Thorazitat – Parascha


Unsere Weisen lehrten uns: Wer seine Mitmenschen achtet, wird selbst geachtet. Wer auch nur einem Menschen das Leben gerettet hat, wird belohnt werden, als hätte er die ganze Welt gerettet.

Thora-Parascha

Schabbat Sachor (Schabbat vor Purim): „Wajikra“
Sidra: Sefer Wajikra 4:27 – 5:26, 2. Sefer Dewarim 25:17-19
Haftara: Schmuel I 15:2 – 34

Live Streaming: https://www.youtube.com/channel/UC6m5EJQu3x04EvapqMpG3vg

Wajikra-Psalm 50
Vom Sinn der Opfer

In unserem Wochenabschnitt ist von verschiedenen Opfern die Rede. Das hebräische Wort für Opfer lautet: Korban (Mehrzahl: Korbanot). Die Wurzel des hebräischen Wortes heisst: „näher kommen“. Geht man von der Wortbedeutung aus, so gelangt man zu einer Annahme, die viele Autoren vertreten; es sei die Gottesnähe, die mit den Korbanot angestrebt wird.
 
Psalm 50 behandelt das Thema Korbanot, auch wenn ein anderes hebräisches Wort (Sewach) verwendet wird. Der Psalmist spricht im Namen Gottes: „Versammelt mir die Frommen, die meinen Bund schliessen über dem Opfer“ (Vers 5). A. Chacham erklärt, dass die Frommen zusammengekommen sind, um den Bund mit Gott zu erneuern;  zum Bundesschluss haben sie Korbanot gebracht.
 
Unmissverständlich wird die Ansicht abgelehnt, der Ewige sei am Fleisch der Tiere interessiert: „Esse ich das Fleisch der Masttiere oder  trinke ich der Böcke Blut?“ (Vers 13). Wer opfert, der darf nicht eine verkehrte Auffassung von Korbanot haben – sonst ist sein Opfer sinnlos. Der Psalmist erklärt, nur solche Korbanot seien erwünscht, die man als Zeichen des Dankes bringt: „Opfere Gott Dank und bezahle dem Höchsten deine Gelübde“ (Vers 14). „Dank“ (hebr.: Toda) meint: Dank-Opfer (siehe Wajikra, Kap. 7, 12-15).
 
Rabbiner  Hirsch hat den eben zitierten Vers anders übersetzt: „Bekenntnis opfere Gott und löse dem Höchsten deine Gelübde“. Er folgt dem Kommentar von Raschi, der erklärt, Korbanot seien dann Gott wohlgefällig, wenn der Opfernde beim Darbringen seine Sünden bekennt. Opfer sind also dann erwünscht, wenn sie mit Gedanken der Umkehr verbunden sind. Den Zusammenhang der zwei Teile des Verses erklärt Raschi wie folgt: Erst nach der Umkehr eines Menschen nimmt Gott seine Gelübde wohlgefällig an.

(Prof. Dr. Yizhak Ahren)

LIKRAT SCHABBAT

Haman zum Trotz

וַיִקְרָא  Wajikra “Es rief” [der EWIGE] und זָכוֹר Sachor “Gedenke!” sind die Schlüsselworte dieser Woche. Mit dem Wajikra fangen die dieswöchige Sidra Wajikra wie auch das 3. Buch Mose an. Wajikra, “es rief”, weist auf den Ruf Gottes an Mosche nachdem er – am Ende des 2. Buches Schemot – den Mischkan, den Tabernakel, fertig gebaut hatte. Dort lesen wir, wie die Wolke Gottes den Mischkan einnimmt und Mosche den Mischkan wegen der Gottes Präsenz nicht mehr betreten kann (Schemot 40, 35). Laut Raschbam rief Gott Mosche sich Ihm zu nähern, damit er das göttliche Wort wieder hören kann (Raschbam, Rabbi Schmuel ben Meïr, 1085-1158).  

