„… das bin nicht ich.“


Enas Massalha

Eines der vielen Projekte von Massalha (links):
Oper für Kinder

Enas Massalha wurde 1979 in Dabouriyye in Galiläa geboren, und wenig deutete darauf hin, dass ihr Weg sie einmal in die Mailänder Scala führen würde.

„Meine Eltern kamen aus völlig mittellosen Familien, die ihre Kinder gerade ebenso mit Kleidung und Essen versorgen konnten, und daher wollten meine Eltern uns alles bieten“, erklärt die Sopranistin.

„Meine Familie war für alles offen, und die Musik war immer wichtig. Alle meine Geschwister machen Musik. Mein Grossvater kann nicht lesen und schreiben, aber als er gehört hat, dass ich Gesang studieren würde, hat er ausgerufen ‚Gelobt sei Allah‘“, fährt sie fort.

Als Kind nimmt Massalha Klavierunterricht im Yisreel-Tal, mit 17 kommt der Gesang dazu. Der Direktor der Musikschule empfiehlt ihr, an der Musikakademie in Jerusalem vorzusingen – und sie wird aufgenommen. Ein Schock sei das zunächst gewesen, erzählt sie, denn mit der Technik habe sie sich bis dahin gar nicht beschäftigt gehabt. Doch dann ging alles sehr schnell.

Sie erhielt ein Stipendium des amerikanisch-israelischen Kulturfonds und gewinnt mehrere Gesangswettbewerbe. Parallel dazu wurde sie in das Programm „Studio Opera“ der Israelischen Oper eingeladen, das junge Talente fördert, und wo sie zwei Jahre lang sang. Während eines Konzertes in Ramallah wurde Daniel Barenboim auf sie aufmerksam. „Er fragte mich, was ich morgen mache, und ich sagte, das müsse er mir sagen“, erinnert sich die Sopranistin. „Und er sagte ‚Komm in die Philharmonie und singe mir und Zubin vor‘“. Sie habe kaum eine Begleitung dafür gefunden, denn Pianisten seien in der Regel nicht bereit, von einem Tag auf den anderen vor Daniel Barenboim und Zubin Mehta zu spielen. Bei den Feiern zum 75. Geburtstag des Israelischen Philharmonieorchesters trat sie dann als Solistin auf und erhielt anschliessend ein Stipendium für die Staatsoper Unter den Linden.

Auch in Berlin springt sie ins kalte Wasser. Mehrere Jahre lang singt sie mit den ganz Grossen, tritt auch in Salzburg und zuletzt in der Mailänder Scala auf. Jedoch fühlt sie sich nie ganz bei sich.

Schliesslich kehrt die gefeierte Sopranistin mit 30 Jahren nach Israel zurück und organisiert in Haifa einen Gala-Abend für arabisches Publikum. Grosse Sorge habe sie damals gehabt, erzählt sie, wie das Konzert aufgenommen würde. Doch dann kam die grosse Überraschung. „Es kamen 400 Leute, ich hätte mir nicht vorstellen können, dass es so eine Bereitschaft gibt. Das Publikum war mehr dafür bereit als ich – und ich war richtig sauer auf mich, dass ich daran gezweifelt hatte.“

Seitdem tritt Massalha mit verschiedenen Programmen in Israel auf, die westliche und orientalische Traditionen miteinander vereinen. „Ich konnte einfach nicht weiter ein Instrument in der Welt der Oper bleiben“, so die Sängerin heute. „Das europäische musikalische Ohr der Oper, das bin ich nicht. Die Konzerte hier, für meine Community, haben mich daran erinnert, warum ich gerne singe.“  (Haaretz)



Kategorien:Kultur

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