Russlands Oberrabbiner kritisiert S-300-Lieferungen an Syrien


Berel Lazar, Oberrabbiner Russlands

Der Oberrabbiner Russlands, Berel Lazar, hat seine kritische Äusserung in Bezug auf die Lieferung von S-300-Flugabwehrkomplexen an Syrien gegenüber der israelischen Zeitung „Haaretz“ kommentiert.

Seine Äusserung erklärte der Oberrabbiner mit den Gedanken über eine „weitere Spannung in der Region“ und mit der Besorgnis über das „gegenseitige Vertrauen“ zwischen Russland und Israel.

„Die Katastrophe, in der russische Offiziere gestorben sind, ist eine schreckliche Tragödie, die Trauer und Beileid bei uns sowie bei Millionen anderer Menschen verursachte. Aber eine weitere Spannung, die in der Region entstanden ist, erschwert diese Tragödie. Genau das habe ich gemeint, indem ich über die Lieferung von Flugabwehrkomplexen an Syrien sprach“, sagte Lazar am Montag.

Er sei weder ein Militärexperte noch ein Politiker, um über die Folgen einer solchen Entscheidung zu spekulieren. Aber bei dem Verlust eines so wichtigen Wertes, wie das beiderseitige Vertrauen und die Zusammenarbeit zwischen den Ländern in verschiedenen Bereichen, kann er nicht umhin, Besorgnis und Bedauern zu empfinden, so der Geistliche.

Der Oberrabbiner äusserte die Hoffnung, dass ein baldiges Treffen zwischen dem russischen Präsidenten und dem israelischen Ministerpräsidenten das ehemalige Niveau der gegenseitigen Beziehungen zurückbringen werde.

Sein Hauptgedanke, den er im Interview für „Haaretz“ klarstellen wollte, sei darauf zurückzuführen, dass die russisch-israelischen Beziehungen dank den bedeutenden beiderseitigen Bemühungen in den letzten Jahren ein äusserst hohes Vertrauensniveau in mehreren Bereichen erreicht hätten: Von Projekten auf den Gebieten Kultur und Ausbildung bis zur Zusammenarbeit bei der Bekämpfung des Terrorismus. „Desto schwieriger ist es zu sehen, wie Bedrohungen für diesen gegenseitig vorteilhaften Prozess entstehen“, so Lazar.

Zuvor hatte der Oberrabbiner in einem Interview für die israelische Zeitung „Haaretz“ erklärt, dass er die Entscheidung Moskaus über die S-300-Lieferung an Syrien für einen Fehler halte, der die Probleme in der Region nur vergrössern werde.

Am 24. September hatte der russische Verteidigungsminister, Sergej Schoigu, erklärt, Russland werde als Antwort auf den Abschuss des russischen Aufklärungsflugzeugs Il-20 die Kommandostellen der syrischen Luftverteidigung mit einzigartigen automatisierten Kontrollsystemen ausstatten sowie in den nächsten zwei Wochen moderne S-300-Flugabwehrraketensysteme an Syrien liefern. Am 3. Oktober schloss Russland die Übergabe des Flugabwehrraketensystems S-300 an Syrien ab. Die für die Bedienung der Komplexe erforderliche Ausbildung der syrischen Militärs werde etwa drei Monate dauern, so der Verteidigungsminister.

Wann genau der israelische Regierungschef nach Moskau kommt, steht noch nicht fest. Dass er den russischen Präsidenten besuchen wird, ist aber bereits vereinbart. Das geht aus einer Mitteilung des israelischen Regierungsamts hervor, die die Zeitung „Haaretz“ zitiert. Nach langer Trotzphase will die israelische Führung offenbar verhandeln.

Benjamin Netanjahu und Wladimir Putin haben bei einem Telefonat „ein Treffen in nächster Zeit“ vereinbart, um die „wichtige Koordination“ zwischen den Streitkräften der beiden Länder fortzusetzen, heisst es in der offiziellen Mitteilung.

Es wird das erste Treffen zwischen Putin und Netanjahu nach dem Abschuss des russischen Seefernaufklärers Il-20 vor der syrischen Küste sein. Das russische Verteidigungsministerium macht bekanntlich die israelische Luftwaffe für das Unglück verantwortlich. Die Israelis suchen die Schuld bei der syrischen Flugabwehr.

Nach dem Abschuss der russischen Maschine hat das Verteidigungsministerium in Moskau beschlossen, Flugabwehrsysteme S-300 nach Syrien zu verlegen. „Wir haben die Verlegung der S-300-Systeme nach Syrien abgeschlossen“, sagte der russische Verteidigungsminister Sergej Schoigu bei einer Arbeitssitzung am 2. Oktober.

