Schweigegeld an Familie von Häftling X


a prisoner found hanged in a high-security Israeli prison was Aus

Grabstein von Ben Zygier in Melbourne: Seine Familie glaubte, er sei hinter feindlichen Linien gestorben

Ben Zygier war ein Mossad-Agent, der Geheimnisse an Israels Feinde weitergab. Während der Isolationshaft erhängte sich der Spion. Die genauen Umstände seiner Haft will Jerusalem unter keinen Umständen preisgeben – und bezahlt Zygiers Familie für ihr Schweigen.

Die Hintergründe der Affäre um den Tod des früheren Mossad-Agenten Ben Zygier bleiben im Dunkeln. Die Familie verpflichtet sich zu Stillschweigen. Im Gegenzug akzeptiert sie eine Entschädigung.

Nach dem Freitod von Zygier in einer israelischen Hochsicherheitszelle soll die Familie vier Millionen Schekel (ca eine Million Franken oder umgerechnet etwa 842.000 Euro) Entschädigung erhalten. «Ihr werdet schweigen, wir werden bezahlen», titelte die Zeitung «Jediot Achronot» am Mittwoch.

Er war australisch-israelische Doppelstaatsbürger und hatte jahrelang für den Geheimdienst gearbeitet. Dann aber Anfang 2010 war er verhaftet worden, Zygier soll Informationen an die libanesische Hisbollah-Miliz weitergegeben, die zur Verhaftung zweier Mossad-Agenten im Libanon führten.

Nach seiner Verhaftung wurde er in der Hochsicherheitsanstalt Ajalon im israelischen Ramle in Einzelhaft unter Videoüberwachung gehalten. Das Gefängnispersonal kannte weder seinen Namen noch den Grund für seine Haft. Trotz der Überwachung hatte er sich nach monatelanger Einzelhaft unter geheim gehaltener Identität am 15. Dezember 2010 erhängt. Ein Untersuchungsrichterin hatte daher im April festgestellt, dass Zygier nicht ausreichend überwacht worden sei.

Am Tag seines Freitodes sei Zygier vormittags noch von seiner Ehefrau und seiner kleinen Tochter in der Zelle besucht worden. Dabei soll sie ihn laut unbestätigten Medienberichten um die Scheidung gebeten haben. Der Fall wurde erst Jahre später durch australische Medienberichte publik.

Israels Regierung betont, dass die nun getroffenen Einigung mit den Hinterbliebenen kein Eingeständnis eines „vorgeblichen Fehlverhaltens“ sei. Vielmehr solle vermieden werden, die Angelegenheit vor Gericht zu bringen, weil dann Einzelheiten an die Öffentlichkeit kämen und die nationale Sicherheit ernsten Schaden nehmen können.

Zygiers Familie hat sich zu Stillschweigen verpflichtet. „Ihr werdet schweigen, wir werden bezahlen“, titelte die israelische Tageszeitung „Jedioth Achronoth“ am Mittwoch. Die Hinterbliebenen von Häftling X hatten direkt mit dem Büro des Premierministers Benjamin Netanjahu und dem Justizministerium verhandelt.

Jahrelang war die Familie über die Umstände des Todes falsch informiert worden. Den Hinterbliebenen wurde erzählt, dass Zygier als Mossad-Agent hinter feindlichen Linien ums Leben gekommen war. Die Behörden haben bis heute unter Hinweis auf Sicherheitsinteressen nie mitgeteilt, was Zygier wirklich vorgeworfen wurde oder ob anscheinend nur ein Bauernopfer im Machtgerangel der Sicherheitsdienste Shin Bet und Massad wurde. (JNS und Agenturen, Chaim Stolz)

 



Kategorien:Politik

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