„Iron Dome“, der eigentliche Star


Seit Beginn der israelischen Militäraktion «Operation Wolkensäule» gegen die Terroristen im Gazastreifen hat das zusammen mit den USA entwickelte Raketenabwehrsystem bis Samstagabend 267 feindliche Projektile in der Luft zerstört. Die Erfolgsrate des israelischen Systems liegt bei 88 Prozent. Von den total fast 750 gegnerischen Raketen landeten nur 33 in bebauten, dicht bevölkerten Zonen. Um eine einigermassen komplette Abdeckung des israelischen Territoriums zu erreichen, müssten bis zu 13 «Iron Dome»-Batterien eingesetzt werden können. Bis jetzt sind es erst deren fünf, was in erster Linie eine Kostenfrage ist. Bis jetzt hat Israel in die Entwicklung des Systems 2,2 Milliarden Schekel investiert. Verteidigungsminister Ehud Barak will dem Kabinett beliebt machen, zur beschleunigten Beschaffung weiterer Batterien rund 750 Millionen Schekel, umgerechnet etwa 180 Millionen Franken zu bewilligen und zunächst eine sechste Batterie in Betrieb zu nehmen. Jede abgeschossene Rakete kostet 50000 Dollar, und bis Sonntagfrüh hat die IDF im wahrsten Sinne des Wortes 12,5 Millionen Dollar in die Luft gefeuert – es hat sich allerdings mehr als gelohnt. Die fünfte Batterie des Abwehrsystems – sie wurde in der Gegend von Tel Aviv aufgestellt – hatte kurze Zeit nach ihrer Inbetriebnahme schon ihre erste Feuertaufe, gelang es ihr doch, am Samstag erstmals eine Rakete über Tel Aviv abzufangen. Apropos Feuertaufe: Die Einwohner von Jerusalem, das bis dahin als «off limits» für palästinensische Raketen gegolten hatte, erlebten am Freitagabend ein raues Erwachen, als zum ersten Mal seit dem 1. Golfkrieg von 1991 die Sirenen erklangen. Viele Besucher des Freitagabend-Gottesdienstes drängten sich in die Unterstände, andere aber waren derart überrascht, dass sie zunächst an einen technischen Defekt der Anlagen glaubten. Als sie endlich reagierten, war die zehnminütige Periode vorüber, die man nach dem Ertönen des Alarms in den Unterständen zu verweilen hat. Der Gottesdienst konnte weitergehen. – Offizielle Stellen bezeichneten den Ort des Niedergangs der Rakete bewusst vage mit «an der Grenze zum Siedlungsblock Gush Etzion», und auch die von den TV-Stationen verbreiteten Bilder der Raktenteile liessen nichts von der Umgebung erkennen. Aus klar ersichtlichen Gründen – man will dem Feind keine wertvollen Informationen frei Haus liefern – achtet die Militärzensur strikt darauf, dass die in- und ausländischen Medienschaffenden die geltenden Regeln einhalten. – Bei der auf Jerusalem abgeschossenen Rakete handelt es sich um ein palästinensisches Eigenprodukt, doch zuständige Stellen in Israel vermuten, dass Iran beim Bau des Geschosses entweder direkte Schützenhilfe geleistet hat, oder dass palästinensische Terroristen einen entsprechenden Ausbildungslehrgang in der Islamischen Republik absolviert haben. Nach ersten Untersuchungen ging die Erzielung der relativ grossen Reichweite von rund 85 Kilometern zu Lasten des mitgeführten Sprengstoffs. «Diese Raketen transportierte mehr Benzin als Explosivstoff», meinte ironisch-erleichtert ein israelischer TV-Reporter.



Kategorien:Nahost, Sicherheit

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