Netanjahu ruft Sieg im Gazakrieg aus


.Israel feiert sich als Sieger des jüngsten Gaza-Konflikts. Die radikal-islamische Hamas sei bei den siebenwöchigen Kämpfen schwer getroffen worden, so Ministerpräsident Netanjahu.

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat Israel als Sieger des Gazakriegs dargestellt. Das Abkommen über eine unbefristete Waffenruhe, das am Dienstagabend in Kraft getreten war, habe der radikalislamischen Hamas nichts gegeben, erklärte Netanjahu am Mittwoch bei einer im Fernsehen übertragenen Pressekonferenz. Die Hamas sei während der siebenwöchigen Kämpfe «schwer getroffen» worden, sagte er. Israel habe in der jüngsten Vereinbarung über einen Waffenstillstand keine der Forderungen der Palästinenser-Organisation akzeptiert.

Mit seinen Äusserungen wollte Netanjahu offenbar Kritikern entgegentreten, die moniert hatten, Israel habe seine Kriegsziele nicht erreicht – die Hamas sei nicht gestürzt und ihre Raketenangriffe aus dem Gazastreifen seien nicht gestoppt worden. Die Hamas sieht sich ebenfalls als Sieger des Gazakriegs. In den Palästinensergebieten feierten die Menschen in der Nacht den Sieg der Hamas (Foto). Die neue Vereinbarung war von Palästinenserpräsident Abbas in Ramallah verkündet worden.

Der neue Waffenstillstand gilt unbefristet. Objektiv betrachtet hat die Hamas eine militärische Niederlage erlitten. 32 geheime Tunnel wurden zerstört, statt 10.000 Raketen verfügen die Terrorgruppen nun noch über etwa 2000. Etwa 5000 Häuser im Gazastreifen wurden zerstört, viele Tausend weitere wurden schwer beschädigt und drohen einzustürzen. Etwa 300.000 Menschen wurden obdachlos, es fehlt an Trinkwasser und Strom.

Trotzdem sind die Islamisten die psychologischen Gewinner des Krieges. Sie haben dem hoch überlegenen israelischen Militär 50 Tage widerstanden. Vom Gazastreifen aus wurde ganz Israel in Angst und Schrecken versetzt, Hunderttausende Israelis flüchteten beim schrillen Klang der Alarmsirenen in Bunker, auch in den Grossstädten Tel Aviv, Jerusalem und Haifa. Der internationale Flugverkehr nach Israel war tagelang auf ein Minimum reduziert. Und am Dienstag kletterten die Hamas-Führer unversehrt aus ihren Bunkern und liessen sich in Gaza feiern. Dabei kündigten sie sogleich an, die Waffenruhe sei nur ein Schritt, um ihr Ziel zu erreichen: die „Befreiung“ Jerusalems und ganz Palästinas von den „zionistischen Besatzern.“

Hamas und Islamischer Dschihad können zumindest bescheidene Erfolge vorweisen: Grenzübergänge werden geöffnet, die Fischer aus Gaza bekommen erweiterte Fangzonen. Israel hat seine Kriegsziele hingegen komplett verfehlt: Hatte Netanjahu zunächst auf einer vollständigen Entwaffnung der Terrormilizen im Gazastreifen bestanden, war davon in den letzten Wochen keine Rede mehr. Nicht einmal die Vernichtung des Raketenarsenals der Islamisten gelang dem israelischen Militär. Und die Bewohner der Gemeinden im Süden haben erhebliche Zweifel, ob tatsächlich alle Terrortunnel entdeckt und vernichtet wurden.

Umfragen zeigen, dass die Zustimmung innerhalb der israelischen Bevölkerung zur Politik Netanjahus drastisch gesunken ist. Nur noch 38 Prozent sind mit ihrem Regierungschef zufrieden. Der wird von Abgeordneten aller Parteien, auch seines eigenen Likud-Blocks, ins Kreuzfeuer genommen. „Die Militäroperation ‚Starker Fels‘ begann mit grosser Unterstützung. Sie endete mit einem beschämten und konfusen Israel“, erklärte der einflussreiche Likud-Abgeordnete Danny Danon. Oppositionsführer Isaac Herzog (Arbeiterpartei) forderte umgehend Neuwahlen.

(JNS und Agenturen)



Kategorien:Politik

Schlagwörter:, ,

Hinterlasse einen Kommentar

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..