Laserwaffe gegen Raketen bald einsatzreif


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Konzept des „Eisenstrahl“-Lasers / Bild: janes.com/Rafael

Auf der Singapore-Airshow hat der israelische Rafael-Konzern ein Lasersystem gegen Raketen, Drohnen und Mörsergranaten vorgestellt. Es könnte ab 2015 einsatzbereit sein und wäre eines der ersten der Welt.

Auf der Singapore-Airshow, einer grossen Luftfahrt- und Rüstungsmesse in dem südostasiatischen Stadtstaat, hat sich dieser Tage Bemerkenswertes ereignet: Der israelische Rüstungskonzern Rafael Advanced Defence Systems hat ein Abwehrsystem für kurze Reichweiten gegen ballistische Raketen, Mörsergranaten und Drohnen entwickelt, das auf Laserbasis funktioniert. Sein Projektname ist „Iron Beam“ (bzw. auf Hebräisch Keren Barzel), was in dem Zusammenhang „Eisenstrahl“ bedeutet. Der Firma zufolge könnte das System zwischen 2015 und 2017 einsatzbereit sein; es wäre eines der ersten vergleichbaren Waffensysteme, das operativ wird.

Im Grunde handelt es sich um zwei Laserstrahler, die samt Zielerfassungs- und Steuersystemen in handelsüblichen Containern, wie sie etwa in der Schifffahrt benutzt werden, untergebracht sind. Zunächst erfasst das Radar das Ziel, dann eine Infrarotkamera – mit deren Hilfe werden die beiden Laserkanonen am Ende ausgerichtet und simultan aufs Ziel justiert. Laut einem Bericht des Militärfachmagazins IHS Jane’s Defence habe sich Ezra Senerovits, der Vizechef für Marketing bei Rafael, über technische Details aber nicht zu sehr verbreitert: Es handle sich vom System herum Festkörperlaser, hiess es, deren Energieoutput aber nicht genau beziffert wurde; er soll im Bereich mehrerer Dutzend Kilowatt liegen, man strebe mehrere Hundert Kilowatt an.

Bei Festkörperlasern wird, ganz einfach gesagt, sichtbares Licht oder eine andere Fom elektromagnetischer Strahlung (etwa Infrarot) auf einen Kristall oder Glas gestrahlt, der bzw. das mit Ionen dotiert ist; üblich sind etwa Rubin, Saphir oder Fluoride, dotiert mit Neodym, Titan oder Ytterbium. Dadurch wird das Licht extrem verstärkt und zu hochenergetischen Strahlen gebündelt.

Das System erfasse und bekämpfe ein Ziel binnen etwa fünf bis acht Sekunden, wobei die Zielgenauigkeit in etwa beim Durchmesser einer Münze liege. Allerdings ist die Reichweite, wie es hiess, noch stark begrenzt: Senerovits sprach von etwa zwei Kilometern, andere Quellen geben bis zu sieben an – damit wäre der Kampfwert doch auf ein sehr kleines Umfeld reduziert, sodass der Eisenstrahl quasi nur ein „Torwart“ ist, wenn ein Geschoss weiterreichende Raketenabwehrsysteme zuvor passieren konnte.

Zudem kann es in dieser Rolle an sich nur gegen relativ langsam fliegende Ziele dienlich sein, eben gegen Geschosse von Granatwerfern, gegen Drohnen und Kurzstreckenraketen, wie sie etwa von der Hamas und der Hisbollah benutzt werden. Ballistische Mittelstreckenraketen (500 bis 5500 km Reichweite) und Interkontinentalraketen sind im Endanflug einfach zu schnell (durchaus mehr als fünf- bis zehnfache Schallgeschwindigkeit), um auf so kurze Entfernung noch rechtzeitig bekämpft werden zu können.

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Einsatzkonzept des Eisenstrahls / Bild: ainonline.com

 Man habe bisher etwa 100 Schuss abgefeuert, hiess es, und eine „sehr gute“ Trefferrate erzielt – man liest in anderen Quellen von 80 Prozent. Das Ziel wird durch die Hitzeentwicklung des Strahls beschädigt und abgelenkt, bestenfalls ganz zerstört, etwa, indem die Sprengladung hochgeht. Im Vergleich zu Raketen ist der Eisenstrahl – das System soll auch auf alle möglichen Arten von Land- oder Seefahrzeugen montierbar sein – spottbillig: Vom Systempreis abgesehen (darüber ist noch nichts bekannt) kosten die einzelnen „Schüsse“ nämlich praktisch nichts.

An Laserwaffen, einst ein Produkt der Science-Fiction, wurde ab Ende der 1970er ernsthaft gebaut, vor allem wurden sie in der „Strategic Defence Initiative“ (auch: „Star Wars“-Programm) der USA in den 1980ern als Abwehrmittel gegen Interkontinentalraketen in Betracht gezogen. Fast alle Projekte grösserer und kleinerer Art sind seither aufgrund technischer Probleme im Sand verlaufen – meist ging es darum, dass der Laser zu energiearm ist, um ein Ziel zu beschädigen, oder dass das gesamte Gerät zu unhandlich-klobig ist.

Die Boeing YAL-1 etwa war ein Projekt der 2000er-Jahre: Dabei wurde eine mit Sauerstoff und Jod chemisch „betriebene“ Laserkanone im Megawattbereich in die Spitze einer Boeing 747-400 montiert, um startende (nicht anfliegende!) ballistische Raketen bis auf bestenfalls 600 km Entfernung (realistischer waren 300 km) zu zerstören. Ein kleineres Projekt der Art („Airborne Laser Laboratory“) hatte es in den 1980ern gegeben.

Hauptverantwortlich waren Boeing (für den Jet), Northrop Grumman (für den Laser) und Lockheed Martin (für die Laser-Kuppel und die Feuerkontrolle). Zwischen 2007 und 2010 gab es Testschüsse, dabei wurden auch einige Raketen zerstört oder vom Kurs abgelenkt. Der damalige US-Verteidigungsminister Robert Gates war aber unter anderem aus Kostengründen gegen das Projekt (er sprach von 1,5 Milliarden Dollar pro Flugzeug), Ende 2011 wurde es tatsächlich eingestellt, nachdem man mehr als fünf Milliarden Dollar investiert hatte.

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Eine Boeing YAL-1 / Bild: Missile Defence Agency

Zweiter Hauptgrund für das „Aus“ war, dass der fliegende Laser operativ zu wenig taugte: Immerhin hätte die Boeing in der Regel tief in den Luftraum eines fremden Staates (Gates nannte ausdrücklich den Iran) eindringen müssen, das wäre weder unbemerkt noch ohne gewaltige Jagdfliegereskorte möglich gewesen. Ausserdem hätte der Laser angeblich nur etwa 20 bis 40 Mal feuern können, dann hätten die nötigen Chemikalien durch Luftbetankung oder am Boden nachgefüllt werden müssen.

Ein System ähnlich des israelischen Eisenstrahls entwickelt übrigens der deutsche Konzern „Rheinmetall“: Ende 2012 wurden auf einem Übungsgelände in der Schweiz Zwillings-Laserkanonen mit einer Gesamtleistung von 50 Kilowatt getestet, freilich ebenfalls nur auf die moderate Distanz von zwei Kilometern.

Auf 1000 Meter Entfernung sei ein 15 Millimeter dicker Stahlträger durchschnitten worden, hiess es (allerdings gab es keine Angabe bezüglich der dafür nötigen Zeit). Man schoss auch mehrere Drohnen ab und habe eine ballistisch fliegende Stahlkugel von 82 Millimeter Durchmesser (sie simulierte eine Mörsergranate) und 180 km/h Geschwindigkeit mit dem Strahl „verfolgen“ können.

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Die Rheinmetall-Laser / Bild: Rheinmetall

 Ähnlich kleine Laserbrötchen bäckt man bei der US-Navy: Dort wird ein teleskopförmiger Infrarotlaser namens „Laser Weapon System“ (LaWS) des Herstellers „Kratos“ auf das amphibische Angriffsschiff USS „Ponce“ montiert und soll ab Sommer in eine einjährige Testphase treten.

Auf ein bis zwei Kilometer Distanz will man damit fragile und langsame Ziele wie kleine Boote (etwa von Attentätern) und Drohnen beschiessen bzw. vertreiben können. Gegen Raketen oder Flugzeuge wird LaWS nicht taugen, es könnte um 2017 bis 2020 operativ einsatzbereit auf Schiffen installiert werden – jeder Laserschuss soll bestenfalls ein paar Dollar kosten.

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Der LaWS-Laser / Bild: US Navy

 (JNS und Agenturen)



Kategorien:Sicherheit

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