Der Architekt des Holocausts-Mahnmals in Berlin, Peter Eisenman, sieht bei sich keine Schuld an den Rissen im Beton der Stelen. Neun Jahre nach der Eröffnung bröselt es an vielen Stellen, einige Quader werden bereits mit Stahlbändern gesichert. Offenbar habe man beim Bau Dinge geändert, um Geld zu sparen, mutmasst der Architekt und macht das Kuratorium der Stiftung dafür verantwortlich.
Er werde ganz sicher nicht für die Schäden an den Stelen des Holocaust-Mahnmals zahlen, sagte der US-Architekt Peter Eisenman am Freitag „stern.de“. Schuld an den bröckelnden Betonstelen am Berliner Holocaust-Mahnmal sei das Kuratorium der „Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas“: „Offenbar wurden Dinge geändert, um Geld zu sparen“, kritisierte Eisenman. Für so eine Stele brauche man eine ganz bestimmte Menge von Armier-Eisen im Inneren. „Wenn aber ein paar Experten sagen, sechs statt zehn Eisen genügen, sonst kostet es zu viel Geld, dann ist das eben nicht okay.“
Er habe nicht damit gerechnet, dass die Stelen brechen würden. „Niemand konnte damit rechnen.“ Die Stahlmanschetten, die aus Sicherheitsgründen an dutzenden Stelen angebracht wurden, sind für Eisenman keine dauerhafte Lösung. „Auf lange Sicht müssen beschädigte Stelen natürlich erneuert werden“, sagte der Architekt.
Das Denkmal für die ermordeten Juden Europas in Berlin-Mitte ist einem Medienbericht zufolge schwerer beschädigt, als bisher bekannt. In 2.200 Stelen gebe es Risse, hatte die „Süddeutsche Zeitung“ am Donnerstag berichtet.
Bei einigen der Betonquader werde befürchtet, dass sie auseinanderbrechen. „Von einem Sicherheitsrisiko ist die Rede“, schreibt die Zeitung. Aus diesem Grund seien nun weitere 380 Metallmanschetten bestellt worden, um beschädigte Stelen zusammenzuhalten.
Schon wenige Monate nach der Eröffnung des vom amerikanischen Architekten Peter Eisenman entworfenen Mahnmal im Jahr 2005 waren erste Mängel zutage getreten. 2006 reklamierte die Stiftung erste Risse an den Betonstelen. Das Berliner Landgericht eröffnete 2012 auf Antrag der Denkmalstiftung und der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung ein Beweisverfahren gegen die Baufirma. So soll geklärt werden, wie es zu den Schäden an dem rund 27 Millionen Euro teuren Mahnmal kommt und wer dafür die Verantwortung trägt.
Die Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas wies diesen Bericht noch am Donnerstagmittag zurück. In einer Erklärung heisst es, seit 2012 würden die Stelen halbjährlich begutachtet, 48 seien derzeit mit Stahlmanschetten gesichert – Besucher seien „gerade deshalb nicht gefährdet“.
Zu Angaben über hohe Sanierungskosten hiess es von der Stiftung, belastbare Aussagen könnten derzeit nicht gemacht werden. Vorher müsse klar sein, mit welcher Methode Stelen repariert oder neu hergestellt werden können. Nach Angaben der SZ beziffern Experten die Reparaturkosten auf einen zweistelligen Millionenbetrag.
Der Denkmal-Experte Nikolaus Bernau hatte am Donnerstag im rbb bestätigt, dass eine Stele tatsächlich inzwischen fehle, da sie zu Untersuchungszwecken abtransportiert worden sei. Die Zahl sei für die Bedeutung des Mahnmals jedoch irrelevant, sagte er dem Kulturradio. Eisenman habe eigentlich eine grössere Zahl von Quadern geplant. Der Architekt Peter Eisenman habe zudem schon bei der Einweihung angekündigt, dass der Beton abbröckeln könne.
Die Denkmal-Initiatorin Lea Rosh sagte am Donnerstag der Nachrichtenagentur dpa, „Es ist völlig natürlich, dass Beton ein bisschen arbeitet“. Von der Wirkung des Mahnmals ist sie überzeugt. Die Erwartungen seien übertroffen worden. „Es ist ein Lehrstück für die Menschen, die dort hingehen „, sagte Rosh.
(JNS und Agenturen)
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