Thorazitat des Tages – Thora-Parascha


ThoraUnsere Weisen lehrten uns: Das Wort eines Menschen gleicht einer Biene. Zum einen gibt sie Honig; und zum anderen besitzt sie einen Stachel, mit dem sie einer Person unangenehmen Schmerz zufügen kann.

Thora-Parascha

Schabbat „WaJakhel“
Sidra:
2. Mose 35,1 – 38,20
Haftara:1. Könige 7, 40-50

Wajakhel-Psalm 61
Freiwillige Leistungen

Zur Errichtung des Heiligtums in der Wüste haben viele Frauen und Männer beigetragen. Die Tora zählt auf, welche Leute welche Leistungen erbrachten, und zwar auf freiwilliger Basis (siehe Schemot 35, 21-29). Die Künstler, die das heilige Werk in Angriff nahmen, sprachen zu Mosche: „Das Volk bringt mehr als zur Genüge für den Dienst des Werkes, das der Ewige geboten hat zu machen“ (Schemot 36, 5). Die Freigiebigkeit des Volkes musste am Ende begrenzt werden (Schemot 36, 6 und 7).
 
In Psalm 61, der dem Wochenabschnitt Wajakhel zugeordnet wurde, ist ebenfalls von freiwilligen Leistungen die Rede, die allerdings nichts mit dem Bau der Stiftshütte zu tun haben.  An zwei Stellen spricht der Psalmist von Gelübden (hebr.: Nedarim). Was sind Nedarim? Es handelt sich um Verpflichtungen, die ein Mensch freiwillig auf sich nimmt. In der Tora heisst es: „Wenn du unterlassest das Geloben, so wird an dir nicht Sünde sein. Was aber Deine Lippen geäussert, sollst Du achten und durch Tat erfüllen, wie du gelobt dem Ewigen, deinem Gott, die freiwillige Gabe, die du mit deinem Munde ausgesprochen“ (Dewarim 23,  23 u. 24).
 
In Vers 6 unseres Psalmes lesen wir: „Denn Du, Gott, hast meinen Gelübden Gehör zugewandt.“ A. Chacham erklärt, dass der Psalmist Gott anfleht, die Nedarim zu erhören, die er für den Fall gelobt hat, dass Gott seine Bitten erfüllen wird. Wir erfahren hier jedoch nicht, welche konkreten Verpflichtungen der Psalmist auf sich genommen hat. Aus Vers 9 können wir jedoch entnehmen, dass er versprochen hat, den Ewigen täglich zu rühmen: „So will ich lobpreisen deinen Namen  ewiglich, zu bezahlen meine Gelübde Tag für Tag.“
 
In der Regel sind Nedarim zu vermeiden (siehe meine Ausführungen in: Tora-Gedanken, S. 18 f). Daher drängt sich die Frage auf, warum der Psalmist ein Gelübde gemacht hat. Die Antwort lautet: Der Psalmist bittet um Errettung aus der Not (Verse 2 bis 5), und in einer solchen Situation darf man ausnahmsweise Nedarim machen (Schulchan Aruch, Jore Dea, 203,5). (Von: Prof. Dr. Yizhak Ahren)

Sidra

„Schawat wajinafasch“[1]

Wir haben es gut. Wir leben in einer freien Gesellschaft, wir werden von keiner, weder jüdischer noch ziviler Behörde, gezwungen noch aktiv darüber beeinflusst, wie wir unser jüdisches Leben leben sollen. Wir können/dürfen Mitglied einer Gemeinde sein, müssen das aber nicht und falls Mitglied, sind wir so frei wie Vögel in der Luft, um im privaten Raum selbst zu bestimmen, ob und wie wir jüdische Traditionen einhalten.  
Wir hegen unsere Freiheit, wollen uns von nichts und niemandem einschränken lassen. Wir wollen alle Möglichkeiten, die die Moderne und das wunderschöne Land in dem wir leben, nach Herzenslust und mit beiden Händen greifen. Wir leben äusserst zielorientiert, das heisst, sind sehr darauf erpicht, Erfolg, Wohlstand und sozialwirtschaftlichen Aufstieg zu erringen. Wir sind in der ausserordentlich glücklichen Lage, uns nicht – so wie Millionen Menschen auf der ganzen Welt – in einem materiellen Überlebenskampf zu befinden. Unser Druck im Leben gilt dem Erhalt und dem Wachstum unseres (wie relativ auch immer) Reichtums.
Wir lesen in Wajakhel [2], der Sidra dieser Woche, wie Mosche das ganze Volk versammelt, um den Start für den Bau des Mischkan, dem tragbaren Heiligtum, zu markieren. Davor hatte er dem Volk schon genaue Hinweise gegeben darüber, was er nötig hat, um den Bauplan zu verwirklichen. Die Israeliten sind dermassen begeistert, dass sie den Bau des Mischkan als das Ziel des Auszuges aus Ägypten erleben. Das Projekt wird sozusagen zum ‚heiligen Ziel‘. Bevor Mosche die Startpistole abfeuert, hat er aber noch eine Mitteilung: „Sechs Tage darf man eine Arbeit tun, am siebten Tag aber ist für euch heiliger Schabat, ein Feiertag für den Ewigen“[3]. Was soll das denn? Endlich ist das Volk nach vielfältigem Gemurre über Hunger und Durst abwechslungsweise einmal begeistert, um zum Einsatz zu kommen, da überrascht Mosche sie mit dieser in ihren Augen unseligen Einschränkung. Schabat ist laut Mosche also heiliger wie das ‚heilige Ziel‘. Mosche muss sich gleich einem modernen Personalmanager überlegt haben, dass die Israeliten nach einem Ruhetag die schweren Bauaktivitäten mit erneuten Kräften angehen würden und hat damit dem Abbruchrisiko der Erschöpfung die Stirne geboten. Arbeitende Menschen und Tiere brauchen Ruhetage. Ob das nun als ‚imitatio dei‘, das Imitieren von Gott, der nach schwerer Schöpfungsarbeit am 7. Tag ruht oder als ein Grundrecht für alle BürgerInnen gesehen wird, ist hier weniger wichtig. Wir dürfen uns glücklich preisen einen Schabat, einen spirituellen Ruhetag, aufgetragen bekommen zu haben. Einen Tag, den wir als Geschenk unserer Tradition in unseren Alltag integrieren können, einen Tag, an dem wir das Zusammensein mit unseren Geliebten und/oder Freunden einen speziellen ‚touch‘ geben, einen Tag, an dem die Freude im Herzen regiert. Es bleiben sechs lange Tage übrig um zu schuften, unsere Pflichten zu erfüllen, für andere und die Umwelt zu sorgen und unsere ‚heiligen‘ Lebensziele zu verfolgen.

Schabat Schalom,                                    
Rabbiner Reuven Bar Ephraim; JLG Zürich 

[1] Schemot [2.BM] 31,17 „Und er ruhte und erneuerte die Seele“
[2] Ebenda, 35, 1.
[3] Ebenda, 2.

Paraschat Haschawua: wajakel.1.j.pdf, wajakel.haftara.pdf

באו ונצא לקראת שבת המלכה  – „Kommt lasst uns die Königin Schabbat willkommen heissen.“

חיים שטולץ



Kategorien:Gesellschaft

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