Thorazitat des Tages – Parascha


ThoraUnsere Weisen lehrten uns: „Die ständige Freude ist der Schlüssel zum Erfolg“

Thora-Parascha

Sidra: BeHar – Auf dem Berg
Lesungen: 3. Mose 25,1 – 26,2
Haftara: Jeremia 32, 6 – 27

Behar-Psalm 112
Wie mit Geld umgehen

In Psalm 112 stehen Bemerkungen über das Leben eines Gottesfürchtigen: „Heil dem Mann, der den Ewigen fürchtet, an seinen Geboten Wohlgefallen hat“ (Vers 1). In mehreren Versen dieses Psalms ist vom Vermögen des Gerechten die Rede; im zugeordneten Wochenabschnitt Behar finden wir eine Passage, die ebenfalls von Geldangelegenheiten handelt. 
 
„Fülle und Reichtum ist in seinem Haus, und seine Gerechtigkeit besteht für immer“ (Vers 3). Rabbiner  Hirsch erklärt: „Schwerlich kann der Sinn dieses Satzes sein, dass jeder gottesfürchtige, pflichttreue Mensch reich sei und werde… Die Erfahrung aller Zeiten lehrt das Gegenteil. Es kann daher wohl nur heissen: Wirkliche Genüge und wirklicher Reichtum finden sich nur in seinem Haus.“ A. Chacham erklärt den Zusammenhang zwischen den zwei Teilen des zitierten Verses wie folgt: Sein Reichtum wird ihn  nicht zum Abweichen vom Pfade der  Gottesfurcht verleiten (vgl. Psalm 52,  9).
 
Vers 5 des Psalmes lautet: „Wohl ist dem Mann, der gönnt und leiht, seine Angelegenheiten aber nach dem Recht misst.“ Und Vers 9: „Er streut aus, gibt den Armen.“ Wenn ein Gerechter  Bedürftigen  helfen will, dann schenkt er ihnen Geld oder gewährt ihnen zinslose Darlehen. Hier finden wir den Berührungspunkt zum Wochenabschnitt: „Und wenn neben Dir dein Bruder verarmt und seine Hand wankt, so unterstütze ihn, als Fremdling und Beisasse, dass er bei dir lebe. Nimm nicht von ihm Zins und Aufschlag, fürchte dich vielmehr vor deinem Gotte, dass dein Bruder neben dir lebe“ (Wajikra 25, 35 f.).
 
Bemerkenswert ist, dass die Tora beim Zinsverbot die Furcht vor Gott erwähnt. Raschi erklärt: Weil ein Jude dieses Gesetz umgehen könnte, indem er durch einen Nichtjuden Darlehensgeschäfte abwickelt, warnt ihn die Schrift: „Fürchte dich vielmehr vor deinem Gotte“. Rabbiner Hirsch erkennt im  Hinweis auf die Furcht vor Gott“ das eigentliche Motiv des Verbots des Zinsnehmens, das ohne  Vergegenwärtigung Gottes sozial menschlich seine Rechtfertigung finden dürfte“ (Von: Prof. Dr. Yizhak Ahren )

Sidra BeHar

Eine verrückte Idee
Weitaus die meisten von uns leben in der Stadt und haben die sachliche oder affektive Verbindung mit dem Acker, dem Kuhstall oder dem Obstbaumgarten verloren. Behar (Wajikra [3BM] 25) versetzt uns aber wieder – wenn auch nur für ein paar Stunden – in das Landleben. Wir lesen in dieser Sidra die Hinweise für das Schabatjahr und das Jubeljahr. Das Schabatjahr ist das letzte Jahr eines siebenjährigen Zyklus‘. Genau wie der siebte Tag ein arbeitsloser Tag ist, an dem wir uns körperlich und seelisch erholen dürfen, ist das Schabatjahr ein Erholungsjahr für das Bauland. Man bearbeitet den Acker nicht, das heisst, weder säht, pflügt noch erntet man. Spontan aufkommendes Gewächs darf man abschneiden, auflesen und essen, aber nur zum persönlichen Bedarf. Jeder darf sich auf das Feld oder in den Obstbaumgarten begeben und das spontan gewachsene Getreide und Gemüse mitnehmen oder die Früchte pflücken. Noch ein schöner Brauch – auch wenn aus wirtschaftlicher Sicht her ein unverständlicher – ist es, dass dem Verschuldeten im Schabatjahr seine Schuld erlassen werden muss.

Rambam (Rabbi Mosche ben Maimon, 1135 Kordoba-1204 Kairo) meint, diese Halacha sei aus purer Notwendigkeit entstanden. Das Bauland müsse sich – heute wissen wir, dass dies stimmt – nach intensiver Produktion erholen, um danach wieder erfolgreich bebaut werden zu können.  Auch den Schuldenerlass sieht Rambam als eine wichtige Erholung für Menschen, die sich in einer bedrängten Situation befinden. (Führer der Verwirrten 3, 39).

Nach sieben Schabatjahr Zyklen sind wir 49 Jahre weiter. Das Jahr darauf, das 50. Jahr, ist ein Joweljahr. Für das Joweljahr gelten die gleichen Regeln wie für das Schabatjahr plus zwei zusätzliche. Zum einen wird ein Bauer, der sein Land aus finanzieller Not verkaufen musste, im Joweljahr wieder der rechtmässige Eigner dieses Landes. Zum andern werden alle Sklaven freie Menschen. Rabbiner Jehuda Arje Leib Alter (1847-1905, Polen) bejubelt in seinem Kommentar „Sefat Emet“ die Institution des Schabat- und des Joweljahres. Gleich einem wöchentlichen Schabat unterbrechen sie den Trott des Alltages, erlauben sie uns, über das Aussergewöhnliche nachzudenken und wird die Gelegenheit geschaffen, uns um das seelische Wohl unserer Mitmenschen zu kümmern anstatt nur dem eigenen materiellen Wohl nachzujagen.

Heute, insbesondere in der westlichen Welt, spielt das Nachjagen nach immer mehr leider eine dominante Rolle. Wirtschaftskrisen konfrontieren uns mit den Grenzen einer solchen Lebensphilosophie. Wahrscheinlich würden moderne Ökonomen ein Schabat- oder Joweljahr als einen völlig irrationalen und archaischen Gedanken ablehnen. Doch bin ich davon überzeugt, dass eine moderne Variante dieser biblischen Institution vielleicht Möglichkeiten aufdeckt, unsere überspannte und überreizte Wirtschaft etwas mehr in den Griff zu bekommen. Wie ein modernes Schabat- und Joweljahr für die heutige Wirtschaft nun gestaltet werden müsste, überlasse ich gerne den Fachleuten. Jedem sein Metier….

Schabat Schalom,
Rabbiner Reuven Bar Ephraim, JLG Zürich

Paraschat Haschawua: behar.1.j.pdf, behar.haftara.pdf



Kategorien:Gesellschaft

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