
Nach dem Sieg der Opposition rücken nun die Muslimbrüder auf die Strassen von Kairo und kämpfen für den gestürzten Präsidenten. Foto: dpa
Die Machtübernahme des Militärs in Ägypten sieht man in Israel zwar überwiegend positiv. Doch viele befürchten, dass die Sicherheitslage in der Region nach dem Sturz Mursis noch problematischer wird.
Die israelische Regierung übt sich im Schweigen: Premierminister Benjamin Netanjahu hat laut Presseberichten seinen Ministern nahegelegt, zunächst keine Interviews zur Krise in Ägypten zu geben. Israel beobachte die Situation sehr genau, wird ein Regierungssprecher zitiert. Aber es soll nicht der Eindruck entstehen, dass man sich in die komplizierten Angelegenheiten des Nachbarn einmischen wolle. Dafür wird die Lage in Ägypten in den Medien umso mehr diskutiert. Seit Tagen haben die Nachrichten aus Kairo in der Presse innenpolitische Themen auf die hinteren Plätze verdrängt.
Die Sorge dominiert, dass Ägypten für längere Zeit nicht zur Ruhe kommen wird und die Situation auf der Sinai-Halbinsel an der ägyptisch-israelischen Grenze ausser Kontrolle gerät. „Ein weiterer unkalkulierbarer Nachbar ist genau das Gegenteil von dem, was Israel langfristig braucht“, sagt Herb Kainon, Politikredakteur der konservativen Tageszeitung Jerusalem Post. „Im Moment allerdings kann es nur zuschauen.“
Israels Hoffnungen richten sich deshalb auf das ägyptische Militär. Die Kontakte sind seit vielen Jahren eng und erprobt, die Absprachen in Sachen Sicherheit haben auch in schwierigen Zeiten keinen Schaden genommen. Erst vor kurzem hat Israel zugestimmt, dass Ägypten weitere Truppen auf den Sinai verlegt. Nach Aussagen der Israelischen Experten werden die Muslimbrüder den Verlust der Macht nicht einfach so hinnehmen.
Die militärische Zusammenarbeit in Sachen Sicherheit wurden zwischen den beiden Ländern sogar in Mursis Amtszeit verstärkt. Vor allem auf der Sinai-Halbinsel, dort hatte die ägyptische Armee den Kampf gegen Terrorgruppen und Schmugglerbanden intensiviert. Für Israel ist die Situation auf dem Sinai eine der grössten Sorgen, denn schon mehrmals haben Terrorgruppen von dort aus Israel angegriffen.
Aber grundsätzlich weint kaum einer in Israel den islamistischen Muslimbrüdern eine Träne nach. Das jetzige Eingreifen des Militärs wird daher überwiegend positiv bewertet. Die wenigsten der vielen israelischen Sicherheits- und Militärexperten hatten aber mit dem Umsturz in Kairo gerechnet. Der arabische Frühling wurde deshalb auch gerne als „islamischen Winter“ beschreiben.
Die links-liberale Tageszeitung Ha’aretz schrieb am Donnerstag (04. Juli 2013), dass Mursis Präsidentschaft den ägyptisch-israelischen Beziehungen nicht so stark geschadet habe wie befürchtet. „Die Beziehungen zur Regierung Mursi kann man als relativ vernünftig beschreiben“, sagt Elie Podeh von der Hebräischen Universität Jerusalem.
Das Israels Sorge nicht unberechtigt ist, zeigen die Angriffe letzter Nacht nahe der Grenze zu Israel auf dem Sinai. Die Extremisten nutzten das politische Chaos in Ägypten und griffen Posten von Polizei und Militär an, mindestens ein Soldat kommt ums Leben. Auch Eilat wurde dabei von Explosionen erschüttert. (JNS)
Kategorien:Allgemein
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