Netanjahu: Europäer müssen Druck auf den Iran erhöhen


Ein Kamingespräch vor Journalisten: Johnson heißt Netanjahu in seinem Amtssitz willkommen Foto: Büro des Premierministers

Trotz des Brexit-Chaos in London empfängt der britische Premier Johnson seinen israelischen Amtskollegen Netanjahu. Dieser drängt darauf, einen neuen Wirtschaftsplan für den Iran zu verhindern.

Der israelische Premier Benjamin Netanjahu hat am Donnerstag in London mit seinem Amtskollegen Boris Johnson die Lage im Nahen Osten thematisiert. Aufgrund der anhaltenden Debatten um den Brexit dauerte das Treffen nur etwa eine halbe Stunde – die Tageszeitung „Guardian“ mass gar nur 29 Minuten. Dennoch sei es ein Beleg für „Netanjahus Einfluss in der Downing Street“, dass es überhaupt zu dem Treffen kam.

Johnson betonte in der Presserunde vor dem Gespräch, Grossbritannien halte „natürlich“ an einer Zwei-Staaten-Lösung fest. Netanjahu antwortete, dass er über dieses Thema „auch“ reden möchte. Sein Hauptanliegen war aber die Iran-Politik. Die europäischen Mächte sowie die Europäische Union wollen auch nach dem Ausstieg der USA an dem Atomdeal festhalten. Netanjahu hatte den Deal jedoch von Anfang an kritisiert. Am Donnerstag forderte er Johnson dazu auf, einen Plan der Franzosen abzuweisen, der trotz der US-Sanktionen den Kauf von iranischem Öl ermöglichen würde.

Nach dem Treffen sagte ein Sprecher von Johnson, beide Seiten seien darüber einig, dass der Iran keine Atomwaffen erhalten dürfe. Ausserdem müsse das „destabilisierende“ Verhalten des Iran gestoppt werden. Johnson habe bei dem Treffen die „Notwendigkeit des Dialogs und einer diplomatischen Lösung“ betont. Bereits bei Reiseantritt hatte Netanjahu jedoch gesagt, jetzt sei nicht die Zeit für Gespräche. Vielmehr müsse durch Sanktionen der Druck auf den Iran erhöht werden.

Wie die britische Boulevardzeitung „Daily Mail“ berichtet, überwachte eine Anti-Terror-Einheit von Scotland Yard den Besuch Netanjahus. Diese trete selten in Erscheinung. Die Polizisten tragen Masken, um ihre Identität zu schützen, und sind in der Regel schwer bewaffnet. Die Einheit wurde 2016 infolge terroristischer Anschläge in Europa gegründet. (inn)

 



Kategorien:Politik

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