Deutschland: Nazi-Verbrecher im Visier der Justiz


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Das ehemalige SS-Mitglied Oskar Gröning im Jahre 2005

Im Jahr 2005 äusserte sich Gröning im englischen Fernsehen und in deutschen Zeitungsinterviews reumütig zu seiner SS-Vergangenheit in Auschwitz, hielt sich aber persönlich für unschuldig.

Zwei Jahre diente Oskar Gröning den Nazis im Konzentrationslager Auschwitz. Der SS-Unterscharführer verwaltete das Geld der Juden, das ihnen vor ihrer Ermordung abgenommen wurde. Er bewachte das Gepäck der Opfer, das sie an der Rampe von Auschwitz zurücklassen mussten.

Bestraft wurde Gröning für seinen Dienst in der Mordfabrik nie. Doch jetzt führt die Staatsanwaltschaft Hannover ein offizielles Ermittlungsverfahren gegen den 92-jährigen Rentner aus der Lüneburger Heide. Der Vorwurf: Beihilfe zum Mord.

Nach BILD-Informationen sind die Vorermittlungen abgeschlossen, der ehemalige SS-Mann soll verhandlungsfähig sein.

Gegen zwei weitere beschuldigte KZ-Wächter aus Niedersachsen dagegen sollen die Ermittlungen eingestellt werden. Die hochbetagten SS-Männer sollen nicht mehr vernehmungsfähig sein.

Oberstaatsanwalt Thomas Klinge bestätigt gegenüber der Zeitung BILD: „Die Prüfung über den Gesundheitszustand und die Verhandlungsfähigkeit drei Beschuldigten ist weitestgehend abgeschlossen.“ Oskar Grönings Anwalt bereits Akteneinsicht erhalten.

Gegenüber BILD sagte er damals: „Juristisch bin ich nicht schuldig geworden. Das wurde in den Verhören während meiner Gefangenschaft bestätigt und auch durch Ermittlungen der Staatsanwaltschaft in Deutschland. Ich habe auch als Zeuge in SS-Prozessen ausgesagt.“

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Oskar Gröning, hier auf einer Privataufnahme von 1942 zu sehen, war Aufseher in Auschwitz

Doch nach einer neuen Rechtsprechung („Demjanjuk-Urteil“) müssen KZ-Wächter aus Vernichtungslagern mit einer Verurteilung wegen Beihilfe zum Mord rechnen. Wer Dienst in einem solchen KZ leistete, war Teil einer grossen Mordmaschinerie. Eine Einzeltat muss ihm nicht mehr nachgewiesen werden.

Das Verfahren gegen Oskar Gröning und insgesamt 29 weitere KZ-Wächter war durch Ermittlungen der Zentralstelle zur Verfolgung von NS-Verbrechen in Ludwigsburg in Gang gesetzt worden. Im Herbst übergaben die Fahnder aus Ludwigsburg die Fälle an die zuständigen Generalstaatsanwaltschaft.

Kurt Schrimm, Leitender Oberstaatsanwalt und Chef der Zentralen Stelle: „Wir fahnden nach weiteren SS-Aufsehern des Vernichtungslagers Auschwitz. Außerdem haben wir damit begonnen, die Wachmannschaften des Konzentrationslagers Majdanek systematisch auszuermitteln. Ich rechne damit, dass wir noch in diesem Jahr die ersten Fälle an die zuständigen Staatsanwaltschaften übergeben können.“ (PETER ROSSBERG und HANS-W. SAURE, Bild.de)



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