Thorazitat des Tages – Thora-Parascha


tora-t„Höre, Ewiger meine Stimme, – ich rufe! So sei mir gnädig und erhöre mich!“ (Psalm 27, Vers 7)

Thora-Parascha

Schabbat „Korach“
Wochenabschnitt: 4. Mose 16,1 – 18,32
Haftara-Prophetenlesung: Jesaja 66, 1-24

Korach – Psalm 5
Empörung der Demagogen

Im Wochenabschnitt Korach finden wir einen Bericht über den Aufstand gegen Mosche und Aharon, den Korach organisiert hat. In diesem Rahmen ist es nicht erforderlich, die verwickelte Geschichte zu analysieren (siehe zu diesem Thema „Tenachon“, Heft 21 und den Tora-Kommentar von Rabbiner  Hertz zum Wochenabschnitt).
 
Für unsere Zwecke genügt es festzuhalten, dass Korach ein geschickter Demagoge war, der Halbwahrheiten und Spott einsetzte, um seine revolutionären Ziele zu erreichen. Zur Strafe wurde Korach zusammen mit seinen Genossen durch ein Wunder von der Erde verschlungen (Bamidbar 26, 10).
 
Warum wurde gerade Psalm 5 unserem Wochenabschnitt zugeordnet? Ins Auge springt die Tatsache, dass Vers 7 von Demagogen wie Korach spricht: „Untergang wirst du Täuschungsrednern bringen, einen Mann des Totschlags und des Truges verabscheut Gott.“ Rabbiner Hirsch kommentiert: „Nicht nur den Totschläger, der ja auch von Menschen verabscheut wird, sondern ebenso auch den gewandten Betrüger verabscheut Gott. Betrug ist Gott wie Totschlag verhasst.“
 
Der Psalmist weiss von Gegnern, die ihn vom rechten Weg abzubringen trachten, und er bittet deshalb:  „Ewiger, führe mich in deiner Gerechtigkeit, um meiner Lästerer willen, ebne deinen Weg vor mir. Denn in ihrem Munde ist nichts Redliches, Unheil brütet ihr Herz, ein offenes Grab ist ihre Kehle, ihre Zunge machen sie glatt“ (Verse 9 und 10).
 
An das bittere Ende der Empörung von Korach und seinen Mitstreitern erinnert uns der folgende Wunsch des Psalmisten: „Verdamme sie, Gott! Fallen müssen sie durch ihre Anschläge, um die Menge ihrer Missetaten stürze sie; denn sie empören sich wider dich!“ (Vers 11). Rabbiner Hirsch erklärt: „Denn nicht gegen mich, in allererster Linie haben sie sich gegen dich, gegen dein Sittengesetz empört.“ (von Prof. Dr. Yizhak Ahren)
    

Pidjon Habén

Leute fragen mich manchmal wie wir im Liberalen Judentum mit dem ‚Pidjon Habén‘, dem Auslösen des Erstgeborenen, umgehen. In der dies wöchigen Sidra ‚Korach‘ und auch anderswo in der Tora [1], lesen wir, dass männliche Geschöpfe Gott zugehören, dass männliche erstgeborene Menschen und Esel jedoch gelöst, alle anderen erstgeborenen männlichen und koscheren Tiere aber Gott als Opfergabe gegeben, werden müssen. Männliche Tiere zu opfern ist aus der Sicht, dass man von ihnen weniger nötig hat um eine Herde zu erhalten, verständlich. Den erstgeborenen Sohn an Gott opfern, kennen wir aus der Akeda, der Geschichte in der Awraham bereit war, Gott seinen Sohn Jizchak zu opfern. Jizchak wird durch das Eingreifen desselben Gottes, der Awraham den Opfergang aufgetragen hat, verschont. Mit und seit dieser Geschichte ist das Menschenopfer in der jüdischen Tradition tabu.

Was machen wir nun aber mit der Bestimmung, die den erstgeborenen Sohn Gott zugehören lässt? Die Lösung steht im Buch Schmuel [2]: Der erstgeborene Sohn soll (Gott) im Tempel dienen. In katholischen Kreisen trat der Erstgeborene üblicherweise dem Kloster bei. Im Judentum entwickelte sich ein Berufsstand, die Leviten [3]‚ die den Kohanim, den Priestern, im Tempel assistierten. Das Arbeitsproblem im Tempel war nun gelöst, nicht aber die Mizwa des Auslösens des erstgeborenen Sohnes. Also hat man ein Auslöseprozedere erfunden, das in der folgenden Situation zu befolgen gilt: Der erstgeborene Sohn ist zugleich die erste Geburt der Mutter, ihm ging also keine Geburt einer Tochter noch eine Fehlgeburt vorab; es handelt sich um eine natürliche Geburt, also nicht um einen Kaiserschnitt. Im Alter von 30 Tagen – in der jüdischen Tradition ist der Säugling dann lebensfähig – lädt die Familie einen ‚Kohen‘, einen Nachkommen Aharons, ein. Der Vater überreicht dem Kohen den Säugling und 5 Schekel. Daraufhin fragt der Kohen den Vater (nicht die Mutter!): „Willst du deinen Sohn oder dein Geld zurückhaben?“ Der Vater, wie erwartet: „meinen Sohn.“ Je nach Minhag, Brauch, bekommt der Vater die 5 Schekel zurück oder sie werden für Wohltätiges gespendet.

Weil der Pidjon Habén ein mit dem Tempel verbundenes Ritual ist und das Liberale Judentum den Wiederaufbau des Tempels mit Opfergaben ablehnt, wird in unseren Kreisen auf den Pidjon Habén verzichtet. Aus demselben Grund (dem Ablehnen des Tempelkultes) gibt es in den meisten Batei Knesset der liberalen Weltbewegung kein Mussafgebet (in dem man für den Neuaufbau des Tempels betet) und der Status eines Kohen oder eines Levi (Nachkommen des Tempelberufstandes) wird beim Aufrufen nicht berücksichtigt.

Mit oder ohne Pidjon Habén, ob Mädchen oder Bub, ob erst-, zweit- oder sechstgeborenes: Es sollen alle Kinder gesund und geliebt sein!
 
Schabat Schalom,

Rabbiner Reuven Bar Ephraim,  JLG Zürich 

[1] Schemot [2.BM]13, 2, 13; 34, 20; Bemidbar [4.BM] 18, 15-16.
[2] 1. Buch Schmuel 1, 24 – 2, 11.
[3] Bemidbar [4.BM] 3, 12.



Kategorien:Gesellschaft

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