Plan für Qumran-Schau im Frankfurter Bibelmuseum


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Unschätzbar: Die zweitausend Jahre alten Qumran-Texte gelten als das bedeutendste Kulturerbe des Staates Israel (© Picture-Alliance)

Mit etwas Glück werden in drei Jahren Teile der Qumran-Handschriften im Frankfurter Bibelhaus zu sehen sein. Diese ältesten bekannten Bibel-Manuskripte in dem Museum in Sachsenhausen zu zeigen ist das Ziel einer Absichtserklärung, die in Jerusalem unterschrieben worden ist. Partner sind die Israelische Antikenverwaltung, die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) und die Frankfurter Bibelgesellschaft als Träger des Bibelhauses.

Die zweitausend Jahre alten Qumran-Texte gelten als das bedeutendste Kulturerbe des Staates Israel. Dass die Antikenverwaltung sie ausser Landes gibt, ist nicht selbstverständlich und geht auf das Vertrauen zurück, das das Frankfurter Bibelhaus und sein Direktor Jürgen Schefzyk in Israel geniessen. In Deutschland hat es bisher erst eine Qumran-Ausstellung aus den Beständen der Antikenverwaltung gegeben, 1999 in Köln.

Ein Beduine hatte die Handschriften im Jahr 1947 durch Zufall in einer Höhle bei Qumran am Toten Meer entdeckt, nach und nach kamen weitere Fragmente aus Papyrus und Pergament zutage. Mehrere zehntausend Schnipsel aus der Zeit zwischen 150 vor und 70 nach Christus, viele nicht grösser als eine Briefmarke, wurden in mühseliger Arbeit sortiert und zugeordnet, erst im Jahr 2002 war die Edition abgeschlossen.

Mehr noch als Glück braucht es Geld, damit die Handschriften nach Frankfurt kommen, „alles in allem knapp eine Million Euro“, sagt Schefzyk. Die Synode der EKHN wird im Herbst über eine Drittelfinanzierung entscheiden; Schefzyk steht in Gesprächen mit der Stadt, mit dem hessischen Wissenschaftsministerium, mit dem Kulturfonds und mit dem Bankhaus Metzler, das die Sonderschauen des Bibelmuseums kontinuierlich unterstützt.

EKHN-Kirchenpräsident Volker Jung sprach bei der Unterzeichnung des Abkommens im Jerusalemer Rockefeller-Museum von einem bedeutenden „Beitrag zum christlich-jüdischen Dialog“. Geplant ist auch eine Kooperation mit den Universitäten Mainz, wo das Fach Biblische Archäologie gelehrt wird, und Göttingen mit der dortigen Qumran- Forschungsstelle. Interesse gibt es an den Universitäten Frankfurt und Marburg.

Einige der Qumran-Rollen enthalten biblische Texte aus dem Alten Testament, meistens auf Hebräisch, manche auf Aramäisch. Andere verzeichnen Loblieder, Gebete und Kalender. Eine dritte Gruppe besteht aus Aufzeichnungen einer damals am Toten Meer lebenden Sekte. Ob die Manuskripte in der Gegend von Qumran entstanden oder ob sie im Jahr 70 vor den Römern dorthin in Sicherheit gebracht wurden, ist nicht zweifelsfrei geklärt. „Möglicherweise trifft auch beides zu“, sagt der Archäologe Martin Peilstöcker von der Universität Mainz.

Dass sie sich bis heute hielten, grenzt an ein Wunder. In den sechziger Jahren seien die Fragmente mit Tesafilm zusammengefügt oder schlicht aneinander geleimt worden, sagen die Konservatoren des Qumran-Projekts im Jerusalemer Israel-Museum. Weil Feuchtigkeit, Licht und Temperaturschwankungen die grössten Feinde der Handschriften sind, werden sie jeweils nur drei Monate lang ausgestellt und dann fünf Jahre in Ruhe gelassen. Inzwischen sind Teile der Sammlung im Internet zugänglich (http://dss.collections.imj.org.il).

(Werner D´Inka, F.A.Z.)



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