Thorazitat des Tages – Thora-Parascha


tora-t„Wen Gott liebt, den bestraft Er“ (Sprüche des Königs Salomons 3. Kapitel, Satz 12)

Thora-Parascha

Nizawim – Wajelech – Ihr steht u. Er ging“
Wochenabschnitt: 5. Mose 29,9 bis 31,30
Haftara-Prophetenlesung: Jesaja 61,10-63,9

Wajelech – Psalm 65
Bitte um Verzeihung

Im Wochenabschnitt Wajelech steht, dass Gott Mosche Rabbenu mitgeteilt hat, was in der Zukunft nach seinem Tod passieren wird: „Und der Ewige sprach zu Mosche: Siehe, du wirst bei deinen Vätern liegen, und aufstehen wird dies Volk und nachbuhlen den Göttern der Fremden des Landes, dahin es mitten unter sie kommt, und wird mich verlassen und brechen meinen Bund, den ich mit ihm geschlossen. Und erglühen wird mein Zorn über dasselbe an jenem Tage, und ich werde sie verlassen und mein Antlitz vor ihnen verbergen; und es wird zum Frasse werden, und viele Leiden und Not werden es treffen, dass es sprechen wird an jenem Tage: Ist es nicht darum, weil mein Gott nicht in meiner Mitte, dass diese Leiden mich treffen?“ (Dewarim 31,16 und 17). Rabbiner Hertz sieht in der Frage eine Anerkennung ihrer Schuld und die Erkenntnis, dass die Strafe berechtigt ist.

Allerdings nimmt Nachmanides an, dass das Volk den Weg der Umkehr nicht zu Ende gegangen war. Sonst wäre der folgende Vers kaum zu verstehen: „Ich aber werde mein Antlitz verbergen an jenem Tage ob all dem Bösen, das es verübt, weil es sich zu fremden Göttern hingewandt“ (Vers 18).

In Psalm 65 steht ein Vers, der uns lehrt, wie man den Ewigen um Verzeihung bitten sollte: „Missetaten überwältigen mich, unsere Vergehen, du sühne sie“ (Vers 4). Raschi erklärt: Wir schaffen es nicht, alle Vergehen zu  bekennen, denn es sind viele. Darum die Bitte um die Vergebung aller Missetaten. Im zitierten Psalmvers fällt ein Wechsel von der Einzahl zur Mehrzahl auf. A. Chacham meint, vielleicht sei hier angedeutet, dass ein Vorbeter zuerst die eigenen Sünden bekennt und dann die Vergehen des Volkes, so wie dies der Hohepriester am Jom Kippur im Tempel zu Jerusalem praktiziert hat. 

Nach der Tabelle im Siddur Awodat Israel pflegte man Psalm 65 am Jom Kippur zu sagen. Möglicherweise hat Vers 4 diese Wahl mitbestimmt. (Von: Prof. Dr. Yizhak Ahren)

Sidra nizwaim-Wajelech

likrat_schabbatHakhel
Die Tora löst oft gegensätzliche Gefühle aus. Das eine Mal liest man wirklich spannende Texte, das andere Mal langweilt man sich zu Tode. Das eine Mal staunt man über so viel Weisheit, das andere Mal über so viel Intoleranz. Das eine Mal schmunzelt man über die Menschlichkeit der biblischen Figuren, das andere Mal widern einem die unmenschlichen Mizwot richtig an. Diese Vielseitigkeit der Tora führt auf jeden Fall – ob in der Wissenschaft, in der Synagoge oder in Artikeln – immer wieder zu interessanten und sogar heftigen Diskussionen. Die ‚ellenlange Länge‘ der Sidrot war für unsere liberalen Vorfahren ein Grund, die wöchentlichen Abschnitte zu dritteln, so dass jedes Jahr an Schabat nur ein Teil der Sidra gelesen wird. Im ersten Jahr der erste, im zweiten Jahr der zweite und im dritten Jahr der dritte Drittel. Im vierten ist man wieder beim ersten Jahr angekommen.
In der dieswöchigen Sidra lesen wir über die öffentliche Tora Lesung: „Alle sieben Jahre, im Erlassjahr, am Laubhüttenfest, wenn ganz Israel kommt, um vor dem EWIGEN, deinem Gott, zu erscheinen, an der Stätte, die Er erwählen wird, sollst du diese Tora ganz Israel vorlesen. Sammle (auf Hebräisch: hakhel) das Volk, Männer, Frauen und Kinder, und die Fremden an deinen Orten, damit sie hören und lernen….!“ (Dewarim 31, 10-12.) Diese Mizwa heisst hakhel (von sammle!) und gehört zur Tempelperiode. Die ganze Tora auf einmal zu lesen? In der Mischna steht, dass es nur um das 5. Buch Mose, um Dewarim geht und RASCHI (Rabbi Schlomo Jizchaki) behauptet, man müsse dem Volk nur einige Abschnitte aus Dewarim vorlesen. Wie auch immer… , der Zweck dieser Übung war: „damit sie hören und lernen“. Etwas später im Text wird zugefügt, dass dem Hören und Lernen, Tun folgen soll. Im Judentum ist das Lernen aber auch Zweck an sich, mit dem Hintergedanken, dass wer sich intellektuell mit der jüdischen Tradition beschäftigt, diese auch praktiziert. In der heutigen Realität unserer Gemeinde machen wir manchmal aus einer Not eine Tugend und zwar, wenn es kein Minjan gibt und wir deshalb nicht aus der Tora Rolle lesen. Wir lesen den Wochenabschnitt – wenn auch nicht aus der Tora Rolle – und lernen und diskutieren miteinander darüber. Die meisten Anwesenden finden das miteinander Lernen bereichernd. Die Mizwa, dem öffentlichen Tora Lesen beizuwohnen, galt auch für Kinder. Um herumrennende, kichernde und quengelnde Kinder machte man sich offenbar keine Sorgen. Da es den hakhel, das öffentliche Tora Lesen, nicht mehr gibt und die Tora Lesung im Bet Knesset stattfindet, ist das Tora Lernen für Kinder eine Sache des jüdischen Unterrichts geworden. Krass gesagt, ist das Tora Lernen zu einer Kinderaktivität reduziert. Schade. Nicht umsonst haben die Rabbinen das Tora Lernen allen anderen Mizwot gleichgestellt. Wie wäre es mit einem Unti für Erwachsene? Würden Sie mitmachen?
Sylvia und ich wünschen Ihnen wunderschöne und seelisch erholsame Jontew Tage. Dass 5774 ein schönes, süsses, gesundes und friedliches Jahr werden mag. Dass Sie und ihre Lieben im Buch des Lebens eingeschrieben werden. Schana Towa! 

 לשנה טובה ומתוקה תקתבו ותחתמו!

(Rabbiner Reuven Bar Ephraim,  JLG Zürich)



Kategorien:Gesellschaft

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