Yom Kippur: Busse und Bangen


Der israelische Staatspräsident Reuven Rivlin bei einem Gebet um Vergebung (Selichot) in der Synagoge seiner Residenz in Jerusalem.

Der israelische Staatspräsident Reuven Rivlin bei einem Gebet um Vergebung (Selichot) in der Synagoge seiner Residenz in Jerusalem.

In Israel wird am Samstag, 4. Oktober, Yom Kippur gefeiert. Wie alle jüdischen Feiertage beginnt er bereits am Vorabend. Der „Tag der Sühne“ oder „Versöhnungstag“ ist der höchste jüdische Feiertag. Er wird als Fastentag begangen. Im Heiligen Land sind keine Restaurants und Cafés geöffnet, mit Ausnahme einiger arabischer Lokale. Das öffentliche Leben steht still. Alle Grenzübergänge sowie der internationale Ben-Gurion-Flughafen bleiben geschlossen.

Obwohl es kein behördliches Fahrverbot gibt, sind die Strassen fast komplett autofrei. An Yom Kippur wird weder ein Radio- noch ein Fernsehprogramm gesendet. Gläubige Juden verbringen den Tag fast ausschliesslich in der Synagoge.

Die israelischen Sicherheitsbehörden sind an diesem Wochenende in erhöhter Alarmbereitschaft. Der Yom-Kippur-Tag fällt in diesem Jahr mit dem muslimischen Eid al-Adha-Feiertag zusammen. Die Muslime feiern Abrahams „Opfer von Ismael“, das der Koran in Anlehnung an die Geschichte von Abraham und Isaak erzählt. Während die Juden den Tag mit Fasten und Stille verbringen, feiern die Muslime mit Musik und Fleischgerichten. Konflikte scheinen vorprogrammiert. Im Blickpunkt der Sicherheitsbehörden steht insbesondere der Jerusalemer Tempelberg. An der Kotel („Klagemauer“) treffen sich Zehntausende Juden zum Gebet. Nur wenige Meter entfernt beten Zehntausende Muslime in der Al Aksa-Moschee.

Palästinensern wird es von Donnerstagnacht bis Sonntag nicht möglich sein, aus dem sogenannten Westjordanland (Judäa und Samaria) nach Israel einzureisen. Polizei und Armee sind in den Städten mit gemischter jüdisch-arabischer Bevölkerung verstärkt präsent und sichern insbesondere die Synagogen.

Bereits am Donnerstagabend hat die Grenzpolizei in der Nähe der Siedlerstadt Ariel zwei Palästinenser festgenommen, die unter dringendem Terrorismusverdacht stehen. Nach Polizeiangaben hatten die beiden Männer Sprengstoff, eine Eigenbau-Pistole und mehrere Messer dabei. Sie wurden dem Geheimdienst übergeben, der sie nun verhört.

Ebenfalls am Donnerstag wurden zwei jüdische Mädchen durch Steinwürfe leicht verletzt. Sie waren in einem Auto unterwegs gewesen, auf das in einem Ostjerusalemer Stadtteil plötzlich Steine flogen. Dabei gingen die Seitenscheiben des Autos zu Bruch. Die beiden Mädchen wurden zur Behandlung ins Krankenhaus gebracht. (ih)



Kategorien:Gesellschaft

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