Unsere Weisen lehrten uns: „Jeder, der bei seinem Leid Gott einbezieht, dem verdoppelt Er seine Finanzen.“
Thora-Parascha
Sidra: Emor / Schabbat Tekuma
Lesungen: 3. Mose 21,1 – 24,23
Haftara: Hesekiel 44, 15-31
Emor-Psalm 42
Wallfahrt zum GotteshausKapitel 23 im Buch Wajikra gibt eine zusammenfassende Beschreibung der Feste des Ewigen. Im zugeordneten Psalm 42 ist zwar nicht von den heiligen Zeiten im jüdischen Jahr die Rede, wohl aber von einer Wallfahrt zum Heiligtum, die bekanntlich zu den Feiertagen Pessach, Schawuot und Sukkot stattfand (siehe Dewarim 16, 16). Hier finden wir einen Berührungspunkt zwischen dem Wochenabschnitt Emor und Psalm 42.
Es stimmt, dass das Gebot der drei Wallfahrtsfeste bereits im Wochenabschnitt Mischpatim (Schemot 23, 15-17) steht; man hätte also Psalm 42 auch Mischpatim zuordnen können. Aber wer Raschis Kommentar zum Wochenabschnitt Emor studiert, der weiss, dass die Wallfahrtsfeste hier ebenfalls eine Rolle spielen. Raschi (zu Wajikra 23, 2) erklärt, dass das Gericht bei der Festlegung eines Schaltmonats (Adar II) auf Pilger, die gerade zum Heiligtum wandern, Rücksicht nehmen sollte (siehe auch Rabbiner Hirschs Erläuterungen zu dieser Stelle).
Der Psalmist bekennt: „Es dürstet meine Seele nach Gott, nach dem lebendigen Gotte; wann werde ich kommen und erscheinen vor dem Antlitz Gottes?“ (Vers 3). Amos Chacham erklärt, der Psalmist sehne sich danach, das Heiligtum zu besuchen. Fern vom Gotteshaus tröstet sich der Psalmist mit einem Blick in die Vergangenheit: „Daran will ich gedenken und ausschütten in mir meine Seele; da ich einherzog in der Menge, mit ihnen wallte zum Gotteshaus, mit der Stimme des Jubels und des Dankes, eine festliche Schar“ (Vers 5). Eine Wallfahrt zum Heiligtum war offensichtlich sehr eindrucksvoll!
Zum Schluss sei eine Bemerkung von Lea Fraenkel angeführt; diese Autorin unterstreicht die Tatsache, dass es in Psalm 42 um Sehnsucht nach der Nähe Gottes geht (siehe den oben zitierten Vers 3). In der Wallfahrt zum Heiligtum sollte ein jeder lediglich ein hilfreiches Mittel sehen, um das ersehnte Ziel der Gottesnähe erreichen zu können. Das ist eine sehr wichtige Lehre! (Von: Prof. Dr. Yizhak Ahren)
Sidra EMOR, Schabbat Tekuma
Lass uns feiern!
Die Sidra dieser Woche, Emor, besteht aus drei Teilen (Teil 1: Position der Priester, Wajikra 21-22; Teil 2: Feiertag Kalender, Wajikra 23; Teil 3: Varia (Mizwot und eine Geschichte, Wajikra 24). Im ersten Teil werden den Priestern Hinweise gegeben, wie sie ihr Amt auszuführen und sich zu betragen haben. Die Priester müssen zu jeder Zeit ‚rein‘ sein, da sie zu jeder Zeit für ein Opferritual am Altar – wofür man ‚rein’ sein muss – einberufen werden können. Unreinheit wird unter anderem durch die Berührung mit einem Leichnam ausgelöst. Aus diesem Grund ist es Priestern (sowie den heutigen Kohanim) verboten, bei einer Beerdigung anwesend zu sein oder sich sonst irgendwie mit der Tahara (rituelle Reinigung) oder Bestattung zu befassen. Ausnahmefälle sind verstorbene Eltern, Bruder, unverheiratete Schwester oder Kinder (Wajikra 21,1-4). Es ist aber nicht immer in unseren Händen, nicht in die Nähe eines Toten zu gelangen. Menschen fragen bevor sie sterben nicht: Ist ein Priester im Raum? Der unfreiwillig – es ist ihm zugestossen – ‚unrein‘ gewordene Priester unterwirft sich einem speziellen Reinigungsritual. Im zweiten Teil, dem Feiertag Kalender lesen wir: „Und der EWIGE redete zu Mosche also: Rede zu den Kindern Jisrael und sprich zu ihnen: Die Feste des EWIGEN, die ihr verkündigen sollt als mikra’e kodesch – heilige Versammlungen, meine Feste sind diese…..“ (Wajikra 23,1). Die wichtigste Aussage dieses Verses ist wohl der Auftrag: „die ihr als heilige Versammlungen verkünden sollt“. Was lernen wir daraus? Dass es diese Feiertage nur gibt, wenn wir sie verkündigen. Es ist nicht Chag, Feiertag, nur weil das so in Tora oder in einem jüdischen Kalender des KKL steht. Ich betone es nochmals: Ein Feiertag geschieht nicht einfach. Wenn wir ihn nicht ausrufen und gestalten, übergeht er uns.
Letzte Woche gedachten wir der uns widerfahrenen Katastrophe, der Schoa der sechs Millionen ermordeten Juden. Der Verlust von einem Drittel des jüdischen Volkes hat den Verlauf der Geschichte schlagartig verändert. Fast 70 Jahre danach können wir uns gar nicht vorstellen, wie die Welt im Allgemeinen und die jüdische Welt im Besonderen ohne diesen furchtbaren Krieg ausgesehen hätte. Emotionen von unheilbarem Schmerz und quälende Erinnerungen schleichen sich stumm schreiend mit in die ‚jahrlose‘ Gegenwart.
Nächste Woche feiern wir den 66. Unabhängigkeitstag von Israel. Dieses Wunder ist Tausenden, Zehntausenden, Millionen Menschen zu verdanken, die seit dem 19. Jahrhundert ihre Heimatorte verlassen und – jeder/jede auf seine/ihre eigene Weise – die israelische Gesellschaft mit aufgebaut haben. Akademiker, Unternehmer, Fachspezialisten, Handarbeiter wurden zu Bauern, Strassenarbeitern, Beamten, Verpflegungspersonal und Soldaten. Später haben die ‚Sabres‘, die in Israel Geborenen, zusammen mit neuen Immigranten aus der ganzen Welt, den Staat in die Welt gesetzt. Ein Staat der sich – auch wenn vieles in demokratischer und sozialer Hinsicht noch nicht stimmt – nach 66 Jahren zu einem der höchstentwickelten Länder der Welt zählen darf. Das ist uns nicht widerfahren, wir haben Israel verkündigt und gestaltet. Lass es uns feiern!
Meine Eltern pflegen zu sagen: Greife eine Gelegenheit zu feiern mit beiden Händen. Die Freude muss man sich holen, die Zores (Schwierigkeiten) kommen von selbst.
Schabat Schalom,
Rabbiner Reuven Bar Ephraim, JLG Zürich
Paraschat Haschawua: emor.1.j.pdf, tekuma.haftara.pdf
Kategorien:Gesellschaft
Europa ist antisemitisch. Eine Studie belegt es. Wieder einmal.
Thorazitat – Parascha
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