Das israelische Staatsarchiv hat am Montag eine Klage der Israelitischen Kultusgemeinde zur Herausgabe der historischen Bestände der Wiener Jüdischen Gemeinde zurückgewiesen. Die Dokumenten, die nach Ende des Zweiten Weltkriegs von Wien nach Israel ausgelagert worden waren, seien eine „permanente Leihgabe“ und eine Rückgabe daher nie beabsichtigt worden, so die Begründung.// //
Der frühere IKG-Präsident Ariel Muzicant hatte im Mai 2011 das Zentralarchiv für die Geschichte des jüdischen Volkes in Jerusalem geklagt, um die Archivalien nach Wien zurückzuführen. Das zuständige Bezirksgericht übertrug daraufhin die Entscheidungsgewalt in diesem Fall dem israelischen Staatsarchiv.
„Eine ‚permanente Leihgabe‘ ist kein Oxymoron, sondern stellt eine gängige Praxis von Museen und Archiven dar, falls der Eigentümer eines wichtigen kulturellen Artefakts dieses für immer an eine kulturelle Institution weitergeben, jedoch noch eine gewisse Verbindung dazu halten möchte“, hiess es in der Begründung der Entscheidung des Staatsarchivs in Jerusalem, wie die „Jerusalem Post“ berichtete.
Die ursprüngliche Motivation hinter der Verlegung der Sammlung nach Jerusalem sei es gewesen, „das kulturelle Gewicht des jungen Staates Israels als Zentrum des jüdischen Volkes zu stärken“, so das Staatsarchiv. Es bestand „keinerlei Absicht, dass die Sammlung je wieder zurückkehren sollte.“ Zudem biete Israel der Sammlung „ausreichend Zugang für Forscher, den die aktuelle jüdische Gemeinde in Wien nicht sofort bieten kann.“
Der aktuelle Präsident der IKG, Oskar Deutsch, erklärte am Dienstag: „Wir wurden noch nicht über eine Entscheidung informiert und können daher gegenwärtig keinen Kommentar abgeben.“
Das Archiv der IKG wurde 1816 gegründet. Die Bestände dokumentieren die Geschichte der Juden in Wien seit dem 17. Jahrhundert.
Kategorien:Kultur
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