Sachor ist das erste Wort des Maftir, dem an der Sidra zugefügte letzte Abschnitt aus dem 5. Buch Dewarim. Das Wort ‘Sachor’ gibt dem an Purim vorangehenden Schabbat seinen speziellen Namen, ‘Schabbat Sachor’. In diesem letzten Abschnitt (Dewarim 25,17-19) lesen wir, wie Amalek das Volk Israel, als es müde und hungrig aus Ägypten zog, angegriffen hatte. Eine feige Tat, da Amalek die Nachhut der Menschenmenge, dort, wo die Frauen, Alten und Kinder liefen, attackiert hatte. Der Abschnitt endet mit dem Auftrag niemals zu vergessen, was Amalek dem Volk Israel angetan hatte, und seinen Namen auszulöschen.

Gott, Mosche, die Tora Schreiber rufen uns auf zu gedenken, wer uns Böses angetan hat. Das ist jedoch nur eine Seite. Gott ruft uns auch auf (Dewarim 30,19) das Leben, das Gute zu wählen, das heisst, unsere schlechten Triebe zu beherrschen und, die Welt durch Tikun Olam, durch Taten womit wir die Welt vervollkommnen, zu einem besseren Ort zu machen. Wir sollen somit nicht nur des Schlechten gedenken sondern uns gleichzeitig mit dem Guten beschäftigen. Wir sollen uns darauf besinnen, warum wir erschaffen wurden, was wir zum Leben, zur Welt beitragen können und uns daran erinnern, wem wir Dank für Unterstützung und Hilfe schulden.

Der Auftrag Sachor!, Gedenke! gehört zum Kern der jüdischen Tradition. Jede Woche erinnern wir uns mit dem Lesen der Tora und der Haftara, wie unsere Vorfahren gelebt haben, was sie trieb, über ihre Beziehungen, Ambitionen, Ängste und Schwächen. Jede Woche gedenken wir mit dem Kiddusch der Schöpfung der Welt und des Auszugs aus Ägypten. Wir realisieren, welch ein Glück wir haben, den Schabbat in Freiheit feiern zu dürfen. An jedem Purim erinnern wir uns an eine Geschichte, die die Wirklichkeit auf den Kopf stellt: Der mächtige Feind Haman wird durch den gesellschaftlich schwachen Mordechai und seiner Nichte Esther besiegt. Wir dürfen niemals vergessen, dass es zu jeder Zeit eine Esther, einen Mordechai und leider auch, einen Haman gibt.   

Purim zu feiern in einer Zeit, in der ein feiger Krieg wütet, kennt zwei Seiten. Auf der einen Seite scheint es unangebracht, in aller Fröhlichkeit Purim zu feiern, während Millionen Flüchtlinge Hab und Gut verloren haben und ein sicheres Geleit suchen, Bomben die Ukraine verwüsten und zivile Einwohner verletzen und töten. Auf der anderen Seite gibt es das jiddische Wort ‘zölöhuches’ oder auf aramäisch ‘dawka’, was so viel bedeutet wie ‘zum Trotz’. Wir wollen den Bösen nicht die Freude gönnen, keine Freude zu haben. Lass uns zölöhuches Purim feiern, die Megila lesen und uns verkleiden. Lass uns aber auch bewusst darüber sein, dass man nicht nur uns des Öfteren ausrotten wollte, dass es immer wieder ‚Amaleken‘ und ‘Hamane‘ gibt, die es auf jegliche Völker abgesehen haben und die es, wie wir mit Schmerzen im Herzen sehen können, im Moment wieder tun. Lass uns Purim feiern in Solidarität mit den Opfern dieses Hamans.

Schabbat schalom,
Rabbiner Ruven Bar Ephraim, JLG Zürich

PARASCHAT HASCHAWUA

wajikra.3.j.sachor.pdf

schabbat.sachor.haftara.pdf



Kategorien:Gesellschaft

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