Thorazitat – Parascha


באו ונצא לקראת שבתה מלכה  – «Kommt lasst uns die Königin Schabbat willkommen heissen.»

Unsere Weisen lehrten uns: „Wer wird respektiert? – Der die Menschheit respektiert.“

Thora-Parascha

Schabbat: „Mishpatim“
Lesungen: 2. Mose 21,1 bis 24,18
Haftara: Jehoschua 13:1 – 14

Live Streaming:

https://www.youtube.com/channel/UC6m5EJQu3x04EvapqMpG3vg

Mischpatim – Psalm 72
Tipps für den jüdischen König

Psalm 72 enthält König Davids Wünsche für die Regierung seines Sohnes Schlomo. Der letzte Vers lautet: “Zu Ende sind die Gebete Davids, des Sohnes von Jischai.” Auch wenn dieser Psalm anlässlich der Salbung von König Schlomo verfasst wurde, so kann man – wie Amos Chacham betont – dieses Gebet auf jeden jüdischen König beziehen.

Der Wochenabschnitt Mischpatim enthält mehr als 50 Mitzwot. Wenn wir Ausführungen zum Thema “König” suchen, stossen wir auf den Vers: “Richter sollst Du nicht lästern, und einen Fürsten in Deinem Volke fluche nicht” (Schemot 22,27). Wie sowohl Maimonides als auch Nachmanides erklären, ist unter Fürst (hebr.: Nasi) der König zu verstehen. Nun ist es streng verboten, überhaupt einen Juden zu verfluchen (siehe Wajikra 19, 14 und Raschi zu dieser Stelle). Warum erwähnt die Schrift den König gesondert? Weil es Menschen gibt, die auf Herrscher und Richter wütend sind und ihrer Unzufriedenheit in der Form eines Fluchs Ausdruck geben könnten.

Dem zugeordneten Psalm ist zu entnehmen, dass der König durchaus einiges tun kann (und soll!), damit das Volk sein Wirken schätzt und ihn segnet. Dass ein Machthaber sich für die sozial Schwachen einsetzen soll, wird sogar in mehreren Versen herausgestellt: “Er richte Dein Volk in Recht und Deine Armen in Rechtsordnung” (Vers 2). “Er vertrete das Recht der Armen des Volkes, schaffe Heil der Machtlosen Kindern  und zermalme den Bedrücker” (Vers 4). “Denn er rettet den Dürftigen, der nach Hilfe ruft, und den Gebeugten, der keinen Beistand hat. Schont Herabgekommene und Wehrlose und verschafft Heil den Seelen der Wehrlosen. Erlöst ihre Seele von Tücke und Gewalt, und teuer ist ihr Blut in seinen Augen. Er bleibt erhalten, und er gibt ihm von Schewas Gold; er betet für ihn immerzu und segnet ihn jeden Tag” (Verse 12 – 15).

Halten wir fest: Es ist verboten, den König zu verfluchen. Aber den Segen seiner Untergebenen  muss er sich durch Einsatz für Gerechtigkeit und Engagement für die Armen verdienen!   (Prof. Dr. Yizhak Ahren)

Im Austausch

Die grosse Offenbarung mit ihrem atemberaubenden Spektakel wie der bebende und von Rauch umhüllte Berg Sinai, die Lichtschau und die ohrenbetäubenden Schofartöne sind vorbei. Am Ende der dieswöchigen Sidra Mischpatim liest Mosche dem Volk das Bundesbuch vor. Die durch das Schauspiel der Offenbarung eingeschüchterten Israeliten sprechen die denkwürdigen Worte aus: «Alles, was der EWIGE gesprochen hat – na’asse wenischma – wollen wir tun und darauf hören» (Schemot 24, 7). Mit den 10 Worten, oder nach vielen Interpretationen, der ganzen Tora, und der Akzeptanz davon, ist der Bund zwischen dem EWIGEN und dem Volk Israel Tatsache. Unmittelbar bevor die Israeliten die Gebote annehmen, verspricht der EWIGE, das Land für sie zu erobern und dass die ursprünglichen Bewohner verschwinden werden (Schemot 23, 23-25; 28-30). Zudem verbietet der EWIGE dem Volk Israel, den Göttern dieser Völker zu dienen und bietet sie auf, ihre heiligen Stätte zu zerstören (Schemot 23, 24), eine Aufforderung, die wir aus heutiger Moral energisch abweisen. In der Zwischenzeit wird es den Israeliten unter Androhung von Strafmassnahmen verboten, weder mit den Völkern noch mit ihren Göttern einen Bund zu schliessen. (Schemot 23, 32-33). 

Dass Gott die Eingeborenen Kenaaniter ‘verschwinden’ lässt, entspricht den vielen Aufträgen in der Tora, die sich mit dem Umgang mit Nicht-Israeliten befassen, überhaupt nicht. Ziemlich viele Gebote regulieren den Umgang mit, und die Rechte und Pflichten der Nicht-Israeliten. So dürfen z. Bsp. Nicht-Israeliten an Pessach, ebenso wie die Israeliten, kein Chamez (Ungesäuertes) essen (Schemot 12, 19) und das Arbeitsverbot an Festtagen wie Jom Kippur gilt auch für Nicht-Israeliten (Wajikra 16, 29). Diese Woche lesen wir, dass es verboten ist, Nicht-Israeliten zu unterdrücken (Schemot 22, 20). Nirgendwo steht geschrieben, dass diese Regelungen nur gelten, so lange es noch Bewohner der Kanaanitischen Völker im Land gebe. Im Gegenteil, in der Tora wird davon ausgegangen, dass die Bevölkerung des Landes Israel aus Israeliten und Nicht-Israeliten besteht und bestehen wird. 

Dass eine multikulturelle und interreligiöse Gesellschaft schlecht für die Israeliten sei (Schemot 23, 33)  wird von Rabbiner S.R. Hirsch (1808-1888) samt Auslegung wiederholt: «Nur in der Isolierung kannst du für deine einstige geistige Besiegung der Völker erstarken. Bis dahin wird dir das Zusammensein zur Falle werden.» Eine Legende aus der Mischna (Awoda Sara 3, 4) stellt dem eine konträre Ansicht entgegen: «Es fragte Proklos ben Pilosolos an Rabban Gamli’el in Akko, als er im Bad der Aphrodite badete (…): Warum badest du im Bad der Aphrodite? Sprach er zu ihm, ich bin nicht in ihr Gebiet gekommen, sie ist in mein Gebiet gekommen. Man sagt nicht: Wir wollen der Aphrodite ein Bad zur Zierde bauen, sondern man sagt: Wir wollen Aphrodite zur Zierde für das Bad machen.» Was meint Rabban Gamli’el damit? Solange die hellenistischen Gegenstände nicht als eine Gottheit verehrt werden, könne man gut damit leben. 

Für mich ist der Kontakt mit anderen Kulturen und Traditionen wichtig. Die Tora – auch wenn es mehrere Stellen gibt, die etwas anderes aussagen – und die Mehrheit der klassischen Rabbinen positionieren das Volk Israel inmitten und in Kontakt mit anderen Völkern. Dies im Gegensatz zum nachmittelalterlichen ultra-orthodoxen Judentum. Eine zurückgezogene, isolierte jüdische Gemeinschaft ist der Selbstuntersuchung, der Selbstkritik und des sozialen Lernens unfähig. Bräuche und Traditionen neigen dazu, in solch einem geschlossenen Umfeld absurd oder dogmatisch zu werden und Intoleranz liegt auf der Lauer. Das Volk Israel ist während seiner langen Geschichte immer mit anderen Kulturen und Traditionen in Berührung gewesen. Es hat zur Akkulturation, zum Austausch von Traditionen geführt, welche die jüdische Tradition bereichert und gestärkt hat. Isolation und Assimilation bewirken keinen (Selbst-) Respekt. Im Austausch hingegen können wir strahlen. 

Schabbat schalom,

Rabbiner Ruven Bar Ephraim, JLG Zürich

PARASCHAT HASCHAWUA

mischpatim.3.j.pdf ; mischpatim.haftara.3.j.pdf



Kategorien:Gesellschaft

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