Der Jerusalemer Tempelberg ist ein politisches Pulverfass. Am Dienstag hat das israelische Parlament erstmals über die Frage diskutiert, ob das Gelände weiterhin unter muslimischer Herrschaft stehen soll. Die Knesset fasste keinen Beschluss. Aber alleine die Diskussion führte zu heftigen Reaktionen: In einer Petition fordern heute 47 jordanische Parlamentsabgeordnete, den Friedensvertrag mit Israel aufzulösen und den jordanischen Botschafter aus Tel Aviv zurückzurufen.
Der Friedensvertrag zwischen Israel und Jordanien ist fast 20 Jahre alt. Israel hatte Jordanien darin eine besondere Rolle als „Wächter“ der muslimischen Heiligtümer in Jerusalem zugestanden.
Die Knesset-Debatte war auf Initiative des Likud-Abgeordneten Moshe Feiglin zustande gekommen. Er beschrieb in seiner Rede, wie die Muslime archäologische Überreste des jüdischen Tempels zerstörten. Israel habe seine Souveränität auf dem Gelände des Felsendoms und der Al Aksa-Moschee komplett aufgegeben. „Jede Terrororganisation darf dort ihre Flagge hissen, aber die israelische Flagge ist undenkbar.“ Feiglin erwähnte die vielen Einschränkungen, die für Juden gelten, wenn sie das Areal unmittelbar oberhalb der Klagemauer überhaupt betreten dürfen: „Für das Zitieren eines Psalms kann man verhaftet werden. Die Polizei empfiehlt, keine Kippot (Gebetskäppchen) zu tragen. Ich kenne kein anderes Land auf dieser Welt, das Juden nahelegt, ihre Kippot abzulegen. Aber das passiert hier, im Herzen der israelischen Hauptstadt.“
Unterstützung bekam Feiglin von der stellvertretenden Verkehrsministerin Tzipi Hotovely: Es gibt keinen Zionismus ohne Zion“, unterstrich die orthodoxe Likud-Abgeordnete, „und es gibt kein Jerusalem ohne den Tempelberg.“
„Als die Juden im Exil um ihre Rückkehr nach Zion beteten, beteten sie nicht darum, nach Tel Aviv zurückkehren zu dürfen oder in die Knesset, sondern auf den Tempelberg“, meinte der Vorsitzende der Likud-Beitenu-Fraktion Yarif Levin.
Kritische Äusserungen gab es hingegen von den linksgerichteten Abgeordneten. Die Vorsitzende der Meretz-Partei, Zehava Gal-On, hielt die ganze Debatte „für eine Provokation mit dem einen Ziel: Die Beziehungen zwischen Israel und der muslimischen Welt platzen zu lassen und die diplomatischen Verhandlungen zu torpedieren.“ Nachman Shai von der Arbeiterpartei verwies darauf, dass diese „unnötige Diskussion“ bereits gewalttätige Unruhen auf dem Tempelberg ausgelöst habe. Die Abgeordneten der arabischen Parteien im israelischen Parlament hatten aus Protest den Saal verlassen und nahmen an der Debatte nicht teil.
Foto: Der arabische Abgeordnete Ahmad Tibi suchte am Dienstag auf dem Tempelberg das Gespräch mit muslimischen Jugendlichen. Im Hintergrund der Felsendom (ih)
Kategorien:Nahost

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