Menschen beschnüffeln sich gegenseitig — nach dem Händeschütteln


HandschlagWährend Schnüffeln am Hinterteil des Gegenübers bei vielen Tieren zum guten Ton gehört, gilt solches Verhalten unter Menschen eher als unvorteilhaft. Dennoch richten sich auch Menschen unbewusst nach dem Geruch ihres Gegenübers. Israelische Psychologen haben mit versteckter Kamera herausgefunden, dass wir nach einem Handschlag aktiv den Geruch des Begrüssten erkunden.

Zu Beginn ihres Experiments schüttelten die Psychologen vom Weizmann Institut in Rehovot, Israel insgesamt 153 Versuchsteilnehmern mit einem Gummi-Hanschuh die Hand. Die Handschuhe analysierten sie nach dem Experiment und fanden, dass die Hände der Teilnehmer genau die Geruchsstoffe trugen, die auch Tiere zur Kommunikation nutzen, sogenannte Pheromone.

Danach liessen sie die Teilnehmer allein in einem Raum warten, unter dem Vorwand, das Experiment gehe bald los — obwohl es in Wahrheit längst lief. In einer Art Zahnarztstuhl sitzend wurden alle Teilnehmer heimlich gefilmt. Bald betrat einer von 30 möglichen Versuchleitern den Raum. Manche der Probanden begrüsste er mit einem Handschlag, zu anderen sagte er nur „Guten Tag“ und erklärte dann, dass das Experiment gleich anfange, und verschwand dann wieder.

Aus der Analyse der Videos dieser Begegnungen ergab sich, dass die Probanden vor, während und nach der Begrüssung im Schnitt 22 Prozent der Zeit damit verbrachten, mit einer oder beiden Händen ihr Gesicht in der Nähe der Nase zu befummeln. In einem separaten Kontrollexperiment konnten die Forscher nachweisen, das die Menschen beim Anfassen des Gesichts tatsächlich anfingen, an ihrer Hand zu riechen.

Nach der Begrüssung rochen diejenigen, denen die die Versuchsleiter die Hand gegeben hatten, mehr als doppelt so oft an ihren Händen wie die Teilnehmer, die nur verbal begrüsst wurden. Daraus schliessen die Forscher, dass wir unbewusst doch aneinander schnuppern, wenn wir jemanden kennenlernen. Mit den Händen als Transportmittel für die Geruchsmoleküle.

Erstaunlicherweise rochen die Teilnehmer deutlich öfter an ihrer rechten Hand, wenn sie ein gleichgeschlechtlicher Versuchsleiter begrüsst hatte. Bei einem Versuchsleiter vom anderen Geschlecht dagegen rochen sie deutlich weniger oft an der rechten Hand — aber fast doppelt so oft an der linken.

Warum ist das so? Die Forscher deuten den Unterschied als Zeichen, dass wir beim gleichen Geschlecht eher am Geruch des Gegenübers interessiert sind — und beim anderen Geschlecht an einem Vergleich zwischen dessen Geruch und unserem eigenen.

Andere Säugetiere, besonders Nager, nutzen den Geruchssinn um etwas über ihr Gegenüber herauszufinden: Bist du paarungsbereit? Bist du gesund? Aber auch der menschliche Körper kommuniziert über Geruchsstoffe: sozial-chemische Signale (oft Pheromone genannt) synchronisieren die weibliche Menstruation, beeinflussen die Partnerwahl, können Angst verbreiten und beeinflussen nachweislich die Hirnaktivität in Gruppen.

Bis zur neuen Studie des Weizmann Instituts war allerdings nicht bekannt, dass der Mensch ähnlich seinen Säugetier-Vettern aktiv den Körpergeruch anderer untersucht und vergleicht. (Christian Honey, wired)

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Kategorien:Wissenschaft

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