Ein Israeli wird Chef-Helfer von Yellen


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Stanley Fischer soll neuer Vizechef der amerikanischen Notenbank Fed werden.
Bild: Bloomberg

Zum heikelsten geldpolitischen Manöver seit langem wird wohl schon bald ein erfahrener Krisenmanager zur Führungsspitze der US-Notenbank Fed stossen – ein Porträt.

Laut einem Insider ist dem renommierten Ökonomen Stanley Fischer das einflussreiche Amt des Vize-Chefs angetragen worden. Präsident Barack Obama ist damit ein Überraschungscoup gelungen: Der 70-jährige Fischer war bis vor wenigen Monaten noch Chef der israelischen Notenbank. Mit einer weitsichtigen und zugleich pragmatischen Geldpolitik hat er den Nahost-Staat vor den schlimmsten Folgen der Finanzkrise bewahrt.

Der Ökonomie-Professor mit israelischem und amerikanischem Pass muss nun unter Beweis stellen, ob er die grösste Volkswirtschaft der Welt und auch die Finanzmärkte von den hoch dosierten Geldspritzen der Fed entwöhnen kann, ohne dass es zu grösseren Verwerfungen an den Börsen kommt.

Lehrmeister von Ben Bernanke

Pikanterweise soll nun jener Mann der künftigen Fed-Chefin Janet Yellen bei der schwierige Aufgaben beiseite stehen, der einst an der US-Elite-Universität MIT in Massachusetts Lehrmeister des scheidenden US-Notenbankpräsidenten Ben Bernanke war: Fischer war Mentor bei dessen Doktorarbeit. Die von seinem einstigen Schützling betriebene Politik des ultra-billigen Geldes sieht der renommierte Professor als zweischneidiges Schwert: Sie sei „riskant, aber auch notwendig gewesen“, urteilte er jüngst.

Kritischer beäugt der weisshaarige Geldpolitiker die enge Koppelung der US-Zinspolitik an Schwellenwerte bei der Arbeitslosenquote und Inflationsrate. Fischer rät von einer zu präzisen Festlegung ab. Mit seiner pragmatischen und zugleich nicht ganz so lockeren geldpolitischen Linie gilt Fischer als Korrektiv zu Yellen, die den Arbeitsmarkt mit der geballten Feuerkraft der Fed wieder flottmachen will. Die Ökonomin Diane Swonk vom Finanzhaus Mesirow in Chicago sieht die künftige Nummer Zwei der US-Notenbank zugleich als grossen Kommunikator: „Er weiss genau, was man vermitteln kann und was nicht. Die Fed hatte dabei sicherlich nicht immer ein glückliches Händchen.“

«Stiller Held»

Der im afrikanischen Sambia geborene Fischer, der wie Bernanke dem Golfsport frönt, hat sich bereits auf einer früheren Karrierestation beim Internationalen Währungsfonds (IWF) als richtiger Mann für heikle Missionen erwiesen. Als Erster Vizedirektor war er bei der Rettung Mexikos und in der Asienkrise an vorderster Front aktiv und jettete als Feuerwehrmann rastlos um den Globus. Den Ritterschlag für seinen unermüdlichen Einsatz erhielt er von dem späteren US-Finanzminister Robert Rubin, der ihn als „stillen Helden“ der Krise würdigte.

Auch wenn Experten wegen des hohen Renommees des Ökonomen keine Probleme bei der Bestätigung des Kandidaten im Senat erwarten, bleibt ein Restrisiko: Denn anders als seine künftige Chefin Yellen hat Fischer eine Vergangenheit als Wall-Street-Banker: Von 2002 bis 2005 war er bei der US-Grossbank Citigroup tätig, die wenige Jahre später in der Finanzkrise vom Staat aufgefangen werden musste. Hier muss sich Fischer wohl auf kritische Fragen von Senatoren gefasst machen.

Seinen Abgang bei der Notenbank Israels kam Ende Juni gerade noch rechtzeitig, dass ihm bei seiner neuen Karriere in Washington kein Interessenskonflikt droht: Verschmitzt verwies er jüngst darauf, dass die sechsmonatige Karenzzeit nun bald ablaufe: „Es sieht so aus, als wenn ich jetzt bald auf eine Entscheidung zusteuern würde.“ Auch wenn Fischer als Fed-Vize seine Karriere krönen sollte, so blieb ihm doch ein Chefsessel verwehrt: 2011 musste er seine Ambitionen auf den IWF-Direktorposten wegen seines zu hohen Alters begraben. Die Französin Christine Lagarde machte schliesslich das Rennen.

(JNS / Reuters)



Kategorien:Wirtschaft

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