In Israel reden alle übers Wetter. Nach den extremen Regenfällen der letzten Tage in weiten Teilen des Landes, die zum Teil zu heftigen Überschwemmungen und Schäden führten, fiel in der Nacht auf Donnerstag der erste Schnee auf Jerusalem.
„So einen Wintersturm haben wir noch nie erlebt“, erklärte Jerusalems Bürgermeister Nir Barkat. Anhaltende Schneefälle hatten der Hauptstadt bis Freitag früh fast einen halben Meter Schnee beschert. Rund 1500 Autofahrer blieben stecken, die Zufahrtsstrassen nach Jerusalem waren nicht mehr passierbar. Polizei und Armee brachten verzweifelte Autofahrer in Notunterkünften in Sicherheit. Der Ben-Gurion-Flughafen in Tel Aviv wurde zeitweise geschlossen, Flüge nach Zypern umgeleitet. Unter der Schneelast brachen Bäume zusammen und stürzten auf Stromleitungen. Tausende Jerusalemer litten deshalb unter stundenlangem Stromausfall und konnten bei Minustemperaturen nicht heizen.
Zur Unterstützung des überforderten Winterdienstes in Jerusalem wurden Armeefahrzeuge eingesetzt. Auf der Autobahn 1 von Tel Aviv nach Jerusalem ging gar nichts mehr. Wer mit seinem Auto im Stau steckte, hatte keine Chance, dort herauszukommen. Die Polizei brachte die Insassen zu Notunterkünften im Jerusalemer Convention Center, in Mevaseret Zion und in der Kaserne in Ofer. Die Autobahn und die Strasse 443 waren auch heute früh noch gesperrt. Bürgermeister Barkat rief Menschen dazu auf, zu Hause zu bleiben. Die Strassen würden erst dann wieder freigegeben, wenn sich das Wetter beruhigt hat.
Israels Oberrabbiner David Lau gab bekannt, die Rettungsarbeiten sollten auch am Schabbat fortgesetzt werden. Es sei wichtig, bedrohte Menschen in Sicherheit zu bringen. Lau rief die Bewohner Jerusalems dazu auf, ihre Häuser für diejenigen zu öffnen, die wegen des Sturms nicht nach Hause kommen können.
Der Busverkehr auf allen Linien von und nach Jerusalem war am Donnerstag eingestellt worden. Am Freitag wurde ein Notbetrieb auf einigen Strecken aufgenommen. Nach Auskunft von Polizeisprecher Micky Rosenfeld gab es wegen des Wetters allein in Jerusalem rund 25.000 Notrufe. In der Hauptstadt bleiben vorerst alle Schulen und Kindergärten geschlossen.
Auf dem höchsten Punkt des Landes, dem Berg Hermon, liegt der Schnee schon etwas länger. Die Gebirgseinheit der Israelischen Verteidigungsstreitkräfte rechnet in den kommenden Tagen zudem mit heftigen Stürmen im Norden, was einen zusätzlichen logistischen Aufwand bei der Sicherung der Nordgrenze Israels bedeutet.
Auf dem Berg Hermon liegt mittlerweile rund ein Meter Schnee, auf den Golanhöhen etwa 60 Zentimeter. In der Eshkol-Region verwandelte sich ein Bach in einen gewaltigen Fluss, der einen Kleinbus mit neun Kindern und einem Fahrer mit sich riss. Sie wurden von der Besatzung eines Armeehubschraubers in Zusammenarbeit mit der Feuerwehr gerettet und ins Krankenhaus geflogen. Ausser Unterkühlungen gab es keine Verletzungen.
Der Wintersturm hat nach ersten Schätzungen Schäden in Höhe von rund 50 Millionen Schekel (über zehn Millionen Euro) angerichtet. Der Wetterdienst erwartet, dass die Schneefälle am Wochenende allmählich nachlassen.
(JNS und Agenturen)
Kategorien:Gesellschaft
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