Wien: „Die Universität. Eine Kampfzone“


Die Universität. Eine Kampfzone

Ferdinand Lacina, Talya Lador-Fresher, Danielle Spera, Werner Hanak-Lettner bei der Eröffnung (© WWW_wulz_cc )

In Anwesenheit zahlreicher Prominenz aus Kunst, Kultur und Politik, darunter auch die erst seit Anfang des Monats im Amt befindliche Botschafterin des Staates Israel in Wien, Talya Lador-Fresher, und der langjährige österreichische Botschafter in Israel, Franz Josef Kuglitsch, eröffnete der frühere Finanzminister Ferdinand Lacina die Ausstellung „Die Universität. Eine Kampfzone“ im Jüdischen Museum Wien, einem Unternehmen der Wien Holding.

Umfassender Überblick über Beziehungsgeschichte zwischen JüdInnen und Wiener Universitäten

Lacina, der selbst in seiner Studentenzeit in den 1960er Jahren massgeblich an der Suspendierung des NS-Professors Taras Borodajkewycz beteiligt war, schilderte in seiner Eröffnungsrede die bedrückenden Zustände an den Wiener Universitäten der Nachkriegszeit und zeigte anhand konkreter Beispiele, dass zahlreichen WissenschaftlerInnen auch nach 1945 universitäre Karrieren aus politischen und rassischen Gründen verwehrt blieben. „Daher ist diese kritische und unbequeme Ausstellung ein wichtiger Beitrag zur Aufarbeitung eines gerne verdrängten Kapitels der österreichischen Wissenschaftsgeschichte“, so Lacina. „Die Ausstellung gibt anlässlich des 650. Jubiläums der Universität Wien erstmals einen umfassenden Überblick über die Beziehungsgeschichte zwischen Jüdinnen, Juden und den Wiener Universitäten vom ausgehenden Mittelalter bis in das 20. Jahrhundert“, sagte Museumsdirektorin Danielle Spera in ihrer Eröffnungsrede zu den Intentionen der Ausstellung, die von Chefkurator Werner Hanak-Lettner erarbeitet wurde.

Hoffnungsgebiet und Kampfzone

Die Inklusion und Exklusion von Jüdinnen und Juden innerhalb der Wiener Universität steht im Zentrum der Ausstellung. Nach einer Zeit des Ausschlusses und der parallelen Wissenswelten öffnete Kaiser Joseph II. die Universität Wien 1782, mehr als 400 Jahre nach ihrer Gründung, für die Juden. 100 Jahre später trugen jüdische Wissenschaftler mit bahnbrechenden Forschungen zur Glanzzeit der Wiener Universität bei. Als 1897 die Philosophische Fakultät der Universität Wien die Tore auch für Frauen öffnete, stellten Jüdinnen sofort ein Viertel der Studentinnen. Die Universitäten wurden zum Hoffnungsgebiet der stark wachsenden jüdischen Bildungsschicht, entpuppten sich jedoch bald als Kampfzone: Die Übergriffe durch antisemitische Studenten nahmen drastisch zu und trugen in der Ersten Republik Züge von Pogromen. Nationalsozialistische Studenten und deutschnationale Rektoren versuchten die Zahl der Jüdinnen und Juden an den Universitäten mit Schikanen und Gewalt zu reduzieren. Von dieser Politik des Ausschlusses mit allen Mitteln, die lange vor dem „Anschluss“ 1938 begann, haben sich die Wiener Universitäten bis heute nicht erholt. Die Ausstellung führt vom Mittelalter über die Nachkriegszeit mit der Affäre Borodajkewycz bis zum heutigen Umgang mit den vertriebenen jüdischen Forschern bzw. Nobelpreisträgern, die vom Boulevard gern als „Altösterreicher“ reklamiert werden.

Ausstellung von 3. November 2015 bis 28. März 2016

Zur Ausstellung ist ein Katalog (ISBN-Nr. 978-3-7117-2031-3) im Picus Verlag zum Preis von 29,90 EUR erschienen, der ab sofort im Museum erhältlich ist. Die von Werner Hanak-Lettner kuratierte Ausstellung ist von 3. November 2015 bis 28. März 2016 im Jüdischen Museum Wien, einem Museum der Wien Holding, zu sehen. Das Jüdische Museum Wien, Dorotheergasse 11, 1010 Wien, ist von Sonntag bis Freitag 10 bis 18 Uhr geöffnet. Das Museum Judenplatz, Judenplatz 8, 1010 Wien, ist von Sonntag bis Donnerstag von 10 bis 18 Uhr, Freitag 10 bis 14 Uhr, geöffnet. Am Samstag ist das Museum geschlossen. Weitere Informationen unter http://www.jmw.at/ der unter info@jmw.at.

Rückfragen & Kontakt:

Alfred Stalzer
Mediensprecher Jüdisches Museum Wien
Telefon: 01 505 31 00
Mobil: 0664 506 49 00
E-Mail: pr@stalzerundpartern.com

Folder zur Ausstellung Die Universität. Eine Kampfzone

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Foto: Ze’ev Aleksandrowicz, 1925: Die schlagende jüdische Studentenverbindung Emunah, Wien 9, Servitengasse 4



Kategorien:Kultur

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