Tu Bischvat – Mit beiden Händen


Juden in aller Welt begehen heute, am 15. Tag des Monats Schvat (Tu BiSchvat), das Neujahrsfest der Bäume.

18155Zum heutigen Tu Bischvat Feiertag werden in Israel traditionell Bäume gepflanzt. Vor allem in den Anfangsjahren des jüdischen Staates galt es mit beiden Händen zuzugreifen und das Land aufzubauen. Dieses Video zeigt Bilder der ersten Jahre Israels und wie alle gemeinsam anpackten, das Lied „Mit beiden Händen“ beschreibt wie tüchtig das Volk war. Alt und jung, gross und klein, alle pflanzten Bäume und heute sehen wir die Früchte der Anstrengung der ersten Jahre im schönen Israel.

Das ist die Botschaft von Tu Bischwat. Mitten im Winter, wenn alles um uns kalt und düster scheint, denke an den Frühling! Iss Obst! Sing fröhliche Lieder! Pflanze neue Bäume! Halte Ausschau nach dem Guten!

Dieser kleine Feiertag gilt nach rabbinischen Quellen als das Neujahrsfest der Obstbäume. Er markiert das Ende der Regenzeit und damit den Beginn der Pflanzperiode. Rituell ist der Tag bedeutsam für die Altersbestimmung von Bäumen, die sogenannte Orla (nach Levitikus 19,23), da der Verzehr der Früchte von Bäumen, die jünger als drei Jahre sind, verboten ist.

Ansonsten hatte das Fest ursprünglich aber kaum rituelle Bedeutung. In Israel ist es jedoch ein Tag, an dem insbesondere von Schulkindern Bäume gepflanzt werden. Auch intensive Programme zur Aufforstung durch den Jüdischen Nationalfonds (KKL) und die Kommunalbehörden beginnen an Tu BiSchvat.

Den Gedanken, dass an diesem Tag die Natur erwacht und das Leben beginnt, griffen in der israelischen Geschichte verschiedene Einrichtungen auf, die an diesem Tag eingeweiht wurden. Der Grundstein der Hebräischen Universität in Jerusalem wurde an Tu BiSchvat 1918 gelegt und der des Technions in Haifa im Jahr 1925. Auch die Knesset wurde an Tu BiSchvat des Jahres 1949 eingeweiht und feiert darum in diesem Jahr ihren 65. Geburtstag. 

Eingedenk der landwirtschaftlichen Bedeutung des Festes hat sich die Tradition des Verzehrs von Früchten, besonders getrockneten Früchten und Nüssen und Mandeln, herausgebildet. Für viele Kibbutzim ist heute ein landwirtschaftlicher Feiertag.

Im jüdischen Monat Schvat beginnen die Obstbäume zu blühen, allen voran die Mandelbäume, auch wenn es oft noch kalt ist.

WAS HEISST TU BI SCHEWAT
 
„TU“ steht für die Zahl 15. Im Hebräischen kann man jede Zahl mit Buchstaben schreiben. Aleph, der erste Buchstabe des hebräischen Alphabets ist zugleich die Zahl 1. 15 würde man normalerweise aus 10 + 5 zusammensetzen. Wenn man das ausspricht, ergibt es den Anfang des Gottesnamens (Tetragramm), den man in der jüdischen Tradition nicht ausspricht.
 
Deshalb weicht man auf 9 + 6 aus. Das sind die Buchstaben Tet (9) und Vav (6) gesprochen: Tu. Schewat ist der 11. Monat im jüdischen Kalender, Tu bi Schewat also der 15. Tag des Monats Schewat.
 
WARUM FEIERT MAN EIN NEUJAHRSFEST DER BÄUME?
 
Als es noch den Tempel in Jerusalem gab, der 70 n.d.Z. zerstört wurde, wurde der zehnte Teil der Tiere, der Getreide- und der Obsternte für die Priesterschaft und die Armen abgegeben.
 
WIE ABER SOLL MAN BEI OBSTBÄUMEN REGELN, ZU WELCHEM JAHR DIE OBSTERNTE GEHÖRT?
 
Durch die klimatischen Bedingungen in Israel ist dafür der 15. Schewat ideal. Er fällt fast auf das Ende der Regenzeit, wenn der Saft in die Bäume hochsteigt und sich die Früchte zu formen beginnen. So bildet er eine natürliche Grenze zwischen dem Obst, das im vergangenen Jahr geerntet wurden und denen, die im folgenden Jahr geerntet werden. Früchte, deren Blütezeit nach dem 15. Schewat liegt, müssen dann für dieses Jahr verzehntet werden.
 
WIE WIRD TU BI SCHEWAT GEFEIERT?
 
In Israel ziehen die Kinder hinaus, um Bäume zu pflanzen. So tragen sie zum Aufbau des Landes bei. Juden, die ausserhalb von Israel – in der Diaspora – leben, spenden Geld für die Anpflanzung von Bäumen in Israel. Ausserdem ist es Brauch, an diesem Tag besonders Früchte zu essen, die in Israel wachsen; in manchen jüdischen Gemeinschaften 15 Früchte – wegen des 15. Schewat.
 
In den letzten Jahren wurde ein Brauch wiederbelebt, der im 16. Jahrhundert bei den Juden, die in Safed (Israel) lebten, entstanden ist: der Tu bi Schewat-Seder. Seder heisst wörtlich „Ordnung“. Gemeint ist ein Zusammensein, bei dem man in einer bestimmten Reihenfolge Wein / Fruchtsäfte trinkt, Geschichten hört, bestimmte Früchte isst, Lieder singt und zu dem auch bestimmte Segenssprüche gehören.
 
In den letzten Jahren wurde Tu bi Schwat mehr und mehr zum Anlass genommen, um zu überlegen, wie wir zum Schutz unserer Lebensgrundlagen auf dieser Erde beitragen können. Tu bi Schwat ist damit auch eine Möglichkeit, Anliegen der ökologischen Bewegung aufzugreifen und sich Gedanken zu machen, wie man selbst und seine Gemeinschaft Umweltschutz praktizieren kann.
 
SEDER TU BISCHWAT
 
Auf jedem Tisch müssen drei Teller stehen:
 
1. Teller:

Früchte mit einer nicht essbaren Schale: z. B. Mandarinen, Orangen, Grapefruits, Kiwis, Walnüsse, Haselnüsse, Pistazien, Mandeln, Bananen, Afarsemon, Granatäpfel
 
2. Teller:

Früchte mit einem nicht essbaren Kern, z.B. Avocados, Oliven, Pfirsiche, Aprikosen, Pflaumen, Datteln, Kirschen, Mangos
 
3. Teller

Gänzlich essbare Früchte, z. B., Rosinen, Trauben, Feigen, Äpfel, Birnen, , Erdbeeren, Stachelbeeren.
Genügend weissen und roten Wein, bzw. Traubensaft.
 
Der Sederteller

Auf dem Tisch befinden sich drei Teller mit verschiedenen Früchten. Im Laufe des Seders kosten wir von jedem Teller die Früchte. Auf dem ersten Teller liegen Früchte mit einer Schale, die nicht gegessen werden kann. Bevor wir von den Früchten kosten, sagen wir folgenden Segensspruch:

Baruch ata, A. Eloheinu, melech ha’olam, bore, pri ha’etz
 
Gelobt seiest Du, Ewiger, unser Gott, der Du die Frucht des Baumes erschaffen.
Das erste Glas – Der Mensch und der Baum –

Wir beginnen unseren Tu Bishvat Seder mit der gleichen Zeremonie, mit der alle jüdischen Feste beginnen: mit dem Segen über den Wein (Traubensaft). Während des Seders werden wir vier Gläser Wein (Traubensaft) trinken. Jedes erinnert uns an eine Jahreszeit in Israel.

Das erste Glas wird nur mit Weisswein oder weissem Traubensaft gefüllt. Dies erinnert uns an den Winter, an die schlafende Natur. Die Erde ruht unter einer Schneedecke und wartet auf den Frühling.

Wir sprechen den Segen über den Wein und danken dem Ewigen, dass er uns diese Zeit erreichen liess:

Baruch ata, A. Eloheinu, melech ha’olam, bore pri ha’gafen
 
Gelobt seiest Du, Ewiger, unser Gott, Koenig der Welt, Schöpfer der Frucht des Weinstocks   

Das zweite Glas – Die Früchte aus Eretz Israel –

Das zweite Glas Wein ist bereits ein bisschen gefärbt, es symbolisiert den Frühling. Wir schütten ein wenig Rotwein in den Weisswein. Beobachtet, wie sich die Farbe ändert!
In Israel verwandelt sich die Landschaft zu Frühlingsbeginn in ein Blumenmeer.
Vor dem Trinken sprechen wir den Segen:
 
Baruch ata, A. Eloheinu, melech ha’olam, bore pri ha’gafen
 
Gelobt seiest Du, Ewiger, unser Gott, Koenig der Welt, Schöpfer der Frucht des Weinstocks

Jetzt essen wir von den Früchten des zweiten Tellers, den Früchten mit dem Kern: Pfirsiche, Aprikosen, Pflaumen, Avocados, Datteln, Oliven, Kirschen, Mango
Wir sprechen den Segen:
 
Baruch ata, A. Eloheinu, melech ha’olam, bore, pri ha’etz
 
Gelobt seiest Du, Ewiger, unser Gott, der Du die Frucht des Baumes erschaffen.
Jetzt dürfen wir essen.

Das dritte Glas – Respekt vor der Natur –
Das dritte Glas symbolisiert den Sommer und ist noch ein wenig dunkler. Wir füllen unsere Gläser mit Rotwein, dem wir ein wenig Weisswein hinzufügen. Beobachtet den Farbwechsel.
Im Sommer glüht die israelische Erde. Rosen und Mohnblumen blühen. Die Sonnen benützt ihre ganze Kraft. Gemeinsam mit dem Wasser und dem Klima schafft sie neues Leben.
Wir sprechen den Segen und trinken.
 
Baruch ata, A. Eloheinu, melech ha’olam, bore pri ha’gafen
 
Gelobt seist Du, Ewiger, unser Gott, Koenig der Welt, Schöpfer der Frucht des Weinstocks

Wir kosten nun die Früchte des dritten Tellers. Sie sind gänzlich essbar: Rosinen (Trauben), Feigen, , Birnen, Äpfel, Johannisbrot.
Wir sprechen den Segen und essen.
 
Baruch ata, A. Eloheinu, melech ha’olam, bore, pri ha’etz
 
Gelobt seiest Du, Ewiger, unser Gott, der Du die Frucht des Baumes erschaffen.
 
Das vierte Glas – Die Pflanzung –
Unser viertes Glas symbolisiert den Herbst, es ist gänzlich rot. Es ist die Zeit der Weinernte, der neue Wein wird vorbereitet. Die Blätter der Bäume verfärben sich und fallen ab.
Vor dem Trinken sprechen wir den Segen.
 
Baruch ata, A. Eloheinu, melech ha’olam, bore pri ha’gafen
 
Gelobt seiest Du, Ewiger, unser Gott, Koenig der Welt, Schöpfer der Frucht des Weinstocks
 

(JNS / Breslev / ORD)



Kategorien:Gesellschaft

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