Differenzen zwischen Amerika und Israel nehmen zu: Beide Länder können weder in Sachen Syrien noch in Bezug auf das iranische Atomprogramm eine Einigung erzielen. Laut russischen Experten verlieren die USA ihren Ruf als „Garant für Stabilität“ im Nahen Osten.
Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat versprochen, die Welt vor einem „schlechten Deal“ mit dem Iran zu retten. Eigentlich hält er Wort: Den fünf UN-Vetomächten und Deutschland gelingt es bisher nicht, einen Kompromiss mit dem Iran zu erzielen. Aufsehen erregte aber der Optimismus, mit dem die US-Regierung auf die jüngste Verhandlungsrunde wartete. US-Aussenminister John Kerry reiste höchstpersönlich nach Genf. Aus seiner Umgebung verlautete, dass diesmal alles klappen soll. Es hat aber nicht geklappt.
Unterdessen gibt es in Sachen Syrien keine einstige Verständigung mehr zwischen Israel und Amerika. Seit Jahren kommen die Israelis in ihren Beziehungen mit der Regierung in Damaskus ohne spektakuläre Erklärungen aus – sie fliegen nur ab und zu Luftangriffe gegen syrische Militäranlagen. Die USA drohten dem Regime von Baschar Assad zwar mit harten Massnahmen, verzichteten aber plötzlich darauf. Die Amerikaner akzeptierten den vernünftigen Vorschlag aus Moskau, wonach die syrischen Chemiewaffen unter internationale Kontrolle gestellt werden sollen. Möglicherweise waren die Israelis auf diese Wende gefasst, äusserten trotzdem ihr Missfallen. Der stellvertretende Chefredakteur der israelischen Onlinezeitung IzRus, Alex Kogan, warnt allerdings davor, die Differenzen zwischen Israel und Amerika übermässig zu dramatisieren:
„Eher geht es um eine Abkühlung der Beziehungen zwischen Israel und der derzeitigen US-Regierung. Die Beziehungen zwischen dem Staat Israel und dem US-amerikanischen Volk werden dagegen mit jedem Jahr besser. Israels ist eigentlich der einzige Verbündete der USA im Nahen Osten. Unsere Analysten sagen etwas ironisch, die Haltung der Amerikaner zu Barack Obama sei schlechter als die zu Benjamin Netanjahu. Dem israelischen Premier wird scherzhaft vorgeschlagen, bei der US-Präsidentenwahl zu kandidieren“.
Es kommt aber nicht nur auf Obama an. Seit nahezu einem halben Jahrhundert funktioniert die US-Politik im Nahen Osten nach dem Prinzip: „Die Schafe heil, und die Wölfe satt“. Die Amerikaner wollten also die Beziehungen mit ihrem wichtigsten Verbündeten nicht verderben, aber auch ihren Einfluss auf einen Teil der arabischen Welt nicht verlieren. Im Ergebnis nahmen Spannungen in der Region nur zu. Was wird jetzt beobachten, sei eine logische Konsequenz, sagt Oleg Matwejtschew, Professor der russischen Uni Higher School of Economics:
„Die Situation ist angespannt, die Differenzen haben deutlich zugenommen. Die Gratwanderung zwischen den Arabern und den Juden fällt den USA immer schwerer. Es ist ja nicht möglich, zwischen zwei Stühlen zu sitzen. Die USA verlieren ihre Autorität im Nahen Osten als ein gewisser ‚Garant für Stabilität‘ oder überhaupt als Garant für etwas“.
Die Situation mit US-Verbündeten im Nahen Osten ist derzeit wirklich nicht gerade rosig. Nach all den Spielen und nicht erfüllten Versprechen fühlen sich Saudi-Arabien, Katar und die Vereinigten Arabischen Emirate gekränkt. Auch Syrien und der benachbarte Libanon bekommen in absehbarer Zukunft kaum gute Gefühle zu Amerika, diesem „Bollwerk der Demokratie“. Ägypten will nach den jüngsten Turbulenzen wieder zu sich kommen und hat US-Experimente anscheinend satt – und die Regierung in Kairo guckt wieder ab und zu Richtung Russland. Wenn die USA einen weiteren Verbündeten nicht verlieren wollen, können sie sich einen Zank mit Israel nicht leisten.
(Igor Silezkij, ruvr.ru)
Kategorien:Nahost
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