Süddeutsche Zeitung (SZ) entschuldigt sich für ihre Israel-Darstellung


SZ_130702

Die betroffene Seite der SZ vom 2. Juli.

Ausgerechnet die linksliberale „Süddeutsche Zeitung“ muss sich Antisemitismus vorwerfen lassen: Zwei Buchrezensionen wurden mit einer fragwürdigen Karikatur inkl. fragwürdiger Bildlegende versehen und Israel als „gefrässigen Moloch“ dargestellt.

Die „Süddeutsche Zeitung“ (SZ) hat sich für eine Karikatur entschuldigen müssen, die am 2. Juli auf der Seite „Das Politische Buch“ gezeigt worden ist. Dort waren zwei Rezensionen über Bücher zur Politik Israels abgedruckt worden, denen eine Zeichnung des Deutschen Ernst Kahl beigestellt wurde. Darunter stand:

„Deutschland serviert. Seit Jahrzehnten wird Israel, teils umsonst, mit Waffen versorgt. Israels Feinde halten das Land für einen gefrässigen Moloch. Peter Beinart beklagt, dass es dazu gekommen ist.“ Peter Beinart ist Autor der SZ.

Als einer der ersten kritisierte der profilierte jüdische „Welt“-Autor Henryk Broder seine Kollegen. „Eine sachliche Karikatur kann es nicht geben“, schrieb er. Aber auch: «Karikaturen dieser Art gehörten zum visuellen Repertoire des ‹Stürmer› – der hässliche, gefrässige Jude, ein Moloch in Menschengestalt, der im Begriff ist, sich die Welt einzuverleiben.» Am meisten ärgere ihn, dass die Zeichnung alt sei und erst durch die Bildunterschrift antisemitisch werde: „Israels Feinde halten das Land für einen gefrässigen Moloch.“

Zeichner Ernst Kahl zeigte sich «entsetzt» und erklärte gegenüber der „Jüdischen Allgemeinen„, dass die Zeitung über einen Fundus seiner Karikaturen frei verfügen könne. „Ich wäre gern vorher gefragt worden. Dann hätte ich mit Sicherheit Nein gesagt.“ Das American Jewish Committee (AJC) hat sich mittlerweile beim deutschen Presserat beschwert. „Es ist skandalös, dass eine grosse deutsche Zeitung sich einer jahrhundertealten antisemitischen Bildsprache bedient“, sagt die Berliner AJC-Direktorin Deidre Berger.

Die Botschaft des Staates Israel kritisiert die am Dienstag im Literaturteil der Süddeutschen Zeitung veröffentlichte Zeichnung. Dies hat Botschafter Yakov Hadas-Handelsman auch in einem Brief an Chefredakteur Kurt Kister zum Ausdruck gebracht. Wir nehmen zur Kenntnis, dass die Süddeutsche Zeitung mittlerweile zustimmt, dass eine solche dämonisierende Darstellung Israels als „gefrässigen Moloch“ in Bild und Text nicht mit Israelkritik in Zusammenhang gebracht werden darf.

Die zuständige Redaktorin der Münchner Tageszeitung rechtfertigte sich im SZ-Blog. „Nur die Feinde Israels sehen Israel in der Weise, die dem abgebildeten Monster ähnelt“, deutete sie die Bildunterschrift. „Ausserdem ist der Staat Israel nicht mit dem Judentum gleichzusetzen.“ Immerhin ahnte sie: „Nachdem das Bild aber zu Missverständnissen geführt hat, wäre es besser gewesen, ein anderes zu wählen.“ Einen Tag später hatte die Redaktion aber keine Zweifel mehr. „Die Veröffentlichung der Zeichnung in diesem Kontext war ein Fehler.“ (JNS und Agenturen)



Kategorien:Politik

Schlagwörter:, , ,

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: