohekar weiterhin stolz darauf ist jüdisch zu sein. Über ihre Heirat sagt Rohekar, “Ich bin mit einem Mann aus der hinduistischen Kaste “Kayastha” verheiratet und um ehrlich zu sein, hatte ich Angst vor der Eheschliessung. Ich war mir sehr wohl bewusst, dass ich von der hinduistischen Gesellschaft bestraft werden könnte und das ist genau das, was passiert ist. Die älteren weniger gut gebildeten Frauen in der Grossfamilie meines Mannes, haben mich nur widerwillig akzeptiert und lehnten es sogar ab, Wasser oder Nahrung aus meinen Händen anzunehmen.”
Der Lucknow-Buch-Club wurde mit organisiertem Widerstand gegen die Bemühung konfrontiert, den Roman über indische Juden in Hindi-Sprache zu veröffentlichen. Dieser Widerstand ist ein Beweis für den wachsenden Antisemitismus unter einem Teil der muslimischen Bevölkerung in der Stadt, was durch ein Beispiel aus jüngster Zeit belegt wird, als in der lokalen Zeitung “Lucknow Tribune” eine antisemitische Illustration gedruckt wurde. Der Lucknow-Book-Club war jedoch entschlossen, dass Buches auch angesichts dieses antisemitischen Widerstandes und trotz des Mangels an geeigneten Mitteln Herauszugeben.
Rohekars Roman “Miss Samuel: Ek Yahudi Gatha”, wie auch Meera Mahadevans Roman “Apna Ghar”, gelten wegen ihrer Kritik der indischen Haltung gegenüber Juden, als mutige Werke obwohl beide Romane das Fehlen des Antisemitismus in Indien anerkennen. Vielleicht sind es die zwanzig Jahre diplomatischer Beziehungen zwischen Indien und Israel und der Erfolg von Esther David, der bekanntesten indisch-jüdischen Schriftstellerin, die Rohekar ermutigten ihren Roman so zu schreiben. Denn ihr Buch steht im Gegensatz zu Mahadevans 1961 veröffentlichten Roman “Apna Ghar” der geschrieben wurde, als es weder andere indisch-jüdische Schriftsteller noch diplomatische Beziehungen zwischen Indien und Israel gab.
Von Dr. Navras Jaat Aafreedi, Tazpit News Agency
Der Autor ist Lehrer für Indo-judaische Studien und Experte für muslimisch-jüdische Beziehungen. Er lehrt als Assistant Professor für Geschichte an der Gautam Buddha University, Greater NOIDA, in Indien.
Kategorien:Kultur


Ritualbad in Jersusalem entdeckt
Einladung zum Synagogenrundgang
Israelitischer Gemeindebund kritisiert das Kunsthaus Zürich
Antisemitismus-Fälle beim Sender Deutsche Welle
Hinterlasse einen Kommentar