Teilchenbeschleuniger SESAME in Jordanien eingeweiht


 

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Physik Journal :: SESAME öffnet sich :: pro-physik.de In einer feierlichen Zeremonie eröffnete König Abdullah II. von Jordanien (vordere Reihe, 4. v. r.) das Beschleunigerzentrum SESAME (Foto: CERN).

In Jordanien wurde am Dienstag der erste Teilchenbeschleuniger im Nahen Osten eingeweiht. Dies ermöglicht seltene Kooperationen zwischen Ländern der Region. Die Einweihungsfeier war trotzdem von einem politischen Disput überschattet. Die palästinensische Delegation boykottierte die Einweihung.  Ein israelischer Minister sagte seine Teilnahme kurzfristig ab.

Die neu eingeweihte Beschleunigeranlage SESAME im südjordanischen Allan führt zu Formen der Zusammenarbeit, die in der Region selten sind. Wissenschaftler aus Jordanien, Israel, den palästinensischen Gebieten, Ägypten, dem Iran, Pakistan, der Türkei und Zypern forschen hier gemeinsam.

Nach 20 Jahren Vorbereitungszeit wurde die Anlage am Dienstag in Betrieb genommen. Bei der Eröffnungszeremonie waren unter anderem der jordanische König Abdullah II., der wissenschaftliche Direktor von SESAME, Giorgio Paolucci, und der neue Chef des Aufsichtsrats von SESAME und ehemalige CERN-Generaldirektor Rolf Heuer anwesend. Mit dem Beschleuniger soll hochintensive Strahlung erzeugt werden, sogenannte Synchrotronstrahlung.

Die Forschung soll unter anderem der Medizin, Pharmazie, Physik, Chemie und Biologie dienen. Wissenschaftsdirektor Paolucci erklärte im Gespräch mit dem Deutschlandfunk, dass diese Strahlung Eigenschaften besitze, die man mit keiner anderen Lichtquelle erreichen könne. „Mit ihr lassen sich die unterschiedlichsten Materialproben detailliert analysieren: Halbleiter, Mineralien, archäologische Fundstücke, aber auch Zellen und Proteine. Also eine äusserst vielfältige Palette.“

SESAME ist das Akronym für die englische Bezeichnung „Synchrotron-light for Experimental Science and Applications in the Middle East“, das heisst übersetzt „Synchrotronstrahlung für experimentelle Wissenschaft und Anwendungen im Nahen Osten“. Die Beschleunigungsanlage ist die erste ihrer Art in der Region. Ansässige Wissenschaftler aus der Region mussten für Forschungen auf dem Gebiet der Sychrotronstrahlung bisher in die USA, nach Japan oder nach Europa reisen.

Der Professor und Präsident des SESAME-Rats, Chris Llewellyn Smith, sagte laut der Zeitung „Jordan Times“, dass bislang 55 wissenschaftlichen Forschungsprojekten die Nutzung der Anlage gestattet wurde. Das Zentrum in Allan sei auch der erste Beschleuniger, der ausschliesslich durch Solarenergie angetrieben wird.

Die besondere Kooperation ist das eine, Politik in der Region ist das andere. Denn diese ist anscheinend nie ganz aussen vor – auch nicht, wenn es um Wissenschaftsprojekte geht. Der israelische Minister für Wissenschaft und Technologie, Ofir Akunis, zog am Montagabend seine Teilnahme an der Einweihung am Dienstag kurzfristig zurück. Das meldet die Onlinezeitung „Times of Israel“. Jordanien habe den Tod eines jordanischen Angreifers verurteilt und damit „eine Linie überschritten“. Ein Jordanier hatte bei einem Messerangriff auf den Hals und Kopf eines israelischen Polizeimanns eingestochen. Der Angreifer wurde erschossen.

Der Bau des Zentrums im Wert von 100 Millionen Dollar begann im Jahr 2003 nach einer Vereinbarung, die unter der Schirmherrschaft der UNESCO unterzeichnet wurde. Der grösste Teil der Fördergelder kam laut einer Mitteilung von der EU und einzelnen Mitgliedsländern wie Deutschland, Italien, Frankreich und Grossbritannien. (in)



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