Thorazitat des Tages – Parascha


ThoraRabbi Nachman sagte: „Es ist ein grosses Gebot, immer glücklich zu sein!!!“

Thora-Parascha

Sidra: „Re’eh“
Lesungen: 5. Mose 11,26 – 16,17
Haftara Schabbat haChodesch: Jecheskel 45,16 – 46,3 und Jeschajahu 66,23

Re’e – Psalm 97
Freude der Gottesdiener

Sowohl in Re’e als auch im Psalm 97 wird eine bestimmte seelische Verfassung angesprochen: Man soll sich freuen, und zwar vor Gott. Aus diesen Passagen ergibt sich, dass die Freude (hebr.: Simcha) im jüdisch-religiösen Leben eine wichtige Rolle spielt.

Im Zusammenhang mit Vorschriften zur Darbringung diverser Opfer im Heiligtum heisst es: „Und freuet euch vor dem Ewigen, eurem Gott, ihr und eure Söhne und eure Töchter und eure Knechte und eure Mägde und der Levi, der in euren Toren; denn er hat keinen Anteil und keinen Besitz unter euch“ (Dewarim 12, 12. Siehe auch Dewarim 12, 7; Dewarim 12, 18 und Dewarim 14, 26). Im Abschnitt über das Wochenfest lesen wir: „Und freue dich vor dem Ewigen, deinem Gotte, du und dein Sohn und deine Tochter und dein Knecht und deine Magd und der Levi, der in deinen Toren, und der Fremdling und die Waise und die Witwe, die in deiner Mitte, an dem Orte, den erwählen wird der Ewige, dein Gott, daselbst seinen Namen thronen zu lassen“ (Dewarim 16, 11; siehe auch Dewarim 16, 14 und 15).  Simcha ist also an den Wallfahrtsfesten geboten.

Psalm 97 spricht vom Königreich Gottes, das kommen wird: „Hat Gott seine Herrschaft angetreten,  dann jubelt die Erde, frohlocken die vielen Eilande“ (Vers 1). Die allgemeine Anerkennung von Gottes Königtum ist eine frohe Botschaft für die jüdischen Gottesdiener: “Es hört und freut sich Zion, und es jubeln die Töchter Jehudas, wegen deiner Gerichte, Ewiger“ (Vers 8). In der tristen Gegenwart gilt: „Licht ist ausgesät dem Gerechten und den Herzensgeraden Freude. Freuet euch, Gerechte, in dem Ewigen und danket seinem heiligen Namen“ (Verse 11 und  12. Vgl. Psalm 32, 11).

Unser Gottesdienst (im weiteren Sinne) sollte mit Simcha ausgeführt werden.  Psalm 100, 2 lautet: „Dient dem Ewigen mit Freude, erscheint vor ihm mit Jubelgesang“.  Das Fehlen der Simcha gilt als eine schwere Sünde: „Und sie sollen sein an dir zum Zeichen und Beweise, und an deinem Samen bis in die Ewigkeit. Dafür dass du nicht gedient hast dem Ewigen, deinem Gotte, mit Freude und Herzenslust bei Überfluss an allem“ (Dewarim 28, 46 und 47). (Von: Prof. Dr. Yizhak Ahren )

 Sidra Ree

Nach dem Kishinev-Pogrom (1903) seufzte einer der Überlebenden:
„Vielleicht kann ‚Kodesch Boruch Hu (Gott) mal ein anderes Volk auserwählen.“

Beim Morgengebet, an Erew Schabbat und Erew Jontew und beim Aufruf zur Tora sagen wir: „ … der uns auserwählt hat“. Auch in der dieswöchigen Sidra Ree lesen wir: „du bist ein Volk, das dem EWIGEN deinem Gott geweiht ist, und dich hat der EWIGE aus allen Völkern auf der Erde für sich erwählt als sein eigenes Volk“ (Dewarim 14, 2). Was bedeutet ‚auserwählt‘ zu sein?

Die talmudischen Rabbinen geben uns verschiedene Interpretationen für das Auserwähltsein. Manche erklären die Auserwählung mit dem Begriff der Liebe. So wie die Liebe zwischen zwei Menschen auf subjektiven Emotionen gründet, kann die Auserwählung des Volkes Israel nicht mit Argumenten untermauert werden. Im Midrasch Schir Haschirim Raba 2, 16 lesen wir: „Gott sagt zu Israel: Mein Geliebter gehört mir, und ich gehöre ihm. Israel antwortet: Der Ewige ist mein Gott, und ich bin sein Volk.“  Andere Rabbinen sahen nichts in einer Liebesgeschichte und deuten die ‚Hochzeit‘ zwischen Gott und dem Volk Israel beim Berg Sinai eher als einen mit Humor ‚verzierten‘ Akt der Verzweiflung. Gott konnte die Tora nicht loswerden, da kein Volk sie abnehmen wollte. Gott sieht das in der Wüste herumwandernde Volk Israel, hält den Berg Sinai über das Volk und droht ihn fallen zu lassen, wenn es die Tora nicht akzeptieren würde. Die Tora, oder die Auserwählung, sei kein Privileg, eher eine Last. Die Botschaft der Tora muss verkündet werden. (Bemidbar Raba 14, 10).

Für Martin Buber bedeutete das Auserwähltsein keinen erhobenen ‚Status aparte‘. Es gebe den Juden kein Recht auf irgendwelche Superiorität. Das Auserwähltsein sei ein gemeinsames Schicksal der Juden, die sich die Auserwählung nicht als einen Verdienst anrechnen dürfen. Ganz im Gegenteil, sie solle als einen Auftrag um die Mizwot zu erfüllen vorgelebt werden. (Israel and the World, 1963, S. 223-224).

Ist die Auserwählung nun Liebe oder Last? Geht es um eine Liebesbeziehung, die die anderen Völker nichts angeht oder geht es um eine Verantwortung gegenüber den anderen Völker? In beiden Erklärungen verbirgt sich eine gewisse Arroganz: Warum liebt Gott ausgerechnet nur uns? Wer sind wir, dass wir den anderen Völker ein Vorbild sein sollen?

Was bedeutet das Auserwähltsein für mich? Ich spüre Freude und Dankbarkeit, ein Erbe der jüdischen Tradition zu sein. Ich schliesse mich Rabbi Akiwa an, der die Nächstenliebe als ‚die goldene Regel‘ abstempelt. Für mich ist sie der Schlüssel zu einer ‚besseren‘ Welt. Ich erwarte, und damit hantiere ich eine Doppelmoral, dass wir Juden die Nächstenliebe leben und vorleben. Gleichzeitig weiss ich, dass wir Juden um kein Haar besser (oder schlechter) sind als alle anderen Menschen. Und trotzdem, wenn ich höre oder lese, dass ein Jude misshandelt, raubt, mordet, diskriminiert, kurz gesagt, die Nächstenliebe schändet, schäme ich mich zutiefst.

Ich sehe das Auserwähltsein als einen Auftrag. Lasst uns in Dankbarkeit und mit Sorge für die Schöpfung und mit Nächstenliebe im Herzen die Funken Gottes in der Welt verbreiten.

Schabbat Schalom,
Rabbiner Ruven Bar Ephraim, JLG Zürich
Paraschat Haschawua ree.2.j.pdf; roschch.schabbathach.haftara.pdf



Kategorien:Gesellschaft

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