
Eine Szene aus dem Kriegsepos „Unsere Mütter, unsere Väter“. In Israel reagierte das Publikum kritisch. (David Slama)
Unrealistisch, urteilten Besucher nach der Erstaufführung. Israelische Rezensenten äusserten sich kritisch.
Es gab die Goldene Kamera für „Unsere Mütter, unsere Väter“. Als bei der Gala am Sonnabend der Beifall für den „besten Fernsehfilm 2013“ aufbrandete, verfolgten in einem Kinosaal in Tel Aviv 80 Zuschauer die israelische Erstaufführung – auf Deutsch, mit englischen und hebräischen Untertiteln.
Ihr Urteil über die 270 Filmminuten fiel weniger einhellig aus als im 2800 Kilometer entfernten Berlin. Unrealistisch, so das Urteil von Orna (58) und Oren (62) Rosenblum. „Wir haben Disney-Filme gesehen, die glaubwürdiger waren“, urteilt das Ehepaar.
Wir erinnern uns: Im März 2013 war der Dreiteiler im ZDF gesendet worden. Erzählt wurde die Geschichte von fünf jungen Deutschen im Zweiten Weltkrieg. Drei überleben und treffen sich in einer Berliner Ruine wieder, darunter auch der Jude Viktor – für die Rosenblums die Ausgeburt einer Drehbuschschreiber-Fantasie.
„Viktor gelingt die Flucht aus Auschwitz, er kämpft mit Partisanen, befreit Hunderte anderer Juden. Wo hat es denn so etwas gegeben?“, fragen die Israelis. „Wenn die Deutschen meinen, das sei realistisch, haben sie nichts gelernt“, so Orla.
Miriam, Anfang 70, urteilt milder. „Der Film ist universal bewegend“, so die Tochter einer Holocaust-Überlebenden, „ein erfrierender Deutscher in Russland hat auch gelitten.“ „Aber die Deutschen haben begonnen!“, wirft Oren ein.
Seit dem Wochenende ist der Film in vier israelischen Städten zu sehen. Möglich, dass es am Rande der Vorstellungen zu ähnlichen Diskussionen kommt. Doch eine öffentliche Debatte hat es in Israel noch nicht gegeben – wenngleich die bislang erschienenen Rezensionen eher kritisch sind. „Der macht aus Nazi-Deutschland populäres Entertainment mit Melodramatik, Action und Spezialeffekten“, urteilt die Zeitung „Haaretz“. „Man könnte es auch ‚Einfach nur Befehle ausführen: Der Film‘ nennen“, meint „The Times of Israel“. „Der Film ist keine Nazi-Entschuldigung“, schreibt die „Jewish Week“. Allerdings wirke er wie eine abstrakte Übung.
Mit diesem Film wollte man die Gräuel des NS-Terrors und die Verbrechen der Wehrmacht im Vernichtungskrieg an der Ostfront in bisher so nie dargestellter Direktheit aufzeigen. Militärhistoriker und 200 Kriegsveteranen standen als Berater zur Verfügung. „Dem Zuschauer werden nicht nur die Schrecken des Krieges im Osten nahegebracht, sondern ihm wird auch vor Augen geführt, was der Krieg in den Seelen unserer Mütter und unserer Väter angerichtet haben“, sagte Prof. Dr. Julius H. Schoeps vom Moses Mendelssohn Zentrum für europäisch-jüdische Studien in Potsdam.
Laut der Vertriebsfirma Beta Film wurde das von Nico Hofmann produzierte Epos bereits in 92 Länder verkauft. Im April sei die Ausstrahlung durch BBC in Grossbritannien geplant. Die Bandbreite der Kritiken geht weit auseinander. Die norwegische Zeitung „Aftenposten“ etwa fand den Film „mutig“. Spanische Kritiker werteten ihn als unzulässigen Versuch, den Nationalsozialismus zu vermenschlichen und die die Täter zu entlasten.
Kategorien:Kultur

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