Antisemitische Anschläge in USA


Ein Polizeiwagen blockiert die Einfahrt zum Gelände der Jüdischen Gemeinde in Overland Park nahe Kansas (dpa)

Ein Polizeiwagen blockiert die Einfahrt zum Gelände der Jüdischen Gemeinde in Overland Park nahe Kansas (dpa)

Die antisemitischen Anschläge am Vorabend des Pessachfestes führte in Israel und in den jüdischen Gemeinden der USA zu grosser Bestürzung.

Der israelische Regierungschef Benjamin Netanjahu hat den Anschlag auf zwei jüdische Einrichtungen in den USA scharf verurteilt. Bei zwei Angriffen mit Schusswaffen kamen im Bundesstaat Kansas drei Menschen ums Leben. „Die Morde wurden nach allen vorliegenden Erkenntnissen aus Hass auf Juden verübt“, erklärte Netanjahu. Er habe Beileidsbekundungen an die Familien der Opfer geschickt, hiess es dort weiter. „Der Staat Israel wird diese Pest zusammen mit allen zivilisierten Völkern bekämpfen“, erklärte Netanjahu.

Bei dem mutmasslichen Täter handelt es sich nach Polizeiangaben um den Frazier Glenn Miller alias Cross. Ein 73 Jahre alter Mann hat am Sonntag in zwei jüdischen Einrichtungen im US-Bundesstaat Kansas drei Menschen erschossen. Er wurde danach auf dem Parkplatz einer Grundschule festgenommen. Über das Motiv herrschte zunächst Unklarheit – nach Medienberichten soll der Schütze aber bei seiner Festnahme antisemitische Bemerkungen gemacht und „Heil Hitler!“ gerufen haben. Der Festgenommene habe seine Opfer nicht gekannt.

Der ehemalige Soldat soll einst als führendes Mitglied des Ku-Klux-Klan und der Polizei wegen rassistischer und antisemitischer Aktivitäten bekannt gewesen sein, wie die Bürgerrechtsorganisation Southern Poverty Law Center (SPLC) erklärte. Er unterhalte seit langem enge Kontakte zu aktiven Rassistenkreisen und sei auch als Antisemit bekannt. Der Verdächtige stamme ursprünglich aus Aurora im Bundesstaat Missouri und sei Mitglied des von Neonazis betriebenen Internetforums Vanguard NewsNetwork. Dort habe er mehr als 12.000 Wortmeldungen hinterlassen. Der Anschlag passierte nur einen Tag vor dem Beginn des wichtigen jüdischen Pessach-Fests, das an den Auszug aus Ägypten erinnern soll.

Vor den Schüssen fragte er, ob Juden anwesend seien

Nach Angaben des örtlichen Polizeichefs John Douglass eröffnete er zunächst auf dem Gelände eines jüdischen Gemeindezentrums in Overland Park das Feuer. Zwei Menschen in einem Auto seien getroffen worden. Ein Opfer sei auf der Stelle tot gewesen, das zweite kurz nach der Tat im Krankenhaus gestorben.

Wie der dortige Rabbi Herbert Mandl CNN sagte, ereignete sich der erste Vorfall gegen 13.00 Uhr (Ortszeit, 20.00 Uhr MESZ), wo Kinder und Jugendliche gerade für eine Aufführung probten. Der Mann habe die Anwesenden gefragt, ob sie Juden seien, und dann das Feuer eröffnet. Nach Angaben des Lokalsenders KSHB nahmen rund 75 Schüler an den Proben teil, die meisten von ihnen Kinder. Sie übten demnach für den örtlichen Gesangs-Wettbewerb „KC Superstar“ nach dem Vorbild der Casting-Show „American Idol“.

Zwei weitere Menschen, auf die der Mann gezielt habe, blieben nach Polizeiangaben unverletzt geblieben. Die Toten beschrieb Douglass lediglich als männlich. Dem „Kansas City Star“ zufolge handelt es sich um einen Teenager und dessen Grossvater.

Nach der ersten Tat fuhr der Schütze dem Polizeichef zufolge zu einem jüdischen Seniorenheim im nahe gelegenen Lealand und erschoss dort eine Frau. Es gebe keine Hinweise darauf, dass er die Opfer gekannt habe, sagte Douglass.

Der Ku-Klux-Klan ist noch immer aktiv

Die Ermittlungen seien noch in einem sehr frühen Stadium, hiess es auf einer Pressekonferenz in Overland Park bei Kansas City. Wie die Polizei dort bekanntgab, kommt der Verdächtige nicht aus der Stadt, sondern aus dem benachbarten Bundesstaat Missouri. Seine Opfer habe er nicht gekannt. Ein FBI-Ermittler erklärte, dass die Ermittler aber von einem aus Hass begangenen Verbrechen ausgehen. „Wir haben noch nichts ausgeschlossen“, fügte er hinzu.

Der heute 73-Jährige musste offenbar im Jahr 1979 seinen Dienst bei der Militär-Eliteeinheit „Green Berets“ quittieren, weil er beim Ku-Klux-Klan aktiv war. Diese rassistische Terrorvereinigung geht bis auf das Jahr 1865 zurück und war zwischenzeitlich in den USA verboten. Bei nächtlichen Überfällen, meist auf Schwarze, trugen seine Mitglieder weisse Kutten mit Kapuzen und verbreiteten mit brennenden Kreuzen Angst und Schrecken. Nach Schätzungen von Experten zählt der Klan in den USA heute noch 5000 bis 8000, auch in Deutschland gibt es Anhänger.

Jüdisches Zentrum sagt alle Veranstaltungen ab

„In Gedanken sind wir bei den Familien, die an diesem tragischen Tag einen Verlust erlitten haben“, hiess es auf der Internetseite des jüdischen Zentrums in Kansas City. Alle Veranstaltungen zum bevorstehenden Pessach-Fest wurden zunächst abgesagt. Auch der örtliche Polizeichef Jon Douglass sprach von einem „sehr traurigen und tragischen Tag.“ US-Präsident Barack Obama drückte den Familien der Opfer sein Mitgefühl aus.

(JNS und Agenturen)



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