Der israelischen Armee geht das Geld aus: Generalstabschef Benny Gantz (Foto) hat am Montag alle Übungen von Reservisten abgesagt, die in diesem Jahr geplant waren. Weil das Finanzministerium die Gelder für das Militär drastisch gekürzt habe, sei es notwendig, bei den Reservisten zu sparen und die Mittel für die reguläre Armee zu verwenden. Gantz warnte, der Kostendruck könne dramatische Folgen für die israelischen Streitkräfte haben.
Vergangene Woche hatte bereits Verteidigungsminister Moshe Ya’alon von einer „Finanzkrise“ der Landesverteidigung gesprochen und kritisiert , dass es „Verhandlungen wie auf einem türkischen Basar“ mit dem Finanzministerium gebe. Dessen Reaktion fiel ausgesprochen kühl aus: Das Verteidigungsministerium müsse die Gelder eben effektiv einsetzen, zudem habe die Armee für 2014 bereirs einen „Nachschlag“ in Höhe von knapp drei Milliarden Schekel (rund 630 Millionen Euro) für ihr Budget bekommen.
Die Armeeführung warnt, die Einschränkungen bei den Manövern an Land, auf dem Meer und in der Luft gefährdeten langfristig die Sicherheit des jüdischen Staates. Nach ihrem dreijährigen (Männer) beziehungsweise zweijährigen (Frauen) Militärdienst sind die Israelis in den folgenden Jahren oft bis zu vier Wochen pro Jahr für die Landesverteidigung tätig. Israels Armee gilt auch wegen des hohen Leistungsvermögens ihrer Reservisten als die Schlagkräftigste im Nahen Osten.
Im Finanzministerium heisst es hingegen, die Armee klage auf hohem Niveau. Sie erhalte so viel Geld wie noch nie in der Geschichte des Staates Israel. Finanzminister Yair Lapid von der säkularen Zukunftspartei will den Mittelstand entlasten und auf breiter Front sparen.
Ob es tatsächlich nötig war, die Manöver der Reservisten aus finanziellen Gründen zu streichen, ist in Israel umstritten. Kritiker werfen dem Verteidigungsminister und seinem Generalstabschef vor, sie wollten damit vor allem Schlagzeilen in den Medien machen. Die Armee habe durchaus Möglichkeiten, hohe Summen einzusparen: So hätten die Streitkräfte zu viele Berufsoffiziere, die Altersbezüge der Berufssoldaten seien zu hoch, zudem genössen die Berufssoldaten weitere teure Privilegien wie ermässigte Beiträge zur Krankenversicherung.
Verteidigungsexperten halten dem entgegen, der Dienst in den israelischen Streitkräften sei weitaus anstrengender und gefährlicher als in anderen westlichen Staaten. Zudem nehme die Zahl militanter Islamisten zu, und die Armee stehe vor neuen Herausforderungen wie dem Schutz der israelischen Erdgas-Förderanlagen vor der Mittelmeerküste. (ih)
Kategorien:Sicherheit
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