Wagner-Festspiele: Teilnahme eines israelischen Orchesters sorgt für Unmut


Die geplante erste Teilnahme eines israelischen Orchesters an den Wagner-Festspielen in Bayreuth sorgt in Israel für Empörung, wo die des deutschen Komponisten wegen dessen antisemitischer Positionen und Popularität während der NS-Zeit so gut wie nie konzertant aufgeführt werden.

Die Sprecherin des Israelischen Kammerorchesters, Meirav Magen Lelie, bestätigte am Dienstag die Teilnahme an den Festspielen im Juli des kommenden Jahres. Von der Bayreuther Festspielleitung war dazu am Dienstag keine Stellungnahme zu erhalten.

Das israelische Orchester sei von der Leiterin der Festspiele, Katharina Wagner, eingeladen worden. „Es ist ihre persönliche Initiative“, sagte die Sprecherin. „Sie will damit eine Brücke schlagen, dies ist eine sehr schöne Geste.“ Um auf Sensibilitäten Rücksicht zu nehmen, sollten die Proben nicht in Israel stattfinden. Dort wird erwartet, dass Katharina Wagner kommende Woche nach Israel kommen dürfte und vermutlich am Mittwoch eine offizielle Einladung an das Orchester aussprechen könnte.

Die israelische Zeitung „Jediot Achronot“ schrieb am Dienstag, Wagner wolle sich während einer Pressekonferenz in Israel auch zu der „Nazi-Vergangenheit ihrer Familie“ äussern. Die Wagner-Festspiele hatten sich während der Nazi-Zeit durch die Freundschaft von Wagners Schwiegertochter Winifred zu Adolf Hitler diskreditiert.

Der inzwischen verstorbene israelische Dirigent Mendi Rodan hatte im Oktober 2000 für Aufsehen gesorgt, als er den langjährigen Boykott gegen Wagner in Israel brach. Er spielte damals mit dem Sinfonieorchester Rischon Lezion das „Siegfried-Idyll“. Das Konzert löste scharfe Proteste von Holocaust-Überlebenden in Israel aus. Seitdem werden Wagners Werke weiterhin kaum gespielt.

Der israelische Journalist und Holocaust-Überlebende Noach Klieger schrieb am Dienstag in einem Kommentar, die Reise des Orchesters nach Bayreuth bringe ihn in Rage. „Dies ist ein Schritt, den alle „Freunde“ des Judentums im Allgemeinen und Israels im Besonderen als Kapitulation ansehen werden – und als Eingeständnis, dass der Boykott wertlos und nicht gerechtfertigt war.“



Kategorien:Kultur

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