
Am Samstag protestierten Palästinenser in Ramallah gegen ein geplantes Treffen zwischen ihrem Präsidenten Mahmud Abbas und dem israelischen Vize-Regierungschef Schaul Mofas. Etwa 10 000 Demonstranten versammelten sich auf dem Hauptplatz in Ramallah und versuchten, zum Hauptquartier der Regierung zu marschieren. Dabei wurden sie jedoch von Sicherheitskräften aufgehalten, die auf aggressivste Weise auf die Demonstranten einschlugen. Drei Palästinenser, darunter ein Journalist, mussten ins Krankenhaus eingewiesen werden.
Die Proteste gegen die Wiederaufnahme von Friedensverhandlungen mit Israel zeigten sich erfolgreich, denn die palästinensische Autonomiebehörde verschob das Treffen mit Mofas auf unbestimmte Zeit.
Obwohl die Demonstranten ihr Ziel erreichten, gingen die Proteste am Sonntag weiter, diesmal jedoch um gegen die Brutalität der palästinensischen Polizei zu protestieren. Die palästinensische Polizei reagierte darauf mit noch grösserer Brutalität als am Vortag. Ein palästinensischer Journalist sagte: „Es war noch verrückter als gestern, man kann es sich nicht vorstellen – sie haben Mädchen geschlagen und dabei gelacht als wären wir ihnen absolut egal.“
Nach Angaben der palästinensischen Autonomiebehörde wurden zehn Demonstranten in Krankenhäuser eingeliefert und mehrere wurden verhaftet. Man prüfe jetzt, wer hinter diesen Aufständen stecke.
Einige Kommentatoren sprechen schon davon, dass der arabische Frühling nun auch bei den Palästinensern angekommen sei, die jetzt gegen ihre Regierung protestieren. Abbas‘ Amtszeit ist schon seit Jahren abgelaufen und Neuwahlen sind nicht geplant. Sollte es dazu kommen, hätte der palästinensische Frühling bezeichnenderweise mit einer Demonstration gegen Friedensverhandlungen mit Israel begonnen.
Kategorien:Nahost
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