Rechte attackieren israelische Studenten


In Dresden haben sechs Männer zwei Studenten aus Israel angegriffen – und als „Scheiss Araber“ beschimpft. Die Polizei vermutet eine politisch motivierte Tat. Die Täter scheinen ihre Opfer vor einem Markt für orientalische Spezialitäten erwartet zu haben. Dort geht nun die Angst um. Die Polizei räumt Fehler ein.

das-demolierte-schaufenster-des-orientalischen-1639768h

Das demolierte Schaufenster des orientalischen Spezialitätenmarktes am Rundkino zeugt von dem Überfall: Bis zu acht Täter haben dort am Montag zwei Studenten angegriffen. (© Alexander Schneider)

In Dresden haben sechs Männer zwei Studenten aus Israel beschimpft und attackiert. Die beiden Opfer hatten dunkle Haut und waren in der Nähe eines Supermarkts für orientalische Lebensmittel unterwegs.

Die Angreifer hätten „Scheiss Araber“ und „Das ist unser Land“ gerufen, sagte ein Polizeisprecher. Ein Israeli erlitt durch Schläge leichte Verletzungen. Als sich die Studenten in den Markt flüchteten, zerschlug einer der Angreifer eine Scheibe des Ladens.

Die Attacke ereignete sich am Montagabend. Die Polizei geht aufgrund der fremdenfeindlichen Rufe von einer politisch motivierten Tat aus. Hinweise auf die Täter gab es zunächst nicht. Nun ermittelt der Staatsschutz.

Die Studenten decken sich in dem Markt mit libanesischem Brot, orientalischer Wurst und Frischkäse ein. Ein bisschen Genuss, der sie an ihre Heimat erinnert. Doch als sie den Laden verlassen, werden sie von zwei Männern aggressiv angesprochen: „Was habt ihr hier verloren?“ – „Ihr Scheiss Araber, verpisst euch aus unserem Land!“ Die Studenten werden unvermittelt mit Laserpointern geblendet. „Ich konnte nichts mehr sehen“, sagt der 24-Jährige. Auf einmal umringen sie sechs bis acht dunkel gekleidete Täter. „Einer schlägt mir in den Nacken“, sagt der 26-Jährige. Er wird leicht verletzt. Die Studenten flüchten zurück in den Markt und halten die Tür zu. Die Angreifer verfolgen sie, schlagen eine Schaufensterscheibe ein. Die Studenten und Verkäuferin Sarra Lemouddaa rufen sofort den Polizeinotruf 110. Erst dann entfernen sich die Täter. „Sie gingen normal, als wäre nichts geschehen“, sagt die 23-jährige Markt-Mitarbeiterin. Wie die Studenten glaubt sie, einer der Täter habe eine Pistole gehabt. Vielleicht wurde damit die Scheibe eingeschlagen, vermuten sie.

„Es war, wie eine geplante Aktion“, berichten die Studenten am Tag danach. Als hätten die Täter sie vor dem Laden erwartet, um sie als „Scheiss Araber“ beleidigen und angreifen zu können. Die Studenten kommen aus dem Norden Israels. Sie leben schon seit mehreren Jahren in Dresden, studieren an der TU Dresden Medizin. „Seit Pegida demonstriert, gehen wir montags nicht mehr in die Innenstadt“, sagen die Israelis. „Es ist zu gefährlich.“ Nur weil die Demo in Leipzig stattfand, hätten sie sich überhaupt abends in die Stadt gewagt.

Der Überfall fand gegen 19.40 Uhr statt. Es habe jedoch bis 21.15 Uhr gedauert, ehe der erste Polizeiwagen vor dem Geschäft am Rundkino eintraf. Viel zu lange. „Der Versicherungsvertreter für die Glasscheibe war eher da“, sagt Sarra Lemouddaa. Sie habe die Nacht nicht geschlafen. „Ich habe Angst.“ Es sei nicht der erste Angriff an diesem Geschäft, das erst im Mai eröffnet wurde. Es gab Schmierereien. Ende Oktober habe ein unbekannter Mann ein Regal umgeworfen und mehrere Zehntausend Euro Schaden verursacht. Nun der Angriff am Montag. Auch andere Kunden seien von den dunklen Gestalten geschlagen und geschubst worden. Sie hätten aber nicht so lange auf die Polizei warten wollen.

Thomas Geithner muss einräumen, dass den Beamten ein grosser Fehler passiert sei: „Da gibt es nichts schönzureden.“ Dem ersten Anruf sei am Notruf-Telefon nicht die nötige Dringlichkeit zugeordnet worden, so Geithner. Die Abfrage des Kollegen sei unzureichend gewesen. Die Sache sei dann dem Revier Mitte übergeben worden. Das erste Auto nach dem Schichtwechsel sei zum Tatort gefahren. „Wir hätten sofort andere Kräfte losschicken müssen“, sagt Geithner. Dieser Fehler werde nun intern ausgewertet.

(dpa / Alexander Schneider, SZ / JNS)



Kategorien:News

Schlagwörter: , ,

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: