Schweiz – Neonazi-Konzert im Toggenburg


Schweizer-Nazi

Die Konzerte wurden auf Flugblättern angekündigt: «Blood and Honour»-Mitglieder an einer Demonstration.
Bild: Keystone

Organisatoren aus dem Umfeld des Nazi-Netzwerkes «Blood and Honour» führten Veranstaltung beim Bergheim Girlen in der Ostschweiz durch.

Am Freitagmorgen verhinderten die Behörden der Zürcheroberländer Gemeinde Gossau ein Naziskinhead-Konzert, das in der Festhütte Altrüti am Samstag hätten stattfinden sollen. Nach Recherchen des «Tages-Anzeigers» kündigten sie den Mietvertrag, weil er unter Vorspiegelung von falschen Tatsachen abgeschlossen worden war.

Den Organisatoren aus dem Umfeld des Netzwerkes «Blood and Honour» ist es jedoch gelungen, den Anlass in einem Bergheim ob Ebnat-Kappel durchzuführen. Sie schleusten die anreisenden Besucher aus dem In- und Ausland über zwei Treffpunkte in Rapperswil-Jona und Ebnat-Kappel zum Bergheim Girlen, abgelegen oberhalb des Toggenburgs.

Seit mehreren Wochen zirkulierten in der rechtsextremen Szene Flugblätter, die zu einem Gedenkkonzert für Jan Stuart Donaldson am Samstagabend einluden. Dieser war Mitbegründer des Netzwerkes «Blood and Honour» («Blut und Ehre»). Angekündigt waren neben «verschiedenen Überraschungsbands» vier Gruppen aus Estland, Finnland und England. Ebenfalls angesagt war die Schweizer Band Amok, deren vier Mitglieder wegen Widerhandlung gegen die Rassismus-Strafnorm vorbestraft sind. Auf ihrem ersten Tonträger, erschienen 2007, hatten sie den Holocaust geleugnet und missliebigen Personen einen gewaltsamen Tod in Aussicht gestellt.

Als Veranstaltungsort nannte das englischsprachige Flugblatt vorerst nur «Central Europe». Im Verlauf der Woche wiesen die Organisatoren interessierte Besucher zuerst in die Region Bodensee und gaben dann gestern Morgen als Treffpunkt einen Parkplatz in der Region Rapperswil-Jona an. Von diesem Platz sollten Besucher dann zum Veranstaltungsort gelotst werden.

Die Kantonspolizei St. Gallen erfuhr von der Veranstaltung erst als die ersten Besucher bereits eingetroffen waren. Man habe «250 bis 300 Personen» gezählt, und mindestens ein Teil des Anlasses habe in einem Zelt auf der Hausterrasse stattgefunden, erklärt Polizei-Mediensprecher Gian Andrea Rezzoli. Polizisten vor Ort hätten die Veranstaltung überwacht und keine Rechtsverletzungen festgestellt. Auch keine Widerhandlung gegen die Rassismus-Strafnorm. Allerdings hat die Kantonspolizei es unterlassen, das Konzert durch Tonaufnahmen zu dokumentieren. Angekündigt waren vier Bands, unter ihnen die Schweizer Gruppe «Amok», deren Mitglieder wegen Drohung und Rassendiskriminierung rechtskräftig verurteilt worden sind.

«Blood and Honour»-Sektionen (B&H) bestehen seit vielen Jahren in vielen europäischen Ländern, aber auch in Nord- und Lateinamerika sowie Australien. In Deutschland verboten die Behörden das Netzwerk, das über rechtsextreme Musik nationalsozialistische Ideologie verbreitet. In der Schweiz entstand eine erste B&H-Sektion 1997/98 – zuerst in der Romandie, dann auch in der deutschen Schweiz. Öffentlich in Erscheinung trat in den vergangenen Jahren die B&H-Sektion Zürich – sei es bei einer rechtsextremen Demonstration gegen Kinderschänder in Appenzell oder beim Rütli-Aufmarsch im vergangenen Jahr. Ebenfalls ins B&H-Netzwerk eingebunden ist die vierköpfige Band Amok, von der drei Mitglieder in der Region Hombrechtikon aufgewachsen sind.

Über die rechtsextreme Szene hinaus bekannt wurde Amok, durch ihren Auftritt am Jan-Stuart-Donaldson-Memorial 2005 in Brig. Ein «Rundschau»-Journalist, der mit versteckter Kamera arbeiten konnte, dokumentierte die rassistischen Botschaften.

(Zusammenfassung von JNS aus Quelltext von Hans Stutz, HS , Tages-Anzeiger)



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