Deshalb kontrolliere das russische Militär nun „den Nahbereich auf 50 Kilometer, den Fernbereich auf 200 Kilometer Entfernung“. Gerade der Fernbereich sei die Zone, von der aus die israelische Luftwaffe Einrichtungen ein Syrien attackiert habe, erklärte der Minister.

Demnach wird bis Ende dieses Monats ein einheitliches Flugabwehr-Leitsystem in Syrien aufgebaut sein, innerhalb der kommenden drei Monate wird die Ausbildung des Personals an den S-300-Systemen abgeschlossen.

Die Stationierung der Flugabwehrsysteme soll denn auch ein zentrales Thema des geplanten Treffens zwischen Netanjahu und Putin werden.

Denn: Durch die Verlegung der russischen S-300-Systeme nach Syrien ist das syrische Militär befähigt worden, israelische Kampfjets, Drohnen und Bomber auch ausserhalb des syrischen Luftraums zu bekämpfen, schreibt das Fachportal „Avia.pro“.

Nach der Verlegung der S-300-Systeme wird die israelische Haltung nachgiebiger. Das wird laut dem Experten daraus ersichtlich, dass Tel-Aviv das Treffen mit Moskau vereinbart hat – und nicht umgekehrt.

Vor dem Anruf des israelischen Premiers in Moskau hatten seine Kabinettsmitglieder Russlands Entscheidung, moderne Flugabwehrsysteme nach Syrien zu liefern, heftig kritisiert. Die S-300-Systeme würden zerstört, sollten sie gegen das israelische Militär eingesetzt werden, erklärte Netanjahus Minister für regionale Zusammenarbeit Zachi Ha-Negbi.

Und der israelische Verteidigungsminister Avigdor Lieberman sagte, Israel habe keine Absicht, seine Einsätze in Syrien einzustellen. Die Einsätze seien notwendig, um die iranischen Kräfte in Syrien zu bekämpfen, weil sie angeblich die Hisbollah mit Waffen belieferten.

Das russische Aussenministerium betonte in diesem Zusammenhang, die iranischen Kräfte unterstützten in Syrien den Kampf gegen den internationalen Terrorismus. Sie befänden sich völlig legal auf syrischem Boden, „auf Einladung der syrischen Regierung“, sagte die Aussenamtssprecherin Maria Sacharowa.

Bisher hat es eine stillschweigende Vereinbarung zwischen Moskau und Tel-Aviv gegeben. Russland hat Israel daran nicht gehindert, seine Ziele in Syrien zu verwirklichen. Es bleibt ihnen nur, aufzubauen, was sie mit eigenen Händen zerstört haben. Es ist ja Netanjahu, der den russischen Präsidenten angerufen hat. Sie haben lange gebockt, sehen es aber letztlich ein, dass das kontraproduktiv ist.

Jetzt stellt sich die Frage ob die israelische Luftwaffe die Handlungsfreiheit in Syrien verloren, als dort die russischen S-300-Systeme stationiert wurden.

„Da der syrische Himmel für die Israelis gesperrt wurde, sind sie gezwungen, eine Annäherung an Russland zu suchen“, erklärt der Nahost-Experte Michail Tschernow. „Ausserdem ist der syrische Himmel damit grösstenteils auch für die Verbündeten Israels geschlossen.“

Beim kommenden Treffen in Moskau werden keine Zugeständnisse gefordert, man spricht wird eher über Interessen sprechen. Russland möchte Israel anbieten, einen Kommunikationskanal mit dem Iran einzurichten, um bestimmte Fragen gewaltfrei zu lösen. Das entspricht auch der russischen Deeskalationsstrategie.

Ganz offensichtlich ist aber, dass Putins Einfluss auf die Kriegspartei Iran weiter verliert. Denn derweil hetzt der der iranische Befehlsempfänger Teherans mit Kriegsgebärden gegen den jüdischen Staat. Der 2. Kommandant der iranischen Revolutionsgarde, Hüseyin Selami bezeichnete Israel als keine Gefahr für den Iran. Mit der weitreichenden Unterstützung Irans habe Hisbollah die Kraft, Israel zu vernichten. Selami beschuldigte Israel, die Welt hinsichtlich des Iran zu täuschen. Die USA bezeichnete er als eine politische Marionette, die für den Krieg im Nahen Osten, sieben Trillionen Dollar zur Verfügung gestellt, aber eine schwere Niederlage einstecken müssen. Der Iran habe keine einzige Militärbasis in der Region, werde jedoch von Tag zu Tag einflussreicher.

Hüseyin Selami sagte, er rate dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu, als Ministerpräsident des zionistischen Regimes, Schwimmversuche im Mittelmeer zu unternehmen. Denn Israel werde niemals siegen.

(JNS und Agenturen)

 



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