Es ist ein verdrängtes Kapitel im Werk des grossen Komödianten Jerry Lewis: 1971 schuf er mit «The Day The Clown Cried» nach eigenen Angaben seinen schlechtesten Film. Nun sind erstmals Auschnitte des Holocaust-Dramas bei Youtube aufgetaucht.Jerry Lewis hat in Frankreich stets grösseres Ansehen genossen, als in seiner amerikanischen Heimat. Die französische Kritik hat den Komiker und Regisseur seit den 1960er Jahren als «Auteur» und eigenständigen Filmkünstler betrachtet. In den USA galt und gilt der 87-Jährige dagegen vorwiegend als intellektuelles Leichtgewicht.
Weniger bekannt ist jedoch, dass französische Sympathien für Lewis ungewöhnliche Früchte getragen haben. Bei einem Aufenthalt in Paris sprach der Produzent Nathan Wachsberger den Komödianten Ende 1971 an und schlug ihm die Verfilmung eines Drehbuches mit dem Titel «The Day The Clown Cried» vor. Darin wird die Geschichte eines deutschen Clowns erzählt, der wegen seiner Scherze über die Nazis in ein KZ geworfen wird und schliesslich in Auschwitz landet. Dort lenkt er jüdische Kinder mit seinem Klamauk von ihrem Leid ab und folgt diesen schliesslich in die Gaskammer.
Lewis nahm die Rolle nach einem Besuch in Auschwitz mit einigem Zögern an und begann in Paris mit den Dreharbeiten. Diese wurden in Stockholm fortgesetzt. Doch die Produktion geriet rasch in Schwierigkeiten. Wachsberger leistete nie die versprochenen Zahlungen und so sah sich Lewis selbst zu der Finanzierung des Films gezwungen. Dies führte zu einem Rechtsstreit, der die Aufführung des Werkes zunächst verhindert hat. Doch Lewis selbst hat 1973 beschlossen, den Clown-Streifen niemals öffentlich zugänglich zu machen.
Seither hat Lewis den Film als «schlecht, schlecht, schlecht» und peinliches Debakel bezeichnet. Die wenigen Insider, die eine Rohfassung gesehen haben, bezeichnen «The Day The Clown Cried» als schockierend rührselige Farce.
Doch nun sind erstmals Auszüge aus dem Film bekannt geworden. Seit Anfang Woche steht ein sieben Minuten langer, flämischer Clip, der vermutlich 1972 für das belgische Fernsehen hergestellt wurde, auf Youtube, der Dreharbeiten und Szenen des «Clowns» zeigt (siehe hier). Darin ist Lewis kurz in Maske bei einer Jongliernummer zu sehen und er bezeichnet sich als «altmodischen Filmemacher» in der Tradition von Charly Chaplin.
KZ-Szenen fehlen indes. Allerdings löst der Clip ein Rätsel, das Cineasten lange beschäftigt hat. In dem Video sind auch Serge Gainsbourg und Jane Birkin zu sehen. Gainsbourg wird von einigen Experten als Darsteller in «The Day…» bezeichnet. Das Multitalent hat jedoch selbst nie über eine allfällige Mitwirkung an dem Holocaust-Drama gesprochen. Nun steht fest, dass Gainsbourg zumindest bei den Dreharbeiten anwesend war.
Ein weiterer Hinweis für eine Beteiligung Gainsborgs an dem Film ist, dass Wachsberger 1971 den Film «French Intrigue» mit Gainsbourg als Hauptdarsteller produziert hat. Ansonsten zeichnete der gebürtige Belgier Wachsberger für drittklassige Ware wie «The Queen of Babylon» oder «Starcrash» verantwortlich. Er ist 1992 in Beverly Hills verstorben.
[AM, tachles/ JNS]
Kategorien:Kultur
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