Netzwerk für Bauhaus-Gebäude in Israel


Tel Aviv gilt als die „Weisse Stadt“. Nirgendwo sonst stehen so viele Bauten im Bauhaus-Stil – rund 4.000 Häuser, die 2003 den Weltkulturerbe-Status der Unesco erhielten. Doch das architektonische Erbe jüdischer Flüchtlinge aus Deutschland droht zu zerfallen.

The Pagoda house, a Bauhaus style building in Tel Aviv

Das deutsche Bundesbauministerium unterstützt den Aufbau eines Zentrums für denkmalgerechtes Bauen in Israel Foto: picture-alliance / Hanan Isachar

Dem israelischen Staat fehlt es nicht nur an Geld, sondern auch an Fachwissen, um diese Häuser, die zwischen 1933 und 1948 errichtet wurden, sachgerecht zu sanieren. Eine Kooperation mit dem Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) soll nun für Abhilfe sorgen.

Das Bauhaus
Deutschlands berühmteste Kunst- und Architekturschule wurde 1919 in Weimar gegründet, 1925 nach Dessau verlegt und 1933 von den Nationalsozialisten in Berlin geschlossen. Viele jüdische Bauhaus-Architekten flohen daraufhin nach Palästina, darunter Arieh Sharon, ein Pionier des sozialen Wohnungsbaus. Sie drückten der neu entstehenden „Weissen Stadt“ ihren funktionalen Stempel auf.

Mit dem Projekt „Netzwerk Weisse Stadt Tel Aviv“ unterstützt das BMVBS den Aufbau eines Zentrums für denkmalgerechtes Bauen in Tel Aviv. Geplant ist ferner ein deutsch-israelisches „Kompetenznetzwerk“, das Experten und Partner aus allen Bereichen des Bauwesens zusammenbringt.

Expertenwissen aus Deutschland

Die Vermittlung technischen Wissens und handwerklicher Fähigkeiten steht im Fokus. Zur Pflege des weitgehend authentisch erhaltenen Bauhaus-Erbes sollen unter anderem eine gemeinsame Lehrlingsausbildung und eine Kooperation Israels mit der deutschen Bauindustrie beitragen.

Seit Mitte 2013 wirkt das gemeinsame „Netzwerk Weisse Stadt“ mit Internetauftritt, begleitendem Forschungsvorhaben und einem Fachsymposium. Hierbei handelt es sich um eine Auftaktveranstaltung, die Anfang 2014 die seit Projektstart erzielten Ergebnisse präsentieren soll.

Deutsch-israelische Regierungskonsultationen
Im Dezember 2012 führten die Bundesrepublik Deutschland und der Staat Israel in Berlin zum vierten Mal Regierungskonsultationen durch. Beide Regierungen hielten fest: „Das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung und die Stadtverwaltung von Tel Aviv werden bei der Erforschung, Dokumentation und Erhaltung von Bauhaus-Gebäuden in Tel Aviv zusammenarbeiten.“

Die Zeit drängt, so viel steht fest. Hohe Luftfeuchtigkeit, Hitze und Abgase nagen an den Fassaden. Viele Gebäude sind einsturzgefährdet – und Tel Aviv liegt in einem Erdbebengebiet. Die Unesco hat bereits damit gedroht, der Stadt den Status als Weltkulturerbe zu entziehen.

(JNS / BMVBS)



Kategorien:Kultur

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