Der Tod des australischen Mossad-Agenten Ben Zygier gab viele Rätsel auf, zum Beispiel wie er sich trotz 24-Stunden-Überwachung das Leben nehmen konnte. Ein Bericht bringt nun Licht ins Dunkle.
Der Tod des mutmasslichen Mossad-Agenten Ben Zygier in einer israelischen Hochsicherheitszelle ist auf Nachlässigkeit des Gefängnispersonals zurückzuführen. Zu dieser Schlussfolgerung kommt die zuständige Richterin in einem am Donnerstag veröffentlichten Bericht.
Demnach hat sich der 34-jährige Australier mit einem feuchten Laken erhängt, das an das Badezimmerfenster geknotet war. Der Häftling hätte jedoch unter ständiger Überwachung stehen müssen, schrieb die Richterin Daphna Blatman Kedrai in dem Bericht vom 19. Dezember vergangenen Jahres. Teile dieses Berichts waren bislang geheim.
Bei ihren Untersuchungen habe sie herausgefunden, dass es «Beweise dafür gibt, dass Mitarbeiter der Gefängnisbehörde für Zygiers Tod verantwortlich sind», schrieb Blatman Kedrai.
Bei einer psychiatrischen Untersuchung im Gefängnis habe Zygier berichtet, er habe schon in der Vergangenheit zweimal versucht, sich umzubringen. Nach eigenen Angaben sei bei ihm früher auch eine Angststörung diagnostiziert worden.
Zygier sei schon zu Beginn seiner Haft als selbstmordgefährdet eingestuft worden. Seine Zelle sei daher mit drei Kameras überwacht worden. Die Wächter hätten Anweisungen erhalten, alle 30 Minuten sein Verhalten zu protokollieren.
Zygier, der auch als Häftling X bezeichnet wurde, hatte sich am 15. Dezember 2010 nach monatelanger Einzelhaft erhängt. Am Tag seines Selbstmordes sei Zygier vormittags noch von seiner israelischen Ehefrau und seiner kleinen Tochter in seiner Zelle besucht worden.
Ein Wächter, der sie herausbegleitete, habe bemerkt, dass Zygier «verweint, nervös und aufgewühlt» ausgesehen habe. Der mutmassliche Ex-Agent des Auslandsgeheimdienstes Mossad habe versucht, seiner Frau einen Zettel zu übergeben, der Wächter habe dies jedoch verboten. Daraufhin habe Zygier den Zettel wütend in Stücke gerissen.
Man habe der Frau daraufhin erlaubt, ihn zu beruhigen. Als sie nach einigen Minuten ging, habe auch sie geweint. Die Ehefrau habe ihrem Mann während des letzten Treffens «schlechte Nachrichten» überbracht, hiess es in dem Bericht, ohne weitere Einzelheiten zu nennen.
Australien hatte mehr Informationen zu seinem Tod gefordert. Es ist jedoch weiter unklar, was Israel ihm genau vorgeworfen hat. Der nun vollständig veröffentlichte Bericht bestätigt Informationen, die in der israelischen Presse bereits früher aufgetaucht waren.
Kategorien:Sicherheit
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