Frostige Verstimmung


US-Präsident Barack Obama und Israels Premierminister Benjamin Netanjahu können sich nicht besonders leiden. (Bild: Pressekonferenz im Weissen Haus am 3. März 2014) (Bild: Keystone/Andrew Harrer / Pool)

US-Präsident Barack Obama und Israels Premierminister Benjamin Netanjahu können sich nicht besonders leiden. (Bild: Pressekonferenz im Weissen Haus am 3. März 2014) (Bild: Keystone/Andrew Harrer / Pool)

Hat Obama das wirklich gesagt? Die Regierungen der USA und Israels bezeichnen die angebliche Niederschrift eines Telefongesprächs zwischen Obama und Netanjahu als Fälschung. Doch die Beziehungen bleiben wegen der Äusserungen zur geplanten Kontaktufnahme der US-Regierung zur Hamas frostig.

Israels öffentlicher TV-Sender Channel 1 hat die diplomatischen Verhältnisse zwischen dem jüdischen Staat und seinem wichtigsten Patron, den USA, am Dienstag heftig durchgeschüttelt. Der Sender behauptete, im Besitz eines Gesprächsprotokolls zu sein, das den Wortlaut eines Telefonats vom Sonntag zwischen US-Präsident Barack Obama und Israels Premier Benjamin Netanjahu wiedergibt.

Das Gespräch sei «angespannt» und «feindlich» gewesen, behauptete der TV-Journalist Oren Nahari, der das Transkript von einem hohen amerikanischen Diplomaten zugespielt erhalten haben will. Obama habe am Telefon unzweideutig gefordert, Israel solle seine Angriffe im Gazastreifen einseitig einstellen.

«Und was wird Israel als Gegenleistung für den Waffenstillstand erhalten?», soll Netanjahu gefragt haben. Obama: «Ich glaube, die Hamas wird das Raketenfeuer einstellen – Ruhe wird durch Ruhe erwidert werden.»

Dem Wortlaut der angeblichen Abschrift in der Zeitung «Times of Israel» zufolge brachte der Premier dann verschiedene Einwände vor. Doch Obama solle angekündigt haben, dass eine Woche nach Beginn der Waffenruhe Katar und die Türkei mit der Hamas verhandeln würden. Netanjahus Einwurf, die beiden Länder seien die grössten Stützen der Hamas, quittierte Obama laut Protokoll mit den Sätzen: «Ich vertraue Katar und der Türkei. Israel ist nicht in der Position, seine Unterhändler zu wählen.»

Die zwei betroffenen Regierungen reagierten rasend schnell. In einem ersten Tweet hielt der Nationale Sicherheitsrat der USA fest, «weder die Berichte noch die angebliche Niederschrift haben irgendeine Ähnlichkeit mit der Wirklichkeit»:

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Dass jemand die private Unterhaltung zwischen dem US-Präsidenten und dem Premier falsch dargestellt habe, sei «schockierend und enttäuschend», hiess es in einem zweiten Tweet:

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Netanjahus Büro setzte kurz danach wortidentische Tweets ab.

Alarmierend befanden diplomatische Kreise vor allem die in dem Transkript angedeutete Behauptung, es gebe enge Bande zwischen den USA und den beiden Hamas-Freundesstaaten. Wie viele Kommentatoren nahm Joshua Keating von «Slate» dies als Beweis dafür, dass es sich um eine Fälschung handeln müsse.

Tatsächlich unterscheidet sich der Tenor des Transkripts aber nicht fundamental von der offiziellen Charakterisierung des Telefongesprächs. Laut dem Weissen Haus hat Obama am Telefon «klargemacht, dass eine sofortige, bedingungslose humanitäre Waffenruhe strategisch zwingend ist». Es sei nötig, «Feindseligkeiten jetzt zu beenden».

Die Botschaft Obamas – ob genau im Wortlaut des Transkripts oder nicht – kam in Israel schlecht an. Der US-Präsident schien die Position der Netanjahu-Regierung zu ignorieren, wonach Israel erst noch mehr Tunnel sprengen und Hamas-Raketen vernichten müsse, bevor die Militäraktion beendet werden könne.

Der Sturm um das angebliche Protokoll tobte aber vor allem in den Medien. Wie sehr er die offiziellen Beziehungen der zwei Staaten belastet, wird sich zeigen. Die Freundschaft Israels mit den USA hat schon andere Stürme überlebt. Aber das Klima zwischen Washington und Jerusalem hat sich klar abgekühlt und ist frostiger denn je.



Kategorien:Politik

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