Thorazitat des Tages – Thora-Parascha


Thora„Dein Leben und dein Schicksal liegt in deiner Hand, und nicht etwa in den Händen anderer! Du kannst deinem Leben und deinem Schicksal zu jeder Sekunde eine positive Kehrtwende schenken!“

Thora-Parascha

Schabbat „Mezora“
Lesung:
3. Mose 14,1 – 15,33
Haftara: 2. Könige 7, 3-20

Mezora-Psalm 120
Wirkungen einer bösen Zunge

Den Aussätzigen nennt die Tora: „Mezora“ (Wajikra 14,2). Im Talmud (Arachin 15 b) und auch im Midrasch Wajikra Rabba (Abschnitt 16) wird das hebräische Wort „Mezora“ gedeutet als eine Verdichtung: „Mozi Shem Ra“ (= Verleumder). Unsere Weisen sahen im Aussatz eine Strafe für übles Reden (hebr.: Laschon haRa). Für den sich reinigenden Mezora muss man „zwei lebendige, reine Vögel, nehmen“ (Wajikra 14,4); Raschi erklärt: „Er hat geschwätzt, darum braucht man zu seiner Reinigung Vögel, die immerzu zwitschern“.
 
Schon im vorigen Wochenabschnitt hat Raschi  auf den Zusammenhang von Laschon haRa und Aussatz hingewiesen: der Mezora soll ausserhalb des Lagers abgesondert bleiben (Wajikra 13, 46); Raschi kommentiert: „Weil er durch Laschon haRa Zwiespalt zwischen einem Mann und seiner Frau bzw.  zwischen Freunden verursacht hat, soll auch derjenige, der Übles geredet hat,  getrennt bleiben.“ Merke: Mit übler Rede schadet ein Mensch nicht nur anderen, sondern auch sich selbst (Aussatz, Isolierung).
 
Von Wirkungen einer bösen Zunge spricht der Psalmist: „Ewiger, rette meine Seele vor der Lügen-Lippe, vor der trügerischen Zunge!“ (Psalm 120, 2). Die folgenden zwei Verse von Psalm 120 kann man, wie F. Melzer bemerkt hat, unterschiedlich interpretieren. Wendet sich die Frage: „Was gibt es dir, was mehrt es dir?“ (in Vers 3) an den Ewigen oder an die trügerische Zunge? Vers 4 lautet: „Die geschärften Pfeile eines Helden, nebst immer glühenden Kohlen“. Ist hier die Wirkung der trügerischen Zunge beschrieben oder die für sie erbetene Strafe? Beide Auslegungen zu beiden Versen sind vertretbar.
 
Der Psalmist  möchte nicht die Zielscheibe von Laschon haRa werden und bittet Gott um Schutz. Erwähnenswert ist, dass jüdische Beter nach Ende des Achtzehngebets dreimal täglich folgende Bitte äussern: „Mein Gott, bewahre meine Zunge vor Bösem und meine Lippen vor trügerischem Reden“ (siehe Psalm 34, 14). Gerade wer nicht Opfer von Laschon haRa  sein will, sollte seine eigene Zunge hüten! (Von: Prof. Dr. Yizhak Ahren )

Sidra MEZORA

Albern oder genial?
Diese Woche, so wie auch in der letzten, steht in der Tora die rituelle Reinheit und der diesbezügliche Status für eine Person auf dem Programm.  Die zentrale Frage dabei ist, ob der Mann oder die Frau ‚rein‘ genug ist, um am Opferkultus teilzunehmen. In der Sidra dieser Woche, Mezora, lesen wir über die mit Hilfe eines lebenden und eines geschlachteten Vogels ausgeführte Prozedur für die Rückkehr einer von Za’arat – Hautkrankheit – geheilten Person in die Gesellschaft. Eine za’aratkranke Person wurde auf Anordnung des Priesters für minimal 7 Tage, oft aber für länger, als ‚unrein‘ abgestempelt und isoliert. Man taucht den lebenden Vogel, zusammen mit Zedernholz, Karmesin (roter Farbstoff) und Ysop (Eisenkraut) unter fliessendem Wasser in das Blut des toten Vogels und die unreine Person wird sieben Mal damit besprengt. Darauf wird der lebende Vogel freigelassen. Nachdem die behandelte Person ihre Kleider gewaschen, alle Haare geschoren und gebadet hat, ist er/sie in Prinzip wieder rein. Dieses Ritual wird sieben Tage später wiederholt. Dann aber, am achten Tag, vollzieht sich eine Zeremonie, die in 22 Versen beschrieben wird, wobei mit Schlachttieren, Mehl- und Speiseopfer, Öl und minutiös beschriebenen, sich ständig wiederholenden Handlungen gearbeitet wird. Am Ende versieht man den Gereinigten am rechten Ohrläppchen, rechten Daumen und rechten grossen Zehen mit Blut des Opfertieres, so dass Alle wissen: Dieser Mann, diese Frau hat die Rückkehr-Zeremonie durchlaufen. (Wajikra, 3. BM, 14, 4-32) 

„Furchtbar, grauenhaft, grausig, lächerlich, albern …“ würden wir eine solche Zeremonie heute vielleicht betiteln. Aber eben, heute ist nicht damals. In der altorientalischen Welt, genauer gesagt, in der Zeit, über die Tora schreibt, spielten Magie, Rituale und Gottesbeschwörung eine fundamentale Rolle in der Gesellschaft. Heute stigmatisieren wir keine hautkranken Menschen mehr. Wie steht es aber mit Süchtigen, ‚Cleanen‘, Obdachlosen, Behinderten, mental Kranken, Fremdlingen, resozialisierenden Ex- Häftlingen …? Ist es nicht so, dass wir sie am liebsten an den Rand der Gesellschaft verbannen, uns von ihnen abwenden? Ich weiss, es ist oft überhaupt nicht einfach, mit Menschen, die vom ‚Normalen‘ abweichen, umzugehen. Sind Sie übrigens je einem normalen Menschen begegnet? Ich jedenfalls nicht.

Vielleicht war die Zeremonie, womit die Zara’atkranken wieder salonfähig wurden, doch nicht ganz so schlimm oder albern. Vielleicht war die Wirkung der Zeremonie ja hauptsächlich auf die Gesellschaft ausgerichtet, die eine Person zwar ausschliessen darf, sie danach aber unbedingt wieder aufnehmen soll. Die jüdische Tradition kennt noch ein Überbleibsel dieser Zeremonie  und zwar das Gomel-Benschen (Sidur Seite 128). Eine von einer Krankheit geheilte oder einer Gefahr entkommene Person wird zur Tora aufgerufen und sagt nach der Bracha nach der Toralesung eine weitere Bracha, die Dankbarkeit für die Heilung oder Rettung ausdrückt. Die Gemeinde bestätigt dies mit einem „Amen“ und wünscht der aufgerufenen Person alles Gute. (‚Bestätigen‘ heisst auf Niederländisch übrigens ‚beamen‘).

Bleiben Sie bitte gesund und stark.
 
Schabat Schalom,
Rabbiner Reuven Bar Ephraim, JLG Zürich

Paraschat Haschawua: mezora.1.j.pdf, mezora.haftara.pdf



Kategorien:Gesellschaft